Teil 45 (KW 16/2019): Stefan Marouschek

Stefan Marouschek ist 54 Jahre und definitiv einer der schnellsten Opas im Lande. 2018 konnte der Niederösterreicher beim Berlin Marathon die Altersklasse M50 gewinnen. Alleine in dieser Altersklasse waren es 4226 Finisher! In seiner Familie ist Stefan trotzdem nicht der schnellste Marathonläufer. Mehr dazu im Helden-Interview #45.

Foto: Christian Huber

Helden des Laufsports: 02:38:57h beim Berlin-Marathon 2018. Was war das Ziel vor dem Lauf?

Stefan: Ich trainiere immer auf ein bis zwei Saisonhöhepunkte im Jahr hin. Mein Sohn Markus und ich stimmen uns da meistens ab, welche Events wir in Angriff nehmen. Das ultimative Ziel 2018, war für uns beide der Berlin Marathon. Wir hatten da noch eine Rechnung aus 2016 offen, damals lief es für uns nur suboptimal.  Unser beider Ziel war jeweils eine neue persönliche Bestzeit. Markus wollte unter 02:35 Stunden laufen und ich wollte die 02:40 Stunden knacken. Markus hat zudem noch damit spekuliert, schnellster Österreicher bei dem Event zu werden.

Hdl: Wie verlief das Rennen?

Stefan: Das Rennen selbst war der pure Wahnsinn. Ich war so was von am Punkt, allerdings ohne es zu wissen. Auf Grund gesundheitlicher Probleme war das Jahr und die Form bis dahin eher durchwachsen. Sieben Wochen davor war ich noch nicht in der Lage, die 10 Kilometer-Distanz schneller zu laufen als meine geplante Pace beim Berlin Marathon (03:46min/km)! Also Stress mit Frühform hatte ich dieses Mal sicher nicht. Ich kann mich im Normalfall gut einschätzen und es gab einige Indikationen die für eine gute Form sprachen. Aber ich hatte auch das Gefühl, nicht genug in diesem Bereich (Wettkampftempo) gearbeitet zu haben. Bis kurz vor dem Rennen, war das Laufgefühl noch ziemlich zäh. Mir fehlte einfach das Selbstvertrauen. Offenbar war aber auch das Teil des Erfolgs: Die richtige Balance aus Tapering und Belastung bis zum Start hin, Saltin-Diät und gutes „Carbo- loading“. Eine verhaltene Renntaktik (mit Marschplan knapp über 02:40 Stunden), eiserne Disziplin ja nicht in der ersten Hälfte des Rennens zu „überpacen“, super Rennbedingungen, Gels zum richtigen Zeitpunkt und keine Labe für einen Schluck Wasser auslassen. All das hat gepasst und hat mir bis über Kilometer 35 hinaus das Gefühl gegeben, Kraft ohne Ende zu haben. Einfach nur geil! Die zweite Hälfte im Marathon war mit 01:18:47 Stunden, gleichzeitig auch meine persönliche Bestzeit über die Halbmarathon-Distanz. Ich glaube das sagt alles!

Hdl: 2010 hast du mit dem Laufen begonnen. Wie kam es dazu?

Stefan: Ein Klassiker wie bei vielen anderen auch: Ein paar Jahre davor mit dem Rauchen aufgehört, brav zugenommen (der Stoffwechsel wird kein Besserer im Alter), dazu ein paar Operationen wegen tiefliegender Abszesse am A…. Diese haben mich soweit traumatisiert, dass ich mich nicht mehr getraut habe, bei sportlichen Aktivitäten, ins schwitzen zu kommen. Aber irgendwann hat es mir dann gereicht. Die Waage zeigte mittlerweile zwischen 90 Kilogramm und 100 Kilogramm an. Alles beschwerlich, ich muss von Berufs wegen viel reisen, ich verspürte keine Lebensqualität mehr ohne Bewegung. So beschloss ich mit Beginn der Fastenzeit 2010, das Abnehmen nachhaltig mit Joggen zu unterstützen. Im Herbst 2010 lief ich dann meinen ersten Marathon in der Wachau. Von da an hatte ich das Messer zwischen den Zähnen. Und zwar senkrecht!

Hdl: Warst du davor auch sportlich?

Stefan: Ich hatte eine sportliche Kindheit (Leistungsturnen) und Jugend (Handball). Das hat mich nicht nur körperlich geformt (ich bin von der Statur her sicher nicht der klassische Ausdauerläufer), sondern auch mental geprägt. Ehrgeizig war ich schon immer, Mittelmaß war noch nie so das Meine. Ich hatte aber relativ früh eine Familie gegründet und damit hatten sich für lange Zeit meine Prioritäten schlagartig verschoben.

Hdl: Du bist 54 Jahre und noch richtig schnell. Wie viel Zeit investierst du in Training und was ist dein Geheimnis für deine unglaubliche Fitness?

Stefan: Ich versuche in erster Linie „gscheit“ zu trainieren. Das heißt, ich mach mir schon Gedanken darüber wie der nächste Lauf ausschauen soll um den Formaufbau zu den Saisonhöhepunkten hin zu gewährleisten. Auch der Rhythmus aus Belastung und Regeneration spielt grad bei mir eine große Rolle. Ca. sechs Laufeinheiten, ein bis zwei Kraft- oder Alternativtrainingseinheiten pro Woche summieren sich auf ca. zehn Stunden Training/Woche.

Hdl: Was macht dir am meisten Spaß? Ein Dauerlauf oder eine Tempoeinheit?

Stefan: Gefühl Dauerlauf – davor: Relaxed. Gefühl Dauerlauf – während: Relaxed. Gefühl Dauerlauf – danach: Relaxed. Gefühl Tempoeinheit – davor: Stress pur. Gefühl Tempoeinheit – während: Hammerhart. Gefühl Tempoeinheit – danach: Saugeil.

Hdl: Jetzt läufst du den Marathon unter 02:40h und bist trotzdem nicht der schnellste in deiner Familie. Dein Sohn Markus ist in Berlin 02:34h gelaufen und wurde bester Österreicher, welchen Druck hat jetzt dann dein Enkel? 😉

Stefan: Gott sei Dank ist der Markus mittlerweile definitiv schneller, aber er hat mir schon leid getan weil der alte Herr hat lange dagegen gehalten. Aber das ergibt sich wenn anfangs jugendliche Lockerheit auf alten „Ehrgeizler“ trifft. Meiner ersten Enkeltochter Rosa-Maria (von Tochter Julia) weht ab und zu ja schon der Fahrtwind in einem Laufstroller um die Nase. Markus künftiger Sohn befindet sich noch im Raumschiff Richtung Erde, der Kabinendruck ist noch in Ordnung, haha! Wir werden das mit dem Training auch ganz behutsam angehen. Und sobald er die Jahreszahlen in der Schule gelernt hat, können wir mit ihm auch definieren bis zu welchen olympischen Spielen er dabei sein wird. ?

Hdl: Du bist Mitglied bei der Union St. Pölten. Trainierst du öfters mit deinen Vereinskollegen oder mit deinem Sohn?

Stefan: Mit meinem Sohn, ja sooft es für uns beide Zeit- und Trainingsmäßig passt. Diese Laufeinheiten und die Erfolgserlebnisse bei unseren gemeinsamen Events gehören ganz sicher zu den schönsten Momenten die sich ein Vater mit seinen Kindern wünschen kann. Unser Verein, die UNION St. Pölten ist eindeutig auf Leistung in der Leichtathletik angelegt und macht bewundernswerte Arbeit im Jugendbereich, um die “Next Generation” im österreichischen Spitzensport hervorzubringen. Von daher sind wir Marathonis eher die einsamen Wölfe.

Hdl: Was waren, bis auf dem Berlin-Marathon im letzten Jahr, deine bisher größten Lauferfolge?

Stefan: Das Jahr davor knackte ich beim Bodensee Marathon die 02:45 Stunden-Marke und wurde erstmalig österreichisher Meister in meiner Altersklasse (M50). Ein Titel in der M50 über zehn Kilometer  ist mir auch „passiert“, aber die Zeit von 36:08 war ein einmaliger „Ausrutscher“. Was ich auch versuche, ich komme nicht mehr an diese Zeit heran. Meine Talente liegen eindeutig auf den längeren Distanzen! Meine Ergebnisse bei den „Wings for Life“ Veranstaltungen bestätigen das. Dreimal Platz zwei in der Altersklasse M50 – weltweit. Mein fünfter Gesamtplatz 2017 in Bratislava war der geilste Lauf bei diesem Format.

Hdl: Was hast du in Zukunft noch vor? Hast du noch ein großes Ziel vor Augen?

Stefan: Es ist mir bewusst, dass mich irgendwann die biologische Kurve endgültig nach unten drückt. Damit hab ich kein Problem, aber ich hatte im Lauf meiner läuferischen Entwicklung schon ein paarmal den Punkt erreicht wo ich mir gesagt habe: „Super, was ich erreicht habe” und zugleich “Schade, ich glaube ich kann das nicht mehr toppen“, dann ist es doch wieder passiert. Und jedes Mal lädt sich meine Motivation von Neuem auf und ich nehme die Herausforderung an.
Ich habe auf Grund meines Altersklassen-Sieges eine Einladung vom Berlin Marathon für 2019 erhalten. Die werde ich annehmen. Generell suche ich den Vergleich meines Masters-Leistungsniveaus im Marathon-Bereich auf nationaler und internationaler Ebene. Gesundheit ist allerdings das höchste Gut. Ich habe vor Kurzem Arthritis diagnostiziert bekommen. Mal schauen wie sich das weiterentwickelt. Noch ist es zu früh, Prognosen zu stellen aber wenigstens weiß ich jetzt womit ich es zu tun habe.

Hdl: Familie, Beruf und ein intensives Lauftraining! Bleibt da noch Zeit für andere Hobbys?

Stefan: Nicht nötig, ich hab eine super Familie die natürlich an erster Stelle steht, die aber auch viel Verständnis für meinen Vogel mitbringt. Ich bin auch überzeugt, dass mir der Sport die nötige Kraft für meine Hartnäckigkeit im Beruf gibt. Es ist ein Luxus, dass wir uns abseits existentieller Bedürfnisse so intensiv mit unserem geliebten Sport auseinandersetzen dürfen. Und ja, nach einer harten Laufeinheit sage ich: „Das schönste am Laufen ist die Dusche danach“, so gesehen habe ich noch ein weiteres Hobby: Ich bin bekennender Warmduscher?.

Hdl: Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

Hinweis: Auf Stefans Facebook-Seite findet ihr den kompletten Bericht vom Berlin Marathon.

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