Teil 93 (KW 14/2020): Patrick Krammer

Der Niederösterreicher Patrick Krammer lief 2019 in Frankfurt bei seinem Marathondebüt gleich unter 02:30 Stunden. Im Helden-Interview #93 gibt er uns einen Einblick in seinen Alltag, welcher dem 28-jährigen Gesundheits- und Krankenpfleger vor allem jetzt in der Corona-Krise viel abverlangt. Patrick erzählt uns von seinem Lauf in der Mainmetropole und hat eine sehr detaillierte Trainingswoche für uns.

Helden des Laufsports: Wann und wie bist du zum Laufen gekommen?

Patrick: Sport hat in meiner Familie schon immer eine große Rolle gespielt. Während meiner gesamten Kinder- und Jugendzeit habe ich Fußball gespielt. Meine Eltern haben auch versucht, mir andere Sportarten wie Tennis näher zu bringen, aber durch meinen damaligen Freundeskreis bin ich beim Kicken geblieben. Mit ca. 20 Jahren durchlebte ich eine harte Phase – ich wusste nicht, welchen beruflichen Werdegang ich einschlagen sollte und auch beim Fußball spielen fehlte mir die Freude. Nach einer einjährigen Verletzungspause fasste ich den Entschluss, mich hinsichtlich meiner sportlichen Interessen zu verändern. Mein Bruder, welcher bis dahin Erfahrung in der Leichtathletik gesammelt hatte, verschaffte mir ein Probetraining beim DSG-Wien-Trainer Herwig Grünsteidl. Da ich schon in den ersten Runden auf der Laufbahn große Freude verspürte, wusste ich sofort „das ist mein Sport!“. Dementsprechend habe ich im Jahr 2010 mit der Leichtathletik angefangen. Zwischen den Jahren 2011 und 2014 musste ich das Training aufgrund meiner Ausbildung zum diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger stark reduzieren, doch seitdem bin ich wieder voll dabei.

Hdl: Jetzt machen wir einen großen Sprung ins Jahr 2019. In Frankfurt hast du letztes Jahr dein Marathondebüt gefeiert. Nach 02:26:51 Stunden hast du die Ziellinie überquert. Wie war das Gefühl danach?

Patrick: Es war wirklich ein ganz besonderes Gefühl. Wenn dein Marathondebüt genauso verläuft und somit besser als erwartet, dann ist das natürlich überragend.

Hdl: Wie intensiv hast du dich auf dein Debüt vorbereitet? Wie sah eine normale Trainingswoche in der Vorbereitung aus?

Patrick: Auf den Frankfurt-Marathon habe ich mich 12 Wochen lang vorbereitet. Mein Laufcoach Herwig Grünsteidl und ich erstellten folgenden Trainingsplan: zunächst ein dreiwöchiger Belastungsblock mit ungefähr 160 bis 180 Wochenkilometern (mit zwei Belastungen pro Woche), gefolgt von einer Entlastungswoche mit 140 Kilometern. Abgesehen von einer einwöchigen Zwangspause aufgrund von Rückenschmerzen, konnte ich die geplante Vorbereitung komplett absolvieren. (Anm. d. Red. Am Ende des Interviews findet ihr eine komplette Trainingswoche von Patrick)

Hdl: Wie verträgt sich ein Training auf diesem Niveau mit einer Nachtschicht bzw. einer 12-Stunden-Schicht?

Patrick: Wie sonst auch im Leben ist alles Routine. Mein Nachtdienst beginnt um 18:45 Uhr und endet um 07:30 Uhr morgens. Die Belastungen mache ich immer vor einem Nachtdienst am Morgen/Vormittag. Nach dem Nachtdienst folgen dann die ruhigen Dauerläufe. Nach einer Nachtschicht ein hartes Intervalltraining anzugehen, ist meiner Meinung nach sinnlos. Hierbei erscheint mir die Verletzungsgefahr zu groß, da mein Körper schon sehr müde ist. 

Hdl: Wer solche Zeiten läuft, lebt vermutlich wie ein Profi. Musst du auf viel verzichten und stellt man sich da nicht manchmal die Sinnfrage?

Patrick: Ich denke, mir macht der Laufsport gerade deshalb Spaß, weil ich bereits persönliche Fortschritte sowie besondere Erfolge feiern und großartige Menschen kennenlernen durfte. Da meine Leistung über die Jahre nicht schlechter geworden ist beziehungsweise Fortschritte vorhanden sind, habe ich mir die Sinnfrage noch nicht gestellt. Da ich Laufen nicht nur als Sport sondern allgemein als Lifestyle bezeichnen würde, muss ich meiner Meinung nach nicht wirklich auf Bestimmtes verzichten. Alkohol sowie Fast Food schmecken mir nicht. Ich esse was ich möchte und worauf ich Lust habe (seit neuestem ernähre ich mich vegetarisch). Schokolade darf ich bei meinem Wochenkilometer-Schnitt aber schon ab und zu naschen. Den sozialen Aspekt betreffend verzichte ich manchmal auf Partys oder muss diese früher verlassen, da ich am nächsten Tag ausgeruht und fit zum Training erscheinen will.

Hdl: Abgesehen vom sportlichen Erfolg, was „gibt“ dir der Laufsport?

Patrick: Trophäen und Siege stehen für mich nicht im Vordergrund. Für mich ist der Laufsport nicht nur ein Ausgleich zum beruflichen Alltag, sondern ein Gefühl von Freiheit. Beim Laufen habe ich Zeit für mich und kann über Dinge nachdenken, die ich sonst möglicherweise außer Acht lassen würde. Beim Laufsport verhält es sich wie bei meiner Lebensphilosophie: weitermachen und versuchen sein Bestes zu geben, auch wenn man vor Problemen steht.

Hdl: Hast du in Vösendorf/Niederösterreich gute Trainingsbedingungen?

Patrick: Ich trainiere hauptsächlich in Vösendorf und habe hier perfekte Bedingungen. Es gibt zahlreiche Feldwege, die sich für meine Trainingseinheiten anbieten. Wenn ich in Wien trainiere, bin ich die meiste Zeit auf der Prater Hauptallee unterwegs.

Hdl: Was waren deine bisher größten sportlichen Erfolge?

Patrick: Das waren meine Teamstaatsmeistertitel im Halbmarathon von 2017 bis 2019, ein sechster Platz bei dem Österreichischen 10.000-Meter-Meisterschaften in Regensburg und meine Teilnahme an den European Club Cross Country Championships in Mira mit dem DSG Wien.

Hdl: Du läufst 3.000 Meter in 08:59 Minuten und den Halbmarathon in 01:09:56 Stunden. Gibt es irgendeine Bestzeit auf welche du besonders stolz bist?

Patrick: Besonders stolz bin ich auf meine derzeitigen Halbmarathon- und Marathon-Bestzeiten, da ich diese Leistungen neben meinem 40-Stunden-Job erbracht habe.

Hdl: Welche sportlichen Pläne hast du für die Zukunft?

Patrick: Natürlich wäre es genial bei einem internationalen Großereignis mitmachen zu dürfen, aber grundsätzlich möchte ich gesund bleiben, dem Spaß am Sport beibehalten und natürlich schneller werden.

Hdl: Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Patrick: Am liebsten gehe ich ins Kino, auf Konzerte oder einfach nett mit Freunden essen. Reisen in unterschiedliche Ländern und Kulturen steht auch oben auf der Liste, dabei versuche ich diese auch immer wieder mit Lauf-Wettkämpfen zu verbinden.

Trainingswoche von Patrick Krammer:

Montag: 05:40 Uhr: 10km (4:10pace) Lauf in die Arbeit gefolgt von einer 12 Std. Schicht und Anschließend 10km (4:06pace). Nachhause um ca. 19:50 Uhr.

Dienstag: Belastung 4x2km (6:25-6:20min) 1km Jogpause (3:35-3:34pace) gefolgt von 10x 400m (ca. 72‘‘) 100m Trabpause ca. (60-40‘‘), jeweils 3km Warm up und Cool Down.

Mittwoch: 20km Dauerlauf (4:07pace).

Donnerstag: 30km Dauerlauf (4:04pace).

Freitag: 05:40 Uhr 10km (4:04pace) Lauf in die Arbeit gefolgt von einer 12 Std. Schicht und anschließend 10km (4:10pace) Nachhause um ca. 19:50 Uhr.

Samstag: 40km Longrun 25km ca. (3:45-3:40pace) und 15km in der angepeilten Marathon-Pace.

Sonntag: 16km (4:10pace) Dauerlauf und Nachtschicht.

In der Entlastungswoche ließ ich meistens einen Dauerlauf ausfallen und machte entweder eine Pause oder eine lockere Kräftigungseinheit. Durch meinen Verein, DSG Wien, habe ich das Glück, teilweise von Top-Läufern wie Stephan Listabarth, Timon Theuer, Roland Fencl oder Bernhard Obrecht beim Training begleitet zu werden.

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