Teil 126 (KW 05/2021): Stefan Schmid

Foto: ©Stefan Schmid

Mit seinen erst 21 Jahren hat Stefan Schmid (SVS Leichtathletik) schon viel erlebt. Der Student der Sportwissenschaft und Hochleistungssportler ist nicht nur national erfolgreich, sondern konnte auch bei internationalen Meisterschaften überzeugen. Aber der Südstädter kennt auch die Schattenseiten des Laufsports und musste schon einige Monate verletzungsbedingt aussetzen. Jetzt will Schmid wieder richtig durchstarten und träumt davon 2024 bei den Olympischen Spielen am Start zu stehen. Mehr dazu im Helden-Interview #126.

Helden des Laufsports: Wann bist du zum Laufsport gekommen?

Stefan Schmid: Seit 2011 trainiere ich unter Dr. Karin Haußecker, wohne nur fünf Gehminuten vom Leistungssportzentrum (BSFZ Südstadt am ÖLV Stützpunkt) entfernt in einer kleinen Wohnung. Ich bin eigentlich täglich im Leistungssportzentrum. War dort auch in der Liese-Prokop-Privatschule für Hochleistungssportler.

Welche waren deine bisher größten Erfolge?

Sportlich am wertvollsten waren sicherlich der Vizeeuropameistertitel im 2.000-m-Hindernislauf 2016 in der U18 Klasse in Tiflis in Georgien, und der 9. Platz bei den U20 Weltmeisterschaften 2018 im 3000-m-Hindernislauf (Bestzeit: 9:00,20 Minuten) in Tampere in Finnland. Medial die meiste Aufmerksamkeit und Wirkung hatte aber sicherlich mein Sieg beim European Youth Olympic Festival 2015, das hat das ÖOC schon sehr gepusht und war eine unglaubliche Erfahrung. Da habe ich irrsinnig viel gelernt, nicht nur sportlich sondern auch medial und menschlich!

Auf welche deiner Bestzeiten bist du besonders stolz?

Eigentlich auf keine so wirklich! Am ehesten noch auf die 1.500-m-Zeit aus der Hallensaison 2018. Die 3:49,97 Minuten haben damals in der U18 Europarangliste immerhin Platz sieben bedeutet und wenn man das Rennen gesehen hat, dann weiß man, dass ich damals viel zu langsam angelaufen bin und da sicherlich an diesem Tag noch einiges drinnen gewesen wäre. Die anderen Zeiten über andere Disziplinen sind jetzt leider noch nicht berauschend aber wenn man bedenkt, dass ich in den letzten Jahren nie eine ganze Saison verletzungsfrei oder ohne größeren und längeren krankheitsbedingten Ausfall absolvieren konnte, bin ich eigentlich auf die anderen Zeiten auch stolz. Nichtsdestotrotz weiß ich, dass da noch einiges geht, wenn ich einmal eine gute Vorbereitung erwische.

Welche Wettkampf-Distanzen sind deine Favoriten?

Ganz klar die 3000-m-Hindernis. Da bin und werde ich auch in Zukunft international am konkurrenzfähigsten sein. Aber eigentlich gibt’s es keine Distanz, die ich überhaupt nicht gerne laufe. Die 3000-m-Hindernis finde ich halt einfach am spannendsten, weil hier durch die Hindernisse einfach immer noch was passieren kann auch wenn das Rennen schon entscheiden scheint. Außerdem scheint es vielleicht auf den ersten Blick relativ einfach zu laufen zu sein, was es aber überhaupt nicht ist!

Wie viel Zeit investierst du pro Woche in dein Training?

Das ist sehr unterschiedlich und schwierig zu sagen. Ich habe zwischen acht und zehn Einheiten pro Woche, wobei Sonntag in der Regel der freie Tag ist. Das heißt, dass ich auch öfters zwei Mal pro Tag trainiere. Im Schnitt werde ich aber schon so auf 15 bis 20 Stunden pro Woche kommen. Da ist aber das ganze Training eingerechnet, also Laufen, Alternativtraining und auch sowas wie Gymnastik und Dehnen. Hinzu kommen dann noch regenerative Maßnahmen und einiges andere. Also in Summe bin ich bestimmt bei 20 Stunden in der Woche.

“Natürlich träume ich von Olympia”

Stefan Schmid.

Wie wichtig ist dir hier dabei Alternativtraining?

Sehr sehr wichtig! Dadurch, dass ich in den letzten Jahren leider sehr verletzungsanfällig war, was den Stützapparat betrifft, und jetzt auch gerade wieder aus einer Verletzungspause komme, spielt Alternativtraining bei mir eine enorm wichtige Rolle. Gerade in der Vorbereitungsphase im Herbst, aber auch nach der Hallensaison in der Vorbereitungszeit auf den Sommer trainiere ich ganz viel alternativ. Viel Rad fahren, aquajoggen, steppen, rudern, usw. Da habe ich auch das Gefühl, dass mich das enorm weiterbringt und mir wirklich viel hilft, vor allem im Bereich der Grundlagenausdauer.

Wie bereits erwähnt, hattest du auch schon mit schwereren Verletzungen zu kämpfen. Welche waren das?

Ja, leider schon. Ich habe in der Vorbereitung auf die U20 Weltmeisterschaften 2018 aufgrund eines Knochenmarksödemes im Oberschenkel nur acht Wochen spezifisch laufen trainieren können. Umso stolzer bin ich auf meinen 9. Platz! Wenn man die Umstände kennt, dann war das damals schon nicht so einfach. Gerade in dieser Zeit habe ich dann gemerkt, wie wichtig das Alternativtraining für mich ist und wie sehr mir das hilft. Während des Corona-Lockdowns habe ich mich leider wieder etwas am Oberschenkel verletzt und musste mehr als drei Monate pausieren. Schön langsam bekomme ich das aber auch wieder in den Griff und kann zum Glück wieder mit dem Laufen beginnen.

Hat ein so junger Athlet wie du, auch Vorbilder?

Sicherlich! Ich habe aber kein wirkliches reines Vorbild, sondern ich versuche eher mir von vielen guten Athleten, auch aus anderen Sportarten, Dinge und Verhaltensweisen, die mir gefallen und mich imponieren abzuschauen und zu übernehmen.

Welche großen Ziele hast du für die Zukunft?

Das nächste große Ziel ist jetzt einmal die U23-Europameisterschaft, die hoffentlich im nächsten Sommer in Bergen in Norwegen stattfindet. Dort möchte über die 3000-m-Hindernis an den Start gehen und ins Finale laufen. Das ganz große Ziel, auf das ich hinarbeite, sind natürlich die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Dafür trainiere ich jeden Tag, um mir diesen Traum erfüllen zu können.

Welche Hobbys, außer dem Laufsport, hast du noch?

Leider nicht viele! Aber gerade während des Corona-Lockdowns hatte ich viel Zeit, um mich auch mit anderen Dingen zu beschäftigen und konnte einiges ausprobieren. Da habe ich zum Beispiel viel an Flug- und Automodellen herumgebastelt. Sonst komme ich da leider eh nicht so dazu. Im normalen Alltag treffe ich mich oft mit meinen Freunden und unternehme viel mit ihnen, um so ein bisschen Abstand zu bekommen vom Alltag und vom Sport zu bekommen.

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