12-Stunden-Lauf Prambachkirchen

Teil 2 unserer Reihe “Mein bester Lauf”: Ein Bericht von und mit Michael Neundlinger aus Steyr.

©Michael Neundlinger

Ob es mein bester Lauf war, kann ich nicht sagen. Es war aber auf jeden Fall für mich das überraschendste Ergebnis! Gemeint ist der 12-Stunden-Lauf in Prambachkirchen, wo 2019 die 100-Kilometer-Staatsmeisterschaften ausgetragen wurden.

Aber der Reihe nach:

Am 13.07.2019 ging es also nach Prambachkirchen. Meine Erwartungen, meine Motivation und auch mein Selbstvertrauen waren nach dem sehr schlechten und auch abgebrochen 24-Stunden-Lauf, der eine Woche zuvor stattgefunden hat, im Keller. Dies zeigte sich auch gleich als wir in Prambachkirchen ankamen. Ich hatte meine Uhr zuhause liegen lassen. Naja was solls… Verpflegungszelt aufgebaut und dann ging es zum Start. Pünktlich um 06:30 Uhr erfolgte der Startschuss. Ich kam gut ins Laufen, fand auch schnell mein Tempo und zu meiner Überraschung lief es eigentlich ganz gut. Ich konnte zwar meine Pace nicht kontrollieren, da ich ja nur meine Rundenzeiten, die auf der Anzeigetafel beim Start/Ziel-Bereich ersichtlich waren, zur Orientierung hatte. Allerdings störte mich das an diesem Tag nicht. Es störte mich gar nichts an diesen Tag, nicht einmal der strömende Regen. Und so lief ich meine Runden mit einer angenehmen Lockerheit. Als ich dann nach ca. acht Stunden bei meiner Lebensgefährtin, die mich bei den Ultraläufen auch betreut, nachfragte, wie es denn ausschaue und sie mir dann zurief, dass es nur noch 12 Kilometer sind, wusste ich, dass sich eine persönliche Bestzeit ausgehen wird und zapfte die letzten Kraftreserven an. Nach 08:48 Stunden überquerte ich mit einer neuen Bestzeit die Ziellinie. Ich konnte meine Zeit um gut 30 Minuten verbessern. Mit dem sechsten Gesamtrang und den zweiten Rang in der Altersklassen bei den Staatsmeisterschaften, wollte ich eigentlich einfach nur mehr völlig erschöpft, aber überglücklich in den Sessel fallen und die Beine hochlegen.

Kein Ende in Sicht – Sieg beim 12-Stunden-Lauf

Ich hatte aber nicht mit meiner Lebensgefährtin gerechnet, die mich sofort wieder auf die Strecke peitschte. Da die ersten fünf Platzierten der Meisterschaft ihren Lauf bereits beendet hatten, führte ich in der 12-Stunden-Wertung. Also ging es weiter und ich wusste, ich darf nicht nachlassen, denn der Zweitplatzierte liegt nur eine Runde zurück. Noch einmal drei Stunden Konzentration und sich quälen. Wie ich die letzten Stunden überstand, kann ich nicht sagen, irgendwie lief ich mich in einen Rausch und hörte nur noch die Motivationsschreie – die kamen jetzt von überall. Um 18:30 Uhr endlich die Schlusssirene, mein Schatz kam schon auf mich zu gelaufen und ich sank auf die Knie. Es war geschafft, völlig unerwartet gewann ich, nach insgesamt 122,57 Kilometern, die 12 Stunden von Prambachkirchen. Jetzt kannte die Freude keine Grenzen mehr.

Mein Wunsch noch zum Schluss: Bitte lass diesen Virus schnell wieder verschwinden, damit ich mit all den verrückten Ultras wieder an der Startlinie stehen kann. Denn das ist der Hauptgrund, warum ich mich auf jeden Lauf aufs neue freue.

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