Teil 97 (KW 18/2020): Sonja Oberem

©Sonja Oberem

Sonja Oberem war zweifache Olympiateilnehmerin im Marathon. Die 47-jährige Mönchengladbacherin hat eine Marathonbestzeit von 02:26 Stunden. Diese ist Oberem 2001 in Hamburg gelaufen. Mehr dazu im Helden-Interview #97.

Helden des Laufsports: Was den Breitensport betrifft boomt der Laufsport enorm, das Laufen ist ja mittlerweile fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden. In deiner Anfangszeit war das noch anders. Weniger Breite aber bessere Leistungen in der Spitze. Wann hast du mit dem Laufen begonnen?

Sonja: Bevor ich Marathon gelaufen bin, war ich schon vier Jahre Triathletin und das Laufen war meine stärkste Disziplin. Ich bin als Kind nie in einem Leichtathletikverein gewesen und nie durch die „klassische“ Laufschule gegangen. Ich habe als Schwimmerin begonnen und bin dann über den Triathlon zum Laufen gekommen. Im Gegensatz zu heute war das Laufen in den 90ern sehr populär. Es gab fast überall sehr gut besetzte Straßenläufe, die auch international einen hohen Stellenwert hatten. Heute gibt es leider nur noch wenige.

Hdl: Wie schon erwähnt, bist du zu Beginn Triathletin gewesen. Warum hast du damit aufgehört?

Sonja: Ich hatte als Triathletin fast alles erreicht was zu diesem Zeitpunkt möglich war (dreimalige Junioren Welt- und Europameisterin, Europameisterin Frauen). Aber da man als Sportler ja nie weiß wie lange die Karriere weitergeht und ich unbedingt zu den olympischen Spielen wollte, musste ich mir etwas einfallen lassen um das zu erreichen. Denn Triathlon war 1996 noch nicht olympisch. Laufen war meine beste Disziplin und als ich meinen ersten Marathon 1993 in Berlin ohne gezielte Vorbereitung in 02:38 Stunden gelaufen bin, habe ich es einfach versucht und mir einen Leichtathletikverein gesucht. In Leverkusen habe ich dann die besten Bedingungen gefunden und mit Paul-Heinz Wellmann den für mich besten Trainer.

Hdl: Dein Wechsel zum Laufsport hat sich auf jeden Fall gelohnt. Du hast eine tolle Karriere hingelegt. Wenn du auf deine Olympiateilnahmen zurückblickst, was ist da bei dir hängen geblieben?

Sonja: Olympia ist für jeden Athleten einzigartig und der Lohn für jahrelange Arbeit. Beide Teilnahmen waren sehr besonders. Wobei ich das Rennen in Atlanta in besserer Erinnerung habe, da ich einfach unbedarft in den Wettkampf gegangen bin. Ich hatte ja nichts zu verlieren und war deshalb auch nicht nervös. Da ich sehr gut bei Hitze laufen konnte, war das Ergebnis auch entsprechend gut.

In Sydney war das leider anders. Da ich verletzt ins Rennen gegangen bin und ab Kilometer 15 nur daran gedacht habe, wie ich den Lauf einigermaßen vernünftig zu Ende bringen kann. Sportlich eine Enttäuschung, aber dafür war die Stimmung dort einzigartig. Den 400-Meter-Lauf von Cathy Freeman und den Olympiasieg von Nils Schumann live zu erleben war einzigartig und entschädigt dann auch für die eigene sportliche Enttäuschung.

Hdl: Du bist auch bei Welt- und Europameisterschaften dabei gewesen, welche Highlights gab es hier?

Sonja: Jede Meisterschaft hat irgendwie ihre eigene Geschichte. Alles zu erzählen, würde hier den Rahmen sprengen. Aber ein paar besondere Momente gab es schon. Der schönste Erfolg war sicherlich der dritte Platz bei der EM in München. Aber auch die WM-Rennen mit dem 8./7./6./5. Platz waren für mich immer recht erfolgreich. Mein Vorteil war immer, dass die Meisterschaften im Sommer stattfinden und ich mit warmem Wetter sehr gut zurechtgekommen bin. Andere hatten da eher Nachteile.

Hdl: Wenn du an deine intensivsten Trainingswochen zurückdenkst, wie sah so eine damals aus?

Sonja: Ich musste viel an meiner Schnelligkeitsausdauer arbeiten, um ein möglichst hohes Tempo lange durchzuhalten. Die Umfänge waren entsprechend hoch. In sehr intensiven Wochen waren das teilweise bis zu 240 Kilometer. Allerdings wirklich nur in der Spitze. In der Vorbereitung waren es im Schnitt 180 Kilometer in der Woche.

Hdl: Hattest du oft Verletzungsprobleme?

Sonja: Eigentlich nicht. Erst mit zunehmendem Alter kamen dann die Verletzungen. Im Endeffekt war das auch der Grund weshalb ich mich entschlossen habe meine Karriere zu beenden.

Hdl: 2007 hast du deine Karriere beendet. Ist dir dieser Schritt leichtgefallen?

Sonja: Als ich mich einmal dazu entschlossen hatte, ja. Nach 18 Jahren Hochleistungssport war dann irgendwann ein Punkt erreicht, wo der Aufwand im Verhältnis zu den Ergebnissen zu groß war. Ich hätte sicherlich noch ein paar Jahre weitermachen können. Aber dann wäre der Einstieg in den Beruf sicher schwerer geworden. Denn man muss ja auch dort erstmal Fuß fassen und sich langsam hocharbeiten. Je älter man wird umso schwerer wird das. Außerdem bedeutet ein Karriereende ja nicht, dass man nicht mehr laufen oder Sport treiben darf. Nur die Wettkämpfe fallen weg.

Hdl: Was kam nach deinem Karriereende, und was machst du heute?

Sonja: Wie es manchmal so ist, kam alles anders als geplant. Eigentlich war es geplant, dass ich in den elterlichen Betrieb einsteige. Aber mittlerweile bin ich Geschäftsführerin der rhein-marathon-düsseldorf GmbH und organisiere den Metro Marathon Düsseldorf, den Kö-lauf, den T³ Triathlon und den Rhein-City-Run.

Hdl: Wie hat sich, im Vergleich zu deiner aktiven Zeit als Leistungssportlerin, in Deutschland der Stellenwert des Laufsports verändert?

Sonja: Der Stellenwert des Laufsports im Hobbybereich ist viel höher als früher. Aber das Leistungsniveau hat sich etwas verschoben. Es gab früher deutlich mehr 03:00 bis 03:30 Stunden-Läufer in einem Marathon. Jetzt liegt der Schwerpunkt bei 04:00 bis 05:00 Stunden. Ich persönlich freue mich über jeden der das Laufen für sich entdeckt. Die Geschwindigkeit spielt dabei keine Rolle.

Hdl: Bist du heute noch Live im Stadion oder auf der Straße, wenn Leichtathletik-Events stattfinden?

Sonja: Wenn ich Zeit habe, schaue ich mir natürlich Rennen auf der Straße oder Wettkämpfe im Stadion an. Ich bin leidenschaftliche Sportlerin. Das hat sich auch nach der Profizeit nicht geändert.

Hdl: Welche Hobbys hast du, und drehst du noch ab und zu eine kleine Laufrunde?

Sonja: Laufen und Sport aller Art! So oft wie möglich.

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