Peter Filzmaier: “Ein Bubentraum ging in Erfüllung”

Peter Filzmaier: “Ein Bubentraum ging in Erfüllung”

Peter Filzmaier, österreichischer Politikwissenschafter, durfte sich 2021 einen Bubentraum erfüllen: Der Wiener, der heute seinen 55. Geburtstag feiert, gab beim Linz Marathon für den ORF sein Debüt als Sportreporter. Im Interview spricht Filzmaier, der einst selbst den Halbmarathon in 72 Minuten absolvierte, darüber und wirft trotz “Wahlstress” für “Helden des Laufsports” einen Blick auf den anstehenden Marathonherbst! Berlin, Valencia und New York stehen am Programm.

Peter Filzmaier / Foto: ©Kellner

Im Herbst stehen die großen Marathons am Programm. Beginnen wir mit Berlin, der am 25. September stattfindet: Welche Erwartungen haben Sie an das Feld bei den Herren und Damen?

Peter Filzmaier: Während ansonsten im Marathonherbst für mich die Frauenrennen im Mittelpunkt stehen, ist das in Berlin nicht ganz so. Man soll mich bitte nicht missverstehen, natürlich sind beispielsweise die US-amerikanische Rekordlerin Keira d’Amato und die Kenianerin Nancy Jelagat Meto als Topstarterinnen exzellente Läuferinnen. Doch zu den Allerbesten der Welt zählen sie nicht ganz. Der Streckenrekord in der deutschen Hauptstadt ist eine niedrige 2:18er-Zeit, das können sie kaum laufen, einen Weltrekord sowieso sicher nicht. Die Rekordentwicklung war jedoch in den letzten Jahren derart sensationell, dass die Frage nach einer Siegerzeit von über oder unter 2:20 Stunden keine besondere Dramaturgie darstellt. Doch vielleicht gibt es ja einfach einen spannenden Rennverlauf.

“Ich war sehr überrascht, dass Eliud Kipchoge sich für Berlin entschieden hat.”

Peter Filzmaier.

Das Rennen der Herren ist da für Sie spannender?

Naja, zugegeben ist hier für mich vielleicht der Wunsch Vater des Gedankens. Doch ich war sehr überrascht, dass Eliud Kipchoge sich für ein Antreten in Berlin entschieden hat. Meine Vermutung war natürlich, dass er im heurigen Herbst versucht in New York zu gewinnen und kommendes Jahr in Boston läuft. So hätte er nach Berlin, Chicago, London und Tokyo die Chance in allen WMMs – also den World Major Marathons – zu siegen. Altersbedingt kann er sich dafür ja nicht ewig Zeit lassen. Wenn er nun trotzdem in Berlin antritt, und es nicht des Geldes wegen macht, will er auf einer der schnellsten Strecken nochmals so richtig superschnell sein. Was in seinem Fall eigentlich nur Weltrekordambitionen bedeuten kann. Ist das für ihn nicht möglich, so würde ich Vorjahressieger Guye Adola aus Äthiopien nicht unterschätzen.

Am 6. November gehen die Läufer in New York auf die Strecke. Auf was und wen dürfen sich die Fans dort freuen?

In New York mit seinen Brücken und Hügeln geht es bekanntlich nicht um die Zeit, dort will jede und jeder einfach nur gewinnen. Wenn niemand verletzt zurückziehen muss, könnte es ein unglaublich spannendes Rennen der Frauen geben. Immerhin wollen Olympiasiegerin Jepchirchir, Weltmeisterin Gebreselase – für sie wäre es allerdings heuer bereits das dritte Rennen -, und als Debütantin Hellen Obiri starten. Das wird interessant, weil sie von der Bahn kommt, während die beiden Erstgenannten sich sehr früh auf Straßenläufe spezialisiert haben. Von ihrer 10.000 Meter-Bestzeit her könnte Obiri auf einer flachen Strecke theoretisch unter 2:18 laufen. In New York natürlich nicht, doch damit wäre sie im Leistungsbereich der beiden großen Favoritinnen. Ach ja, natürlich gibt es da auch ein Herrenrennen: Gut, da sind mit Titelverteidiger Korir, Bostonsieger Chebet und Ex-Londonsieger Kitata große Namen dabei, doch im Vergleich zu den Frauen fällt das für mich unter ferner liefen (lacht).

Und am 4. Dezember Valencia. Auch hier die Frage, was erwartet uns in Spanien?

Entweder bin ich nachher enttäuscht, weil meine Favoritin floppt, oder es wird der Tag der Tage! Valencia ist aus meiner Sicht die schnellste Marathonstrecke überhaupt, sogar schneller als Berlin. Warum das diesmal besonders wichtig ist? Letesenbet Gidey aus Äthiopien läuft ihren ersten Marathon. Für Nichtinsider als kurze Erklärung dazu: Sie hält die Weltrekorde über 5.000 und 10.000 Meter. Letzteren in 29:01 Minuten! Das ist nochmal über eine Minute besser als Obiris Bestzeit. In der Theorie ergibt das hochgerechnet eine mögliche Marathonzeit von 2:13. Mindestens. Klar, solche Zahlenspiele sind rein theoretisch, im ersten Marathonrennen kann auch für Gidey viel schiefgehen. Nur das hat man im Vorjahr in Valencia auch gesagt, als sie erstmals in einem Halbmarathon startete. Das Ergebnis war eine unglaubliche 1:02er-Zeit als Zertrümmerung des bisherigen Weltrekords … Bei den Herren wird es übrigens sicher ebenfalls schnell, doch damit habe ich mich noch zu wenig beschäftigt und warte ab, ob vielleicht ein Halbmarathonstar sich auch über die doppelt so lange Distanz versucht.

“Der Streckenrekord in Linz ist fast zu gut für diesen Marathon, da haben sich seit 2007 schon viele die Zähne ausgebissen.”

Peter Filzmaier wird in Linz als Co-Kommentator tätig sein.

Dazwischen ist noch Linz. Superstars werden dort keine am Start sein, auf tolle Zeiten darf man sich trotzdem freuen, oder?

Beim Marathon Linz mit Berlin zu vergleichen, solche Gegenüberstellungen wären natürlich unfair. Ich suche ja umgekehrt auch nicht nach Parallelen der Berliner Skimeisterschaft mit der Abfahrt in Kitzbühel. Doch Linz ist eine großartige Veranstaltung mit vielen Laufdistanzen, einer schönen Strecke, guter Organisation und ohne den Stress der ganz großen Marathons. Der Streckenrekord der Herren ist mit 2:07:33 fast zu gut für einen Marathon der Linzer Größe, da haben sich seit 2007 schon viele die Zähne ausgebissen. Doch gab es im Vorjahr bei den Frauen einen neuen Rekord in 2:30:27, hier könnte ein Unterschreiten der 2:30er-Grenze durchaus ein weiteres Ziel sein. Übrigens darf ich Mitte September einen Vortrag zum Kickoff für den Linz Marathon am 23. Oktober halten.

In Linz werden auch die Halbmarathon-Staatsmeisterschaften ausgetragen. Wir intensiv haben Sie die österreichische Laufszene im Blick?

Für die Staatsmeisterschaft im Halbmarathon gibt es noch kaum offizielle Anmeldungen, da würde mir genaues Hinschauen also einstweilen wenig helfen (lächelt). Sie merken jedoch an meiner Antwort, dass ich mir regelmäßig online Starterlisten und Ergebnisse von österreichischen Läufen anschaue. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei zu überlegen, wie ich mit meinen früheren Bestzeiten bei diesem oder jenem Volkslauf abgeschnitten hätten. Ich weiß, dass das 20 Jahre später unsinnig ist, und kenne oft ja nicht einmal das genaue Streckenprofil oder die Wetterverhältnisse, Doch ich gestehe als älterer Mann diese menschliche Schwäche meinerseits hiermit ein.

“Ein Bubentraum ging in Erfüllung”

Peter Filzmaier über sein Sportreporter-Debüt 2021 beim Linz Marathon.

2021 haben Sie erstmals für den ORF den Linz Marathon kommentiert. Auch dieses Jahr werden Sie wieder hinter dem Mikro sein. Wie zufrieden waren Sie persönlich mit Ihren Kommentatoren-Debüt?

Peter Filzmaier: Für mich war es schlicht und einfach die Erfüllung eines Bubentraums, weil ich als Kind immer Sportreporter werden wollte. Als es aus der oberösterreichischen und österreichischen Läuferszene ein positives Feedback gab, hatte ich richtiggehend einen Kloß im Hals und habe mich irrsinnig gefreut. Doch hatte ich ja dankenswerterweise sowohl Reporter des ORF als auch Christian Pflügl mit einer Marathonbestzeit von 2:15 Stunden an meiner Seite.