Teil 85 (KW 06/2020): Peter Filzmaier

©Henry Kellner

Peter Filzmaier ist in Österreich jedem bekannt, der sich im Fernsehen gerne Politikanalysen ansieht. Filzmaier ist Politikwissenschaftler und in Zeiten der Ibiza-Affäre und deren Folgen fast täglich im TV zu sehen. Der 52-Jährige war früher ein super schneller Läufer. Für zehn Kilometer benötigte Filzmaier in seinen besten Jahren keine 33 Minuten. Im Helden-Interview #85 sprechen wir mit dem Wiener über sein erstes Buch „Atemlos“, aber auch darüber, wie ihm der österreichische Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner einen Barcelonatrip versaute.

Helden des Laufsports: Wie und wann hat sich Ihre Liebe zum Laufsport entwickelt?

Filzmaier: Das Interesse war immer schon da, aber zum engagierten Volksläufer wurde ich erst durch einen Schiunfall als junger Mann. Da wäre es rechts auf die Piste zurückgegangen und links fünf Meter tief in einen Abgrund. Ich habe mich kopfüber für links entschieden. Eine Fehlentscheidung, die zu schweren Verletzungen beider Ellbogen geführt hat, weil ich instinktiv die Arme über den Kopf gab. Dinge wie Tennis kann ich seitdem nicht mehr machen – also habe ich eine Sportart gesucht, bei der ich nicht beeinträchtigt war. Das war Laufen.

Hdl: Ihre Halbmarathonbestzeit liegt bei 01:12 Stunden. Waren die 21,1 Kilometer Ihre Lieblingsdistanz?

Filzmaier: Hm, das ist eine gute Frage, die ich nicht klar beantworten kann. Denn im Grunde war meine Bestzeit im Halbmarathon nur eine Art Nebenprodukt des Marathontrainings. Meine Versuche eines schnellen Marathons sind kläglich gescheitert. Sicher auch am eigenen Unvermögen, aber einmal an der mörderischen Hitze in Wien und zweimal banal an beruflichen Terminproblemen. Und während man es ja beim Marathon nicht so einfach ein paar Wochen später anderswo wieder probieren kann, ging sich stattdessen ein Halbmarathonstart aus. Ohne allzu spezifisches Training dafür, doch auf der Basis eines guten Marathontrainings. So war es auch beim Bestzeitlauf, der freilich sehr lange zurück liegt: Es war nämlich vor Ewigkeiten ein Schuh Ski-Marathon auf der Wiener Donauinsel, da gibt es die entsprechende Sportgeschäftskette längst nicht mehr und den Lauf noch viel weniger.

Hdl: An welche läuferischen Highlights denken Sie noch heute gerne zurück?

Filzmaier: Rein sportlich an den Innsbrucker Stadtlauf 2001. Platzierungsmäßig kam ich da zwar im Nirgendwo ins Ziel, doch war das anders als beim beschriebenen Halbmarathon eine laut Veranstaltern mit AIMS vermessene Strecke. Und obwohl der Lauf knapp länger war, weil es sich mit dem Straßenverlauf nicht anders ausging, hat man zusätzlich die 10 Kilometer gestoppt. Meinen damaligen Kilometerschnitt von 3:17 bin ich nie wieder gelaufen. Mhmmm, und sonst? Es gab ein paar Siege bei kleineren Volksläufen, doch das war Glückssache, wenn die wirklich guten Läufer woanders starteten. Wirklich stolz bin ich, dass ich mit 46 Jahren beim Stammersdorfer Lauf in Wien nochmals gewonnen habe und nicht nur meine Altersklasse.

Hdl: Wie viele Trainingskilometer haben Sie damals pro Woche absolviert?

Filzmaier: Ach herrje, da ist in der Laufszene allzu oft tiefstapeln angesagt. Viele in meiner Leistungsklasse haben von 60 bis 80 Kilometern gesprochen, geglaubt habe ich das nur wenigen Talenten. Die ehrliche Antwort: Es waren oft über 100 Kilometer die Woche, wenn man bei den Intervallen und Tempoläufen das Ein- und Auslaufen dazurechnet.

Hdl: Sie sind ja ein bekennender Statistik- und Zahlenfreak, haben Sie noch alte Trainingsaufzeichnungen archiviert?

Filzmaier: Interessanterweise nein. Aber in meinen besten Laufzeiten gab es noch nicht GPS-Systeme mit der automatischen Speicherung und Übertragung aller Daten von der Armbanduhr auf den Computer. Ich hatte nur ein oder zwei Word- oder Exceldateien mit 12 Wochen-Plänen. Doch die allgemeinen Angaben dort, die wusste ich dann sowieso auswendig.

Hdl: Haben Sie immer diszipliniert nach Trainingsplan trainiert und hatten Sie einen Trainer?

Filzmaier: Nein, ich war Autodidakt, der viel über Trainingsmethoden nachgelesen hat. Schon aus beruflichen Gründen mit vielen Reisen musste ich mir immer meinen eigenen Plan basteln. Mein erstes Laufbuch war von Herbert Steffny und ist heute uralt. Worüber ich mich aber übrigens heute noch freue: Ein Freund von mir in nicht mehr ganz jungen Jahren – Peter Plaikner – wollte unbedingt einen Marathon unter drei Stunden laufen. Ich habe ihm einen maßgeschneiderten Trainingsplan geschrieben und es hat geklappt! Später ist er mit demselben Plan sogar als über 50-jähriger auf nicht ganz einfacher Strecke nochmals 3:03 Stunden gelaufen.

Hdl: Stimmt es, dass Sie heute nicht mehr laufen?

Filzmaier: Ja. Ich hatte 2018 eine sehr schwere Krankheit. Konkret: Endokarditis. Jetzt bitte nicht googeln, es ist echt nicht schön. Alles wieder gut, doch meine Laufsportzeit ist vorbei. Aber dafür schreibe ich ja nun über Sport und darf vielleicht sogar bald Sportereignisse kommentieren.

Hdl: Man kennt Sie in Österreich als Politikwissenschaftler. Aber jetzt haben Sie mit „Atemlos“ ein Sportbuch auf dem Markt gebracht, das war für viele dann doch eine Überraschung. Warum ein Sportbuch?

Filzmaier: Weil es mir riesigen Spaß gemacht hat, das Buch zu schreiben! Ich hatte mehrere Anfragen von Verlagen für Politikbücher, doch da fehlte mir der zündende Funke. Es wäre für mich alles furchtbar routiniert und erwartbar gewesen: Vom Inhalt bis hin zu den Fragen und Antworten bei der Buchpräsentation. „Atemlos“ war hingegen für mich ein großes Abenteuer voller Emotionen. Deshalb war es das Buch, das ich unbedingt schreiben wollte. Als meine sehr persönlichen Sportgeschichten, wie ich sie erlebt habe. Sei es als Fan mit leuchtenden Augen vor Ort oder mit Familie und Freunden heftig mitfiebernd vor dem Fernsehgerät.

Hdl: Ihr Traumjob ist eigentlich Fernsehmoderator, richtig? Welches sportliche Großereignis würden Sie gerne moderieren?

Filzmaier: Mein Bubentraum war ganz konkret Sportreporter und nicht etwa bloß irgendeine Fernsehsendung moderieren. Aber vermutlich kann ich besser parallel zu einem professionellen Reporter oder nachher meinen Senf dazugeben. Also sollte ich eher kommentieren und analysieren statt nur live zu berichten. Da wären für mich natürlich Marathons sowie Olympische Spiele und ein bisschen Fußball besonders spannend.

Hdl: Sie sind Fan des FC Barcelona. Waren Sie schon einmal im „Camp Nou“?

Filzmaier: Leider nur einmal vor Jahrzehnten. Zuletzt wollte ich im Jahr 2017 unbedingt hin. Alles war fix organisiert, Flüge und Hotel längst gebucht. Dann ist genau in dieser Woche der damalige Vizekanzler Reinhold Mitterlehner zurückgetreten und es kam zu Neuwahlen, also musste ich alle Reisepläne verfallen lassen …

Hdl: Bleiben wir beim Fußball, allerdings nicht auf Barcelona-Niveau. Wer ist für Sie der Aufstiegsfavorit in der zweithöchsten österreichischen Spielklasse? Die SV Ried oder Austria Klagenfurt?

Filzmaier: Oje, ist das eine Fangfrage, damit ich nun entweder in Oberösterreich oder in Kärnten möglichst viel Ärger bekomme? Na gut: Gefühlsmäßig die Rieder. Aber im Prinzip ist mein Tipp für die Klagenfurter eine gute Nachricht: Denn nicht nur, dass meine Erfolgsquote beim Tippen allgemein eher schlecht ist – gerade vermeintlich todsichere Favoritentipps von mir führen meistens zu einem Favoritensterben.

Hdl: Wenn Sie nicht gerade die Aussagen von Sebastian Kurz und co. analysieren, oder sich Sport im Fernsehen anschauen, was machen Sie dann?

Filzmaier: Auf jeden Fall möglichst alles lesen, was ich in die Finger kriege. Von Zeitungen über Fachzeitschriften bis zu jede Menge Bücher. Wobei ich als Wissenschaftler die Unsitte habe, manches sozusagen nur „querzulesen“. Dafür gibt es auch viele Romane, die ich immer wieder lese.

Hdl: Letzte Frage: Sind Sie schon einmal auf Ibiza laufen gewesen?

Filzmaier: (lacht) Nein, aber im Lauf der Jahre tausende Kilometer auf Mallorca.

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