Sandrina Illes: “Das letzte Wochenende gab mir viel Motivation und Selbsvertrauen”

Die Duathlon-Weltmeisterin von 2018, Sandrina Illes, durfte sich am Wochenende bei den österreichischen Hallen-Staatsmeisterschaften gleich über zwei Medaillen freuen. Die 33-jährige Athletin von der Union St Pölten Leichtathletik, holte sich über die 1.500 Meter die Goldmedaille und lief über die 3.000 Meter zu Silber. Im Interview sprechen wir mit der Wienerin, die für das Sportland Niederösterreich startet, über ihre Läufe bei den Staatsmeisterschaften, aber auch über ihre weiteren Saisonziele.

Sandrina Illes vor Julia Mayer – ©ÖLV

Helden des Laufsports: Gratulation zu den beiden Medaillen! Am Samstag bist du die 3.000 Meter in 9:34,91 Minuten gelaufen, nur Julia Mayer war etwas schneller. Wie hast du das Rennen erlebt?

Sandrina: Ich habe die beiden Staatsmeisterschaftsrennen als Aufbauwettkämpfe für die zwei Wochen später stattfindende Duathlon-EM in Punta Umbria, Spanien, genutzt. Mir war klar, dass ich ohne Hallenerfahrung in diesem Winter und nach nur zweimonatigem Aufbau nach meinem Entlastungsmonat, keine großen Chancen gegen Julia haben werde. Sie hat sich seit dem letzten Jahr läuferisch extrem gut entwickelt, auf der Mittel-, wie auf der Langstrecke. Ich habe versucht, ihren Windschatten etwas zu nutzen und habe auf eine Schwäche von ihr gehofft, oder dass ich am Schluss vielleicht doch noch eine gute Attacke starten kann. Dass es am Ende nicht gereicht hat, war aber keine große Überraschung und Julia hat sich absolut verdient den Sieg geholt.

Hdl: Am nächsten Tag konntest du über die 1.500 Meter das Blatt wenden und die Cross-EM-Teilnehmerin von 2019 auf Platz zwei verweisen – somit bist du Hallenstaatsmeisterin. Bist du mit deiner Zeit von 4:31,84 Minuten und dem Rennen voll und ganz zufrieden?

Sandrina: Um die Zeit ging es mir überhaupt nicht. Ich wollte mit dieser Kombination von Samstag und Sonntag einfach etwas Rennerfahrung in der noch jungen Saison sammeln, und einen guten Trainingsreiz für die EM setzen. Meisterschaftsrennen werden oft sehr taktisch – langsam – gelaufen, das wäre für mich aber ein großer Nachteil, fehlt mir doch gegenüber den ganz Jungen die Spritzigkeit am Schluss. Bei solch einem kurzen Bewerb habe ich nur Chancen, wenn das Grundtempo hoch ist und ich die sprintstarken Mädls auf Distanz halten kann. Ich habe einfach alles riskiert und mir ehrlich gesagt aber auch keine allzu großen Chancen auf einen Sieg ausgerechnet. Schon mit einer Medaille wäre ich absolut zufrieden gewesen. Ich bin aber der Typ Athlet, der im Rennen weit über seine Trainingsleistungen hinauswächst. Zuletzt bin ich zu Hause mit Ach und Krach über die 400 Meter jenes Tempo gelaufen, dass ich nun über 1.500 Meter halten konnte. Mein Kopf war sehr stark an diesem Tag und ich konnte auf der letzten Runde noch mal zulegen und Julia auf Distanz halten. Es ist gleichzeitig mein erster Staatsmeistertitel auf dieser Distanz und das macht es besonders schön.

Hdl: Wie sah dein bisheriges Wintertraining aus?

Sandrina: Die Duathlon-WM, mein absoluter Saisonhöhepunkt, ist dieses Jahr sehr spät im Jahr, erst im September. Deshalb wollte ich nicht zu früh in die Saison starten und legte mein Entlastungsmonat, in dem ich diesmal kaum gelaufen bin, ebenso recht spät, auf Dezember. Ich musste noch einige Baustellen aus dem vorigen Sommer ausheilen lassen. Mit Jahresbeginn bin ich dann direkt in das schon recht spezifische Duathlontraining für meinen ersten Saisonhöhepunkt, die EM, gestartet. In den letzten Jahren kam ich immer aus dem Höhentraining in Afrika zu den Hallen-Staatsmeisterschaften, diesmal verzichtete ich darauf, um doch ein wenig mehr schon am Rennrad, anstatt am MTB trainieren zu können. Der Winter war diesmal glücklicherweise recht gnädig und so hat das sehr gut funktioniert. Mich stört die Kälte nicht, ich kann auch bei Minusgraden Bahnintervalle mit Radintervallen bei Mehrfachkoppeltrainings abwechseln. Man gewöhnt sich an fast alles. In der Gegend um Klosterneuburg herum habe ich perfekte Trainingsbedingungen. Meine Laufumfänge waren zuletzt noch eher überschaubar, knapp mehr als 70 Wochenkilometer im Durchschnitt seit Jahresbeginn. Normalerweise bin ich um diese Zeit eher um die 90 Kilometer gelaufen, Spitzenwochen bis 120 Kilometer. Aber diesmal musste ich das Laufen behutsamer aufbauen und außerdem deutlich härter am Rad arbeiten. Umso froher bin ich, dass ich in der Halle zwei Medaillen holen konnte!

Hdl: Nach so einem Wochenende ist man sicher motiviert für die kommenden Aufgaben, oder?

Sandrina: Das war ein riesiger Motivationsschub. Natürlich sagen die 1.500 Meter nicht sonderlich viel für die Tempohärte auf der Langstrecke aus, aber mir haben die Rennen nicht nur viel Freude gemacht, sondern auch wieder Selbstvertrauen mitgegeben. Seit letztem Juli war das Laufen mehr Krampf als Spaß und schön langsam kündigt sich wieder eine gute Form an. Dazu habe ich das Rennen vor allem deshalb gewonnen, weil ich riskiert habe und einfach ohne viel Respekt hart angelaufen bin. Der Kopf allein reicht nicht zum Gewinnen, aber verlieren kann man ein Rennen schnell durch die falsche Einstellung.

Hdl: Ein kurzer Blick zurück: Wie zufrieden bist du mit der letzten Saison?

Sandrina: Nicht besonders. Gerne hätte ich 2018 mit 2019 getauscht und wäre dann wohl mit beiden Jahren zufrieden gewesen. Es ist mental nicht ganz einfach, wenn man in seiner Sportart wirklich alles erreicht hat, noch genauso hart weiterzumachen. Solch eine Spitzenform kann man nicht lange halten und es müssen so viele Faktoren wie Lebensumstände, Gesundheit, genügend – aber auch nicht zuviel -Härte im Training und vor allem der absolute Kampfeswille im Wettkampf zusammenkommen. Mir wurde erst im letzten Jahr bewusst, wie perfekt es für mich 2018 seit dem späten Winter gelaufen ist. Umgekehrt bin ich damals auch mit einer bösen Sprunggelenksverletzung durch einen Radunfall in die Vorbereitung gestartet. Das gibt mir auf alle Fälle Mut, weiterzumachen, das Beste aus jeder Situation herauszuholen und motiviert in die weitere Vorbereitung zu gehen.

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