Silvesterlauf Peuerbach: Neuer Termin, neuer Chef

Text und Fotos (©)Silvesterlauf.at und Maringer

Das Jubiläum fällt erneut der Pandemie zum Opfer, Hubert Lang übergibt wie geplant das Zepter.

Carsten Eich darf heuer leider keine Weltklasse-Athleten begrüßen

November 2021: In Zeiten unliebsamer Déjà-vus sind es nun auch die Organisatoren des Int. Raiffeisen Silvesterlauf Peuerbach, die ein solches zu vermelden haben: So wie schon 2020 wird die Veranstaltung auch dieses Jahr nicht stattfinden. Das hat das Organisationsteam heute Abend entschieden, nachdem vor zwei Wochen bereits darüber diskutiert, dann aber noch abgewartet worden ist. Die Jubiläumsveranstaltung, der 40. Int. Raiffeisen Silvesterlauf, wird also nicht am 31. Dezember 2021 stattfinden, sondern bis zum 31. Dezember 2022 warten müssen. „Es soll nicht sein, das Jubiläum meint es nicht gut mit uns“, sagt Organisationschef Hubert Lang. „Wir haben alles vorbereitet: 1200 Finishermedaillen liegen bereit, 200 Trophäen warten auf die Klassenbesten, ein Kino-Spot wurde produziert, Videowalls waren an drei Standorten geplant und die Merchandising-Produkte sind fertig. Außerdem hätten – dank BIOGENA – sieben Kameras auf ORF Sport Plus mit Günther Weidlinger als Co-Kommentator erstmals auch Fernsehzuschauern mehr als eine Stunde lang den Silvesterlauf live ins Wohnzimmer gebracht. Athletenmanager Carsten Eich hat bereits Top-Asse engagiert, das beste Feld unter allen bisherigen Silvesterläufen“, bedauert Lang. Er weist aber auch darauf hin, dass der Int. Raiffeisen Silvesterlauf in Peuerbach als Ganzes gesehen werden muss: „Kinderläufe, Volks- und Staffellauf, Musik, Show, begeisterte Stimmung unter Tausenden Zuschauern, hervorgerufen durch Weltklasseleistungen im Lauf der Asse der Frauen und Männer. In Zeiten wie diesen ist dieses Gesamtprodukt nicht gut möglich. Wir setzen daher mit dem Silvesterlauf auch heuer aus, blicken aber optimistisch in die Zukunft und sagen ‚2022 – mit neuer Kraft voraus!‘“

Athletenmanager Carsten Eich hatte sich bereits über ein Interesse von Athleten und Managern gefreut, das so groß wie nie zuvor war – nicht zuletzt auch wegen der geplanten Live-Übertragung im Fernsehen. „Eigentlich war alles für das große Jubiläum vorbereitet. Fast 40 internationale Topathleten, 19 Frauen und 20 Männer, haben bereits ihre Zusagen für die Biogena-Eliteläufe erteilt“, so Eich. Das Feld hätte ein paar spannende Konstellationen ergeben, betont Eich: „Mit Eva Cherono aus Kenia und Elzan Bibic aus Serbien haben die beiden Titelverteidiger und Streckenrekordhalter ihre Startzusage gegeben. Wer erinnert sich nicht an die spannenden Duelle zwischen Victor Chumo aus Kenia und Richard Ringer aus Deutschland? Eine Neuauflage dieses Duells ist vertraglich vereinbart. Aber auch europäische Topläufer wie Mike Foppen aus den Niederlanden, Phil Norman aus Großbritannien und Samuel Barata aus Portugal wollten um vordere Plätze mitreden. Das gleiche galt natürlich auch für die besten Österreicher wie Olympiateilnehmer Peter Herzog und Serienstaatsmeister Andreas Vojta. Im Elitelauf der Damen wollte Alina Reh aus Deutschland der Favoritin Eva Cherono einen großen Kampf liefern, schließlich fehlten ihr bei der ersten Auflage dieses Duells 2018 nur wenige Sekunden. Mit der Deutschen Caterina Granz ebenfalls und Bojana Bjeljac aus Kroatien wollten weitere Läuferinnen ihren Platz auf dem Stockerl verteidigen. Aber auch Julia Mayer wollte bei ihrer Prämiere in Peuerbach für ein rot-weiß-rotes Ausrufezeichen sorgen und vielleicht als erste Österreicherin unter die Top-Drei laufen“, schildert der Athletenmanager.

Roland Schauer, Bürgermeister von Peuerbach:

„Schon in den vergangenen Wochen hat sich abgezeichnet, dass aufgrund des derzeitigen Pandemiegeschehens der 40. Silvesterlauf in Peuerbach am seidenen Faden hängt. Der Veranstalter IGLA long life hat sich nun für eine Absage ausgesprochen. Als Bürgermeister kann ich diesen Schritt nur befürworten und freue mich auf ein wie gewohnt großartiges Event im Jahr 2022.“

Hubert Lang (rechts) mit seinem Bruder Helmut (Archivfoto)

Lang übergibt an Eich

Mit dem Blick auf den neuen Termin im neuen Jahr ist gibt es auch eine personelle Neuerung, die aber unabhängig von der Absage bereits fixiert war: Hubert Lang, Erfinder und Gründer der Veranstaltung, seit 1981 an der Spitze bei der Organisation und weitum als der „Mr. Silvesterlauf“ bekannt, übergibt sein Amt als Chef-Organisator zum Jahreswechsel an Carsten Eich. „Carsten Eich kommt seit 30 Jahren zu unserem Silvesterlauf. Sechs Mal hat er ihn gewonnen, seinen allerletzten Wettkampf ist der ehemalige Europa-Rekordhalter in Peuerbach gelaufen. Seit zehn Jahren ist er für das Athletenmanagement zuständig. Er wird die Veranstaltung auf hohem Niveau weiterführen“, ist Lang überzeugt. Für Hubert Lang endet das Kapitel Silvesterlauf nach exakt 40 Jahren. Denn es war im Herbst 1981, als in der Kassa des Natternbacher Leichtathletikvereins, den Lang drei Jahre zuvor gegründet hatte, ein Minus prangte. „Dann machen wir halt einen Silvesterlauf“, meinte Hubert Lang damals. Was daraus geworden ist, ist ein Stück heimischer Sportgeschichte in bislang 39 Ausgaben. Der Int. Raiffeisen Silvesterlauf Peuerbach ist aus sportlicher Sicht zum international beachteten Bewerb geworden und gesellschaftlich zum Jahresabschluss Highlight einer ganzen Region. Medien aus dem In- und Ausland berichten und Läufer vom Kindergartenkind bis zum Olympiasieger sind dabei.

Carsten Eich (Nr. 24) im Jahr 1999 neben Günther Weidlinger

Hubert Lang blickt auf seine Silvesterlauf-Zeit zurück:

Es war Herbst 1981, und wir hatten ein Minus in unserer Vereinskassa. „Dann machen wir halt einen Silvesterlauf!“ Die Idee war geboren, und mit Peter Pfeifenberger gewann der regierende Hindernis-Staatsmeister aus Salzburg gleich unsere Premierenveranstaltung.

Die nächsten Jahre waren geprägt von Siegen von Österreichs Lauf-Aushängeschildern Wolfgang Konrad, heutiger Chef-Organisator des Wien Marathons, und Dietmar Millonig, damals regierende Europameister. 1987 trug sich mit dem Natternbacher Ludwig Ratzenböck erstmals ein Oberösterreicher in die Siegerlisten ein.

Ein Straßenlauf mit Stimmung und vielen Zuschauern, bei dem bereits ab 1982 auch immer ein ORF-Kamerateam vor Ort war – das war der Silvesterlauf schon in Natternbach. Und ob Simone oder Samba-Tänzerinnen, für Stimmung war immer gesorgt. In erster Linie aber überzeugten die Läuferinnen und Läufer mit ihren Leistungen das Publikum. Und diese kamen 1990 erstmals aus Afrika! Die Idee, einen eigenen Lauf der Asse zu veranstalten, hatte eingeschlagen. Es waren absolute Weltstars, die in Natternbach überzeugten, allen voran der Deutsche Carsten Eich. Dieser trug sich insgesamt sechs Mal in die Siegerlisten ein, darunter auch bei den ersten beiden Läufen in Peuerbach, 1997 und 1998. In ein neues Jahrtausend gelaufen wurde 1999 – und das mit neuem Zuschauer- und Teilnehmerrekord.

Olympiasieger, Welt- und Europameister, vor allem aus Afrika, prägten das Geschehen. Ein Innviertler aber begeisterte jahrelang das Publikum und verließ Peuerbach zwischen 2000 und 2008 gleich sieben Mal als Sieger: Günther Weidlinger.

Die Begeisterung, die vom Peuerbacher Publikum ausging, begeisterte immer wieder die Laufstars aus dem In- und Ausland. Diese belohnen die Zuschauer stets mit tollen Darbietungen. So zum Beispiel das spannende Duell 1990 mit Zielfoto-Entscheid, 1999 der Hundertstel-Krimi zwischen Günther Weidlinger und Richard Limo oder 2014 die ex aequo-Entscheidung für Victor Chumo und Richard Ringer. Stimmung pur herrschte zuletzt 2019 mit Streckenrekorden sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern.

Es gibt unzählige Momente und Ereignisse, die man nicht vergisst: Sally Barsosio, die 10.000- Meter-Weltmeisterin aus Kenia, die in der Silvesternacht ganz angsterfüllt bei uns saß, als Carsten Eich seine Silvesterböller zündete. Oder die „Basketball-Länderspiele“ Österreich gegen Deutschland gleich nach Mitternacht in der Turnhalle in Natternbach.

Als Organisator des Silvesterlaufs war ich immer bestrebt, dass die Veranstaltung ein Spektakel ist: Ob Modenschau auf der Straße, Misswahlen auf einem fahrenden Schiff oder die Friedenslicht-Weitergabe 1992 unter den Teilnehmern im Lauf der Asse. Viel Aufsehen erregte auch jener Startschuss, der vom Zerplatzen einer mit dem Mund aufgeblasenen Wärmeflasche von einem „Wetten dass…“-Teilnehmer kam.

Ein privater Höhepunkt mit vielen unvergesslichen Erlebnissen ist ebenfalls auf den Silvesterlauf zurückzuführen: Ein dreiwöchiger Familienurlaub in Kenia, mit Besuchen bei Julius Korir, dem ersten Sieger aus Kenia 1990, sowie bei vielen Laufstars im Hochland von Eldoret.

Eich im Jahr 1991

Drei Fragen an Carsten Eich (51):

Eich ist ehemaliger Profisportler und heute selbständiger Sport- und Gesundheitsmanager. Eich stammt aus Leipzig und lebt heute nahe Schweinfurt in Bayern.

Was hat dich motiviert, in die Fußstapfen von Silvesterlauf-Organisator Hubert Lang zu treten?

„Mir ist bewusst, dass diese Fußstapfen sehr, sehr, sehr groß sind. Der Silvesterlauf ist Hubert Lang und ich kann mir keinen Silvesterlauf ohne ihn vorstellen. Ich möchte in erster Linie mithelfen, dass dieses einzigartige Event auch in Zukunft stattfindet und sich von Jahr zu Jahr weiterentwickeln kann. Hubert Lang hat mir seine Unterstützung zugesagt und wird mir immer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber neben Hubert Lang gibt es natürlich ein erstklassiges Organisationsteam rund um die Sportunion IGLA long life. Nur mit der vollen Unterstützung dieses Organisationsteams wird es möglich sein, die Veranstaltung von Deutschland aus zu organisieren. Ich werde meine Erfahrungen aus der Organisation großer Laufveranstaltungen wie dem Wachau Marathon und dem Wings for Life World Run in Wien einbringen und bin davon überzeugt, dass wir für die Zukunft des Int. Raiffeisen Silvesterlaufs gut aufgestellt sind, auch wenn es einen Kraftakt aller benötigt, die Fußstapfen von Hubert Lang auszufüllen. Ich freue mich auf diese Aufgabe.“

Was hebt den Int. Raiffeisen Silvesterlauf Peuerbach von anderen Laufveranstaltungen ab?

„Der Int. Raiffeisen Silvesterlauf in Peuerbach ist ein Gesamtevent, bei dem wirklich jeder auf seine Kosten kommt. Mich beeindrucken jedes Jahr die Kinderläufe zu Beginn der Veranstaltung, schließlich sind es die größten Kinder-Teilnehmerfelder aller Silvesterläufe in ganz Österreich. Aber auch die vielen Hobbyläufer im Volkslauf und der Staffel zeigen, wie diese Veranstaltung sich von Jahr zu Jahr weiterentwickelt. Erst im Volkslauf das Jahr selbst sportlich ausklingen lassen und dann die Eliteläufer hautnah erleben, das gibt es nur in Peuerbach. Die Stimmung unter den tausenden Zuschauern bei den Eliteläufen ist gigantisch, als Athlet wirst du quasi über die 850 Meter lange Silvesterlaufrunde getragen. Ich habe die Stimmung immer sehr genossen, natürlich am meisten bei meinen zwei Siegen in Peuerbach. Einen schöneren Jahresausklang kann ich mir einfach nicht vorstellen, auch deshalb komme ich seit nunmehr 30 Jahren immer wieder zum Jahresabschluss nach Oberösterreich.“

Kannst du dich noch ein deine erste Silvesterlauf-Teilnahme erinnern? Wie war der Lauf für dich, was hat dich immer wieder nach Natternbach bzw. Peuerbach gezogen?

„Ich war zum Jahresende 1991 zum ersten Mal beim Silvesterlauf in Natternbach. Im Jahr davor hatte ich den Züricher Silvesterlauf gewonnen, aber statt einer Silvesterparty stand am 31. Dezember der Rückflug nach Leipzig auf dem Programm. Das war in Natternbach anders. Die Organisation des Laufes war wirklich gut und vor allem im Start-Ziel-Bereich war tolle Stimmung. Mir hat auch das Konzept mit einem eigenen Elitelauf sehr gut gefallen, es war etwas Besonderes für Zuschauer und Teilnehmer. Am Abend gab es eine tolle Feier mit allen Athleten, aber auch dem Organisationsteam. Alle waren mit sehr viel Herzblut dabei. Hubert Lang hat es verstanden, in kürzester Zeit einen persönlichen Draht zu uns Athleten aufzubauen, das kannte ich sonst nicht von anderen Veranstaltern. Kurzum: Ich habe mich wohl gefühlt und bin immer wieder gern zum Silvesterlauf gekommen.“

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