Race Recap: Steirische Crosslauf Meisterschaften 2020

Liebe Leser,

Am 1.3. habe ich meinen ersten Wettkampf im Jahr 2020 absolviert (ich bin eigentlich nicht so der Crosslauf-Typ). Für so kurze Distanzen bin ich entschieden zu langsam! Aber um das LTV Köflach Damenteam zu verstärken, habe ich mich zur Teilnahme an den Steirischen Crosslauf Meisterschaften 2020 in Frohnleiten überreden lassen. 

©Elisabeth Smolle (332)

Kommen wir erstmal zum offiziellen Teil: Der entschiedene Held des Tages war Markus Hartinger (Kolland Topsport Gaal), der – wie bereits im Vorjahr – sowohl auf der Herren-Kurzdistanz (3600 Meter, in 11:32 Minuten) als auch auf der Herren-Langdistanz (9600 Meter, in 33:00) siegte. Zwischen beiden Bewerben lagen nur 2 Stunden! Suverän siegte die wie immer sehr starke Carina Reicht in 18:11 (run2gether) mit einem Start-Ziel-Sieg, und gewann somit nicht nur den Steirischen Meistertitel in der U20, sondern natürlich auch in der Allgemeinen Klasse. Die zweitschnellste Zeit des Tages bei den Damen lief Landessport-Koordinatorin Carina Schrempf (Union St. Pölten) in 18:32. Ich wurde gesamt-Dritte und Steirische Vizemeisterin in 18:51 vor Maria Hochegger (18:57). Ihr könnt den detaillierten Bericht auf der Homepage des Steirischen Leichtathletik-Verbands (www.stlv.at) nachlesen. Daher werde ich die Jugend-Wertungen und die detaillierten Zeiten zu allen Stockerlplätzen hier nicht auflisten.

Auf der Herren Kurzdistanz wurde Markus Bretterklieber Zweiter, und Raphael Siebenhofer, der den Meistertitel in der U18 gewann, wurde Dritter. Unser LTV Köflach Herrenteam feierte einen Doppelsieg auf der Kurzdistanz!

Im Damen-Bewerb gab es ebenfalls gleich zwei Stockerlplätze für uns LTV Mädels: wir wurden im Team Steirischer Meister (Sarah Riffel, Edwina Kiefer und ich), und unser zweites Damen-Team durfte sich über Bronze freuen.

Auf der Herren Langdistanz wurde (vor Markus Hartinger) Robert Merl (runninGraz) Zweiter, vor Michael Kügerl (LTV Köflach). Die Teamwertung gewann hier wiederum der LTV Köflach vor Kolland Topsport Gaal und runninGraz.

Und nun zu meinem persönlichen, subjektiven “Race Recap”: Also eigentlich sind knappe Neunzehn Minuten meiner Meinung nach viel zu kurz, um das richtig zu rekapitulieren. Wer aber selbst läuft, der weiß, dass Neunzehn Minuten an der körperlichen Leistungsgrenze lang genug dauern, und man währenddessen physisch und mental einiges mitmacht. Der Vollständigkeit halber möchte ich meinen großen Fehler an diesem Tag erwähnen, und zwar war ich am Morgen schon laufen (“eh nur kurz”), es wurden dann aber doch 12 Kilometer mit ein paar Höhenmetern, und ich glaubte, ich würde mich bis zum Start um 13:15 Uhr schon von dieser Laufrunde erholt haben. Ist natürlich Blödsinn, wie ich eh selber weiß. Wenn man halt seinen morgendlichen Routinelauf aus Sturheit nicht ausfallen lassen will oder kann, dann muss man es später büßen. Deshalb bin ich leider ab der zweiten Runde (von vier Runden insgesamt) ziemlich “eingegangen”, wie man so schön sagt. Am Start wurden, wie immer, die Namen aller Teilnehmer vorgelesen und es wurde gecheckt, wer anwesend ist.

Danach ging es auch schon los. Carina Reicht sprintete gleich einmal davon. Das war zu erwarten, und ich konnte mit ihr sowieso nicht mithalten, das war mir von Anfang an klar. Die Strecke führte erst durch eine Sandgrube, dann hauptsächlich über Wiese, ein bisschen auf und ab, einmal kurz Schotter. Das war’s. Keine argen Hindernisse, kein Eis, kein Schnee. (Fast hätte man ohne Spikes rennen können, finde ich). Auf den ersten paar Hundert Metern rannte ich in einer Gruppe mit Respektabstand hinter der Carina her. Wie immer konnte ich mich nicht richtig einschätzen, fühlte mich nach einer halben Runde “sehr gut”, und lief auf Platz zwei. Ab der zweiten Runde war dann aber der Saft ziemlich aus mir draußen. Auf einmal wurde es richtig schwierig, irgendwie wollten meine Beine nicht. Trittfrequenz, Trittfrequenz, dachte ich mir. Es ist ja eh nur so ein kurzer Bewerb. Ich wurde dann auch bald von der insgesamt Zweitplatzierten, Carina Schrempf, überholt. Ich ärgerte mich kein bisschen, sondern in diesem Moment wäre es mir auch wurscht gewesen, wenn noch fünf andere vorgerannt wären. Es ging bei mir “nix mehr”, und mir wurde etwas übel. Die dritte Runde war mental am schwierigsten, weil ich ja wusste, dass noch eine vierte bevor stand. Irgendwie wollte ich mir meine letzten Kräfte noch einteilen, aber von meinen Kräften war leider nicht mehr viel übrig. Außerdem wollte ich es vermeiden, vor lauter Erschöpfung im Ziel “hin zu kotzen” wie man auf gut steirisch sagt. Sehr peinlich, gerade als Ärztin! Also lief ich, langsamer und langsamer werdend, weiter. Jedes Mal wenn ich bei unserem LTV Köflach Obmann vorbei lief, rief er mir zu, wie knapp die Drittplatzierte bei den Steirischen Meisterschaften, Maria Hochegger, hinter mir war. “Zehn Meter nur noch, Elisabeth, jetzt musst echt Gas geben, sonst hat sie dich”. Das hört man nicht gerne, vor allem wenn man sowieso grad echt fertig mit der Welt ist. Ich renne und renne. Schnauf, schnauf. Ich bin eine erwachsene Person und mache das alles freiwillig. (*Ironie!*) Dann endlich, die letzten paar hundert Meter der vierten Runde. Nur noch einmal über den Schotter, beim Volleyballplatz die Steigung, dann wieder runter, Schotter, bei der Kurve schön innen laufen, dann wieder ein kurzer Anstieg, wieder hinunter, nur nicht stolpern, die letzte Kurve. (“Elisabeth, jetzt musst aber echt Gas geben, sie ist direkt hinter dir…!”, ruft Stefan). Ich nehme meine letzte Kraft zusammen und gebe tatsächlich noch ein bisschen Gas. Im Ziel setze ich mich erstmal in den Gatsch und warte, bis mir nicht mehr so übel ist. Während ich mich aufs Atmen konzentriere (und damit schon fast überfordert bin), schau ich den anderen Mädels beim Zieleinlauf zu. Bald ist meine Stimmung wieder besser, aber ich bekomme eine Standpauke, dass ich in der Früh nicht hätte laufen gehen sollen. Ja, das weiß ich. Eigene Blödheit.

©Elisabeth Smolle

Egal, der Vizemeistertitel ist fein, die Carina hätte ich eh nie im Leben eingeholt, und das Beste ist der Team-Meistertitel für uns LTV Mädels! Ich bin eigentlich ziemlich zufrieden, und froh dass ich mitgemacht habe.

Drei Moralen hat diese Geschicht’: Erstens, geh nicht in der Früh vor einem Wettkampf laufen, zweitens, 120 Wochenkilometer in einer Wettkampfwoche sind für mich zu viel und drittens, ich bin halt doch eher die langsame Marathon und Bergmarathonläuferin, und keine Schnelle.

Ich wünsche euch ein paar schöne nächste Lauftrainings – v.a. weil das Wetter jetzt wieder besser wird!

Eure Liesl

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