Peter Herzog läuft österreichischen Marathon-Rekord

Text und Foto: Olaf Brockmann

Sensationeller Peter Herzog! Der Salzburger stellte beim London-Marathon in 2:10:06 Stunden einen neuen österreichischen Rekord über die klassischen 42,195 km auf. Der 33-Jährige verbesserte die ein Jahr alte Bestmarke von Lemawork Ketema (2:10:44) um 38 Sekunden. Der von Hannes Langer trainierte Athlet belegte auf dem Rundkurs mit 19 Runden im St. James‘ Park den sagenhaften zwölften Platz. Herzog: “Dieser Rekord bedeutet mir richtig viel! Der war vor Jahren noch ein vollkommen unerreichbares Ziel!”

Foto: ©Olaf Brockmann

Beim Zieldurchlauf riss Peter Herzog beide Hände überglücklich in die Höhe, dann lag er nach der Finishline auf dem regennassen Asphalt, stand langsam auf und jubelte ohne Ende. “Ich bin megahappy und natürlich total begeistert, ich freue mich einfach, dass ich meine Chance hier in London genutzt habe!” Es war ja kein Leichtes, einen Startplatz bei diesem London-Marathon, der nur für Elite-Läufer offen war, zu ergattern. Dank Beziehungen von Mark Milde (Berlin), der ihn in London auch betreute, und Hannes Langer aber kam Herzog in das Rennen, das wegen der Coronavirus-Pandemie auch ohne Zuschauer ausgetragen wurde. Herzog: “Dass ich so gut mithalten konnte, war wirklich großartig!”

ELIUD KIPCHOGE NUR ACHTER

Sieger des Rennens wurde Shura Kitata aus Äthiopien in 2:05:41. Hinter Kitata landeten zwei Sieger des Vienna City Marathons: Vincent Kipchumba (Ken), in Wien Sieger 2019, wurde Zweiter in 2:05:42, Dritter wurde Sisay Lemma (Äth), der den VCM 2015 gewonnen hatte, in 2:05:45. Weltrekordler Eliud Kipchoge (Kenia), der beste Marathonläufer aller Zeiten und viermaliger London-Sieger, belegte in 2:06:49 nur den achten Platz. Kipchoge dazu: “Nach 25 Kilometern war mein Ohr blockiert. Aber so ist es im Sport, wir sollten Niederlagen akzeptieren und uns darauf konzentieren, das nächste Mal zu gewinnen.”

Bei den Frauen hatte sich wie im Vorjahr Brigid Kosgei aus Kenia durchgesetzt. Die 26-jährige Weltrekordlerin gewann in 2:18:58 Stunden vor Sara Hall (USA/2:22:01) und Weltmeisterin Ruth Chepngetich (Ken(2:22:05).

HERZOG TROTZT WIND UND REGEN

Peter Herzog, 2018 bei der EM in Berlin Marathon-Zehnter und mit dem Team EM-Dritter, hatte vor London eine Bestzeit von 2:10:57, aufgestellt vor einem Jahr in Berlin. Diese Zeit pulverisierte der bereits für Olympia in Tokio qualifizierte Marathonläufer jetzt gleich um 53 Sekunden. Und das noch dazu bei schlechten Bedingungen! Beim Rennen hatte es ständig geregnet, noch dazu gab es unangenehmen Wind und es herrschten nur rund 10 bis 12 Grad. ” So war es für ihn auch “harte Kopfarbeit”, mit den Bedingungen in London zurecht zu kommen. “Zuerst lief es nur zäh und langsam, aber ab Kilometer 25 kam ich immer besser ins Rennen.”

Foto: ©Olaf Brockmann

TAKTIK GING VOLL AUF”

Für Hannes Langer ging damit die Taktik voll auf. “Peter ist am Anfang, wie abgesprochen, relativ verhalten gelaufen. Er wollte das Rennen so anlegen, dass er auf den letzten 17 Kilometern noch genug Reserven hat!” Und das hatte er…

Als die Tempomacher ausgestiegen waren, die Gruppe von Peter Herzog wurde vom viermaligen Olympiasieger Mo Farah angeführt, der nach 28 km ausstieg, hatte der Salzburger noch genug Reserven. Beim Halbmarathon (Herzog in 1:05:19) war er 23., dann rückte er ständig weiter nach vorn, 22. (km 25), 19. (km 30), 14. (km 35) und 12. (km 40). “Ja, es lief rund nach der Hälfte des Marathons immer besser. Zuvor hatte ich sogar im Zwergfell leichtes Stechen, das ich mir wegmassieren musste.” Am Ende aber ein wunderbares Happy End für den sympathischen Salzburger, der sich sieben Wochen lang in der Höhe von St. Moritz vorbereitet hatte. “Ich wusste, dass ich bei guten Bedingungen eine Topzeit laufen kann.” Aber auch bei Wind, Regen und Kühle lief er neuen österreichischen Rekord. Großartig.

ANERKENNUNG VON JOS HERMENS

Auch in internationalen Kreisen sorgte Peter Herzog für Aufsehen. Sein zwölfter Platz war eine Sensation. Lob gab es von allen Seiten. Jos Hermens, einer der führenden Manager weltweit und auch für die Belange von Kipchoge verantwortlich, sagte zu der Zeit von 2:10:04. „In Berlin wäre Peter zwei Minuten schneller gelaufen.“ Hermens muss es ja wissen.

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