Teil 95 (KW 16/2020): Nicole Egger

Foto: ©Ulf Schiller

Die Schweizerin Nicole Egger ist seit 2014 Leistungssportlerin. Die Athletin vom LV Langenthal wurde bereits drei Mal Schweizer Meisterin und ist durch die aktuelle Corona-Krise nicht wirklich schwer betroffen, da sich die 34-Jährige aktuell nach einer Verletzung im Trainingsaufbau befindet. Mehr über Egger, die eigentlich die Europameisterschaften in Paris als großes Ziel ausgegeben hatte, könnt ihr im Helden-Interview #95 nachlesen.

Helden des Laufsports: Seit wann bist du Leistungssportlerin?

Nicole: Ich betreibe seit Sommer 2014 Leistungssport.

Hdl: Wie aktiv bist du davor gewesen?

Nicole: Als Kind war ich in vielen Sportarten gleichzeitig aktiv. Vor allem Ausdauersportarten, aber auch das Skifahren oder Ballsportarten machten mir Spass. In der Jugend bis hin ins Erwachsenenalter, standen dann andere Freizeitaktivitäten im Vordergrund, Sport betrieb ich selten. Ein Bewegungsmensch im Alltag war ich aber immer.

Hdl: Welche waren deine bisher größten sportlichen Erfolge?

Nicole: Drei Mal wurde ich in den letzten beiden Jahren Schweizer Meisterin (Cross, zehn Kilometer Strasse und 5.000 Meter Bahn). Noch mehr bedeutet mir der überraschende sechste Rang bei der Team-EM in Polen über die 3.000 Meter, sowie die Teilnahme an der Cross-EM im letzten Jahr. Das Jahr 2019 war für mich ohnehin ein besonders erfolgreiches Jahr. Ich konnte von 800 Meter bis zehn Kilometer meine Bestzeiten verbessern.

Hdl: Gibt es Bestzeiten auf die du besonders stolz bist?

Nicole: Am meisten stolz bin ich auf meine Bestzeit über 3.000 Meter, die ich quasi pulverisierte. Sie kam in einem taktischen Rennen mit einem sehr langsamen Startkilometer von 3:13 Minuten zustande. Erst in der zweiten Rennhälfte wurde das Tempo angezogen. Ich habe dort bewiesen, dass ich gegen Ende noch sehr viele Kräfte mobilisieren kann und meinen Willen im Sprint einsetzen kann.

Hdl: Wie sieht eine normale Trainingswoche bei dir aus?

Nicole: Es gibt bei mir keine typische Trainingswoche. Ich entscheide relativ spontan, was gerade ansteht und beziehe das Körpergefühl sowie die Arbeitsbelastung mit ein. Jedoch schaue ich auf eine sinnvolle Abfolge der Trainingsreize und Trainingsinhalte. Auch der Trainingsumfang variiert ziemlich stark, das Spektrum reicht von sechs bis zwölf Trainingseinheiten wöchentlich. Ausdauereinheiten absolviere ich gerne, auch mal alternativ, um die Belastung auf den Körper etwas zu reduzieren. Dies nicht zuletzt, weil ich sehr spät mit Leistungssport begonnen habe. Zudem investiere ich recht viel Zeit in Kraft- und Lauftechniktraining. So laufe ich im Vergleich zu meinen Trainingskollegen zwar wenige Kilometer, kann aber dennoch einen hohen Trainingsumfang mit viel Qualität und Vielfalt realisieren.

Hdl: Wie wichtig ist dir das Thema Ernährung?

Nicole: In Sachen Ernährung liegt mein grösstes Verbesserungspotential. Ich esse am liebsten ohne mir groß Gedanken darüber zu machen. Bisher fühlte ich mich so wohl und konnte Leistungsfortschritte erzielen. Am Wettkampftag schaue ich, dass ich gut verträgliche Dinge zu mir nehme. Vor Wettkämpfen mag ich Brot mit Schokolade, das liefert viel Energie und liegt nicht auf. Zusätzlich trinke ich isotonische Getränke. Nach harten Trainings oder Wettkämpfen achte ich darauf, die Energiereserven so schnell wie möglich wieder aufzufüllen. Hier bevorzuge ich Milch und Proteingetränke.

Hdl: Welche sind deine Lieblingsdistanzen im Wettkampf?

Nicole: Ich mag alle Distanzen von 800 Meter bis zum Halbmarathon. Die Abwechslung macht für mich den Reiz aus, auch wenn mir Distanzen ab 3.000 Meter aufwärts am meisten liegen und ich im Training den Fokus daraufsetze.

Hdl: Wie gehst du mit der aktuellen Situation um? Eine Zielsetzung ist zurzeit ja schwierig.

Nicole: Im Vergleich zu anderen Sportlern sind wir Langstreckenläufer sicherlich am wenigsten durch die Corona- Krise eingeschränkt, da wir immerhin alleine laufen gehen dürfen und nicht zwingend auf Kraftgeräte, Teamkollegen oder Trainingslokalitäten angewiesen sind. Klar, die fehlende Zielsetzung aufgrund der abgesagten Wettkämpfe ist auch in unserer Sportart schwierig und eine Schwerpunktsetzung im Training dadurch unklar. Für mich persönlich sieht es etwas anders aus, da ich gesundheitlich angeschlagen war und mich nun im Aufbautraining befinde. Der Europacup in London, für den ich das Limit unterboten habe, findet nun doch nicht statt und ich kann den Aufbau umso stressfreier und sorgfältiger machen. Ich konzentriere mich im Moment mehr auf den Weg als auf das Ziel und habe Freude, dass ich mich wieder bewegen kann.

Hdl: Du kommst aus der Schweiz, welchen Stellenwert hat dort die Leichtathletik?

Nicole: Ich bewege mich zwar noch nicht so lange Zeit in der Leichtathletikszene, aber mir ist aufgefallen, dass der Stellenwert in den letzten Jahren zugenommen hat. Dadurch resultieren auch in vielen Disziplinen immer wieder neue Bestmarken. Den Aufwärtstrend merke ich auch in „meinen“ Disziplinen, bei denen mir insbesondere die höhere Leistungsdichte auffällt. Beispielsweise liefen vor wenigen Jahren noch nicht viele Frauen unter 04:30 Minuten über 1.500 Meter, heute sind es schon einige. Ähnlich sieht es auch bei den anderen Distanzen aus, man muss generell immer schneller laufen, um vorne mitzuhalten.

Hdl: Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Nicole: Ich bin gerne auch mal mit Freunden unterwegs oder gehe aus. In den letzten Jahren hatte ich aber kaum Zeit dazu, da es nicht immer einfach ist, Training, Regeneration und Arbeit unter einen Hut zu bringen.

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