Teil 51 (KW 22/2019): Renate Hofmann

(Fast) 80 Jahre und noch kein bisschen leise, das trifft eindeutig auf Renate Hofmann aus Wunstorf (bei Hannover) zu. Die Rentnerin – erst im April den Hannover Marathon gelaufen – spricht mit uns im Helden-Interview #51 über ihren Weltrekord (100 Kilometer) und über die Konkurrenz in ihrer Altersklasse.

Helden des Laufsports: Normal spricht man ja Damen nicht auf das Alter an, aber in deinem Fall machen wir eine Ausnahme. Im Dezember feierst du deinen 80. Geburtstag und im April bist du den Marathon in 04:37:38 Stunden gelaufen. Wie verlief das Rennen aus deiner Sicht?

Renate: Mit einem Wort gesagt: Optimal! Das Wetter war gut, die Stimmung an der Strecke hervorragend und ich fühlte mich die ganzen 42 Kilometer locker und entspannt. Im Vorfeld hatte ich mächtige Bedenken, ob ich die Distanz ohne große Einbrüche schaffen kann und mir eine Zeit an der Grenze zu fünf Stunden gewünscht. Dass ich dann nach 04:37:38 Stunden die Ziellinie überschreiten konnte hat mich glücklich – und auch ein wenig stolz – gemacht.

Hdl: Wie geht es dir körperlich nach so einem Rennen? Wie lange benötigst du für die Regeneration?

Renate: Direkt nach einem Rennen fühle ich mich schon „geschafft“– aber das dauert nie lange an. Bereits kurze Zeit später frage ich mich oft: Warum bist du nicht schneller gelaufen? Da war doch noch was drin! Bezüglich der Regeneration ist mein Körper nicht so anspruchsvoll. Er ist in der Regel mit wenigen Tagen zufrieden. Jetzt im Frühjahr habe ich zum Beispiel erst einen 6-Stunden-Lauf in Warendorf, eine Woche später den Syltlauf mit 33,33 Kilometer und dann zwei Wochen danach den Marathon in Hannover gefinisht. Aber diese kurze Abfolge von Wettkämpfen war auch eine Ausnahme, es ergab sich einfach so.

Hdl: Wann hast du deine Leidenschaft zum Laufsport entdeckt? Warst du schon immer ein sportlicher Mensch?

Renate: Diese Fragen wurden mir schon oft gestellt, daher kann ich sie ohne großes Nachdenken beantworten:  Ich habe in einem Alter mit dem Laufen angefangen, in welchem viele Läufer aufhören, nämlich mit 58 Jahren. Kurz vor dem Ausstieg aus dem Berufsleben, ja damals ging man noch mit 60 Jahren in Rente, machte ich mir Gedanken, was da noch kommen könnte. Da las ich in der Zeitung über einen am Neujahrstag beginnenden Lauftreff und ich dachte, da geh ich mal hin! In diesem Lauftreff waren dann auch wettkampferfahrene Teilnehmer, die viel von ihren Erlebnissen erzählten. Davon war ich so fasziniert, dass ich das auch erleben wollte. Schon im Frühjahr des folgenden Jahres lief ich dann in Hannover meinen ersten Marathon – ich wollte es unbedingt vor Vollendung meines 60. Lebensjahres schaffen.  Tja, und dann hat mich das Laufen nicht mehr losgelassen. So wurde aus einem inaktiven Büromensch ein aktiver Läufer.

Hdl: Deine Bestzeiten sind echt beeindruckend. Marathon in 03:53:47 Stunden (AK 65), 100 Kilometer in 11:52:43 Stunden (AK 70) und in 24 Stunden läufst du 143,5 Kilometer (AK 70). Gibt es eine auf die du besonders stolz bist?

Renate: Vielleicht die Bestzeit über den 100-Kilometer-Lauf? Wurde diese doch zu dem Zeitpunkt als Weltbestleistung in der Altersklasse W70 angesehen. Inzwischen allerdings ist eine Amerikanerin gelistet, die 16 Minuten schneller war. Aber wenn du mal in der Statistik vom DUV schaust wirst du sehen, dass es mehrere Ultradistanzen gibt, wo ich den Deutschen Rekord in den jeweiligen Altersklassen halte. Auch das sind Bestzeiten, worauf ich stolz bin.

Hdl: Gibt es in deiner Altersklasse noch viel Konkurrenz?

Renate: Nein, leider läuft man in der AK 80 – und bereits auch in der AK 75 – fast immer konkurrenzlos. Und wenn dann gesagt oder geschrieben wird, ich hätte in der AK gewonnen, ist das immer eine wenig aussagefähige Feststellung. In der jeweiligen AK gewonnen hätte ich ja auch dann, wenn ich wesentlich länger unterwegs gewesen wäre. Selber versuche ich mich dann immer mit den Ergebnissen der jüngeren AK zu vergleichen. Jetzt im April beim Marathon Hannover habe ich sowohl die M-80er hinter mir gelassen und wäre in der AK 70 auch noch „aufs Treppchen“ gekommen. Unter diesem Gesichtspunkt kann ich dann die Glückwünsche über meinen Sieg bedenkenlos annehmen.

Hdl: Wie oft in der Woche trainierst du und welche Sportarten machst du?

Renate: In der Woche bin ich an drei Tagen laufend unterwegs. Das Wort „trainiere“ benutze ich bewusst nicht, da ich fast immer mit drei Freundinnen (alle so alt wie meine Kinder) entspannt und plaudernd durch die Gegend jogge. Einen richtigen Trainingsplan habe ich in meinem gesamten Läuferleben bisher erst einmal für ca. sechs Wochen benutzt – dann habe ich ihn zerrissen! Ich fühlte mich ständig unter Druck gesetzt und hatte ein schlechtes Gewissen, wenn einmal etwas ausfallen musste. Nein, ich möchte laufen wann, wie und solange es mir an dem jeweiligen Tag Spaß macht. Ob ich noch andere Sportarten betreibe? Wenn man Yoga, Fitness-Studio und Pilgern dazu zählt, ja. Ansonsten weiter nichts.

Hdl: Was bedeutet Laufen für dich?

Renate: Laufen ist mein Leben!

Hdl: Du lebst in Wunstorf (bei Hannover), wie sind dort deine Trainingsmöglichkeiten?

Renate: Da ich ja nur „durch die Gegend“ jogge – und somit nicht angewiesen bin auf ein Stadion oder ähnliches – habe ich hier alles, was ein Läuferherz begehrt. Wunstorf ist umgeben von Wald und Feld und der „Deister“ ist nicht weit. Schön ist es auch immer wieder, um das nahe gelegene „Steinhuder Meer“ (33 Kilometer) zu laufen.

Hdl: Wie schaffst du es, so unglaublich fit zu bleiben? Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Renate: Ich glaube, mir wurde dieses Talent in die Wiege gelegt und ich habe es dann gepflegt. Falls es dazu ein Geheimnis geben sollte, ist es mir bisher verborgen geblieben. Ich mache nichts Besonderes (außer, dass ich jogge) und lebe ansonsten wie viele andere Menschen auch.

Hdl: Hast du auch schon negative Erfahrungen gemacht? Gibt es viele Leute die dein läuferisches Engagement eher kritisch sehen?

Renate: Nein, kritisch oder gar negativ wurde mein „Gerenne“ – so nennen es viele aus meinem nicht läuferischen Umfeld – bisher nicht gewertet. Eher umgekehrt, ich werde oft staunend bewundert. 

Hdl: Was machst du sonst noch in deiner Freizeit?

Renate: Ich lese viel – bin auch einem Literaturkreis angeschlossen, verbringe Zeit mit meinen Enkelkindern und bin oft pilgernd unterwegs. Ja, das Pilgern ist meine zweite große Leidenschaft. In den letzten Jahren nahm ich auf diese Weise bereits rund 5.000 Kilometer unter die Füße. War in Dänemark, Italien, Norwegen, Portugal, Spanien und natürlich auch in Deutschland unterwegs. Einfach herrlich, auf Schusters Rappen, beschränkt aus das Notwendigste, in der Natur unterwegs zu sein. Wenn ich jetzt so darüber erzähle, würde ich am liebsten gleich nach diesem Gespräch meinen Rucksack packen und – los geht’s.

Hdl: Meine Omas werden demnächst 80 Jahre, nach diesem Interview sehe ich dieses Alter wieder mit ganz anderen Augen. Wir wünschen dir alles Gute und noch viele schöne Laufjahre.

Renate: Danke für deine Wünsche.

2 Kommentare zu „Teil 51 (KW 22/2019): Renate Hofmann“

  1. Christina Rieke- Koop

    Chapeau – zu der läuferisch und menschlichen Leistung ! Ich habe das große Glück zu den 3 Freundinnen zu gehören mit denen Renate durch die Gegend joggt und bewundere sie und ihre Energie sehr! Weiter so Renate!

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