Teil 119 (KW 42/2020): Steffi Volkmann

Foto: ©Steffi Volkmann

2014 änderte die Rostockerin Steffi Volkmann ihren ungesunden Lebensstil und begann zu laufen. Heute ist das Laufen ein großer Bestandteil im Leben der 38-Jährigen. Mehr über ihr Training und ihre Zukunftspläne, könnt ihr im Helden-Interview #119 nachlesen.

Helden des Laufsports: Wann hast du mit dem Laufen begonnen? Gab es dafür einen bestimmten Grund?

Steffi Volkmann: Oh ja! 2014 überrollte mich mein damaliger Lebensstil. Ich war Retail Managerin in einem Internationalen Modekonzern und beruflich sehr viel unterwegs. Ich kompensierte meinen eigenen Druck eine perfekte Mutter, Hausfrau und erfolgreiche Managerin zu sein mit zu viel Alkohol, Nikotin und ungesunder Ernährung. Freizeit gab es keine. Die Pflege meines an krebserkrankten lieben Vaters und sein gehen von dieser Welt brachte mein seelisches Ungleichgewicht denn völlig aus der Bahn. Meine Psyche rebellierte und ich erlitt eine Panikattacke nach der Nächsten. Mein großes Glück war mein Hausarzt. Er verschrieb mir gegen meine immer stärker zunehmenden Ängste keine Antidepressiva, sondern inspirierte mich zum Laufen und einer Kehrtwende meines Lebens. Ich suchte mir ein paar alte Sportschuhe aus dem Keller und lief meinen ersten Kilometer zum Bäcker. Das Laufen wurde fort an zu meinem Heilmittel. Zu dem Zeitpunkt war meine einzige Motivation zu laufen meine große Angst, chronisch depressiv zu werden. Anfangs lief ich viel mit Musik, aus Angst vor meiner eigenen inneren Stimme und Körperwahrnehmung. Nach fast einem Jahr war ich soweit und stellte mich erneut meiner Sorge. Ich ließ die Kopfhörer daheim und nahm meine Außenwelt wieder wahr. Die vollkommene Herrlichkeit des Lebens! Heute weiß ich zu schätzen, dass meine Seele keine anderen Weg mehr sah als meinen Körper vorauszuschicken.

Welcher war dein bisher größter läuferischer Erfolg?

Jeder Lauf ist für mich ein Erfolg. Mein erster offizieller Wettkampf war der Frauenlauf Rostock noch in dem selber Jahr Miene Hypertonie auf 10 km. Durch dieses Finisher-Tor zu laufen, bejubelt zu werden von wild fremden Menschen, berauschte mich bis in jede Faser meines Körpers. Mein verlorenes Selbstwertgefühl wurde neu geboren. Ich wurde so berieselt mit Glücksgefühlen, dass ich über meine große Angst chronisch krank zu werden, nie mehr auf hören wollte zu laufen. Ab diesem Tag an war das Laufen nicht mehr „nur„ meine Medizin und Mittel zum Zweck, sondern wurde zu meiner ganz großen Liebe.

Deine Bestzeit über die Fünf-Kilometer-Distanz liegt bei 21:22 Minuten, deine Marathonbestzeit bei 04:00:48 Stunden. Gibt es eine Bestzeit auf die du besonders stolz bist?

Ja, vergangenes Jahr war ich mit einem Läuferfreund an den Start des Paarlaufs vom Natur wunderschönen Dühnenläufer in Graal Müritz an der Ostsee gegangen. Mein Partner und ich teilten uns eine Marathon Distanz und ich lief die 24 Kilometer in 01:53:18 Stunden. Wir gewannen den ersten und bisher leider einzigen Natur & Landschafts Paarlaufs des Dühnenläufers. Das macht mich auf so einer anspruchsvollen Strecke und bei mir zu Hause an der Ostseekküste natürlich besonders stolz.

Du lebst in Rostock, wo lässt es sich dort schön und ruhig laufen?

Im Küstenwald. Die Strecke von Warnemünde bis Kühlungsborn am Waldrand entlang und von Kühlungsborn bis Rerik mit dem endlosen Meer vor Augen ist das perfekte Elixier für eine ausgewogene Hygiene von Körper, Geist und Seele.

Zu welcher Tageszeit absolvierst du dein Training am liebsten? Wie funktioniert hier generell die Freizeitplanung mit zwei Kindern?

Durch meine damaligen Schlafstörungen fing ich an morgens zu laufen. Die Morgenröte schenkte mir mein erstes Lächeln des Tages. Zum Teil verankerte sich dieses sichere Gefühl, dem Tag kann nichts Negatives mehr geschehen und zum anderen brauchte ich kein schlechtes Gewissen zu haben, mich nach einem langen Arbeitstag noch einmal von der Familie davon zu stehlen. Bis heute laufe ich in der Frühe, außer in den Wintermonaten, das Vitamin D der Sonne brauche ich schon. Seit letztem Jahr begleiten mich meine Kinder auch oft auf dem Rad oder laufen sogar selbst. Ich bin sehr dankbar und unheimlich stolz, dass wir dieses Hobby und somit viel kostbare Zeit miteinander teilen können.

Wie viel Kilometer läufst du pro Woche und machst du auch andere Sportarten?

Es kommt ganz darauf an, ob und auf welcher Distanz ich in Wettkampfvorbereitung bin. Im Durchschnitt kann ich sagen 30 bis 50 Kilometer. In Marathonvorbereitung natürlich mehr. Ich fahre leidenschaftlich gerne auch Rennrad und bilde mich gerade zur Yoga-Therapeutin aus.

Hat sich dein Training in Zeiten der Corona-Krise verändert?

Absolut! Es gab ja zwei Kategorien ab dem 16.03.2020. Die einen haben sehr viel arbeiten müssen und die anderen konnten ein wenig runterfahren. Ich gehörte zur ersten Kategorie. Gerade in der Frühjahrsvorbereitung zum Ersten Marathon des Jahres begann ich meine neue Arbeitsstelle als Gesundheitsmanagerin in Bad Doberan und mein Zeitkontingent war von 100 auf 0. Meine Trainingsnischen erloschen mit Homeschooling und ich baute meine Trainingszeiten noch intensiver um meinen Alltag herum. Ich zur lief noch öfter zur Arbeitsstelle hin und zurück und stand noch früher auf. Der Haushalt kam fast komplett zum erlegen. Meine Prioritäten waren klar. Familie, Job, Marathon. Dafür bin ich meiner Familie, meinen Freunden insbesondere Trine Grewchen überaus dankbar. Sie war für mich da und erfüllte mir den Traum den Goitzschemarathon an die Küste zu verlegen. Trine begleite mich auf dem Rad vom Saaler Bodden bis nach Prerow an die Ostsee. Meine 3:45 Stunden schaffte ich bei weiten nicht aber dafür sehr viel mehr. Ich war sehr stolz auf mich und schätzte mich wieder mehr, für die Dankbarkeit meines so wertvolles Lebens. Vor allem als Mutter der verständnisvollsten und einfühlsamsten Kinder der Welt. Ich liebe euch von tiefsten Herzen.

Bist du in einem Verein? Läufst du gerne in einer Gruppe?

Hin und wieder sehr gerne in der dynamischen und hochmotivierten Laufgruppe namens #rostockrunningcrew. Ein Verein sind wir nicht. Zu uns kann jeder kommen der der das Laufen genauso liebt wie wir. Völlig unabhängig von Pace oder Distanz. Die wilde Horde trifft sich jeden Dienstag am Stadthafen von Rostock und läuft entlang der idyllischen Hafenkante, Skyline von Rostock. Bis August laufe ich auch in eine Laufgruppe in Bad Doberan. Diese Trifft sich jeden Mittwoch 18:00 Uhr oder Samstag 09:00 Uhr. Hier werden alle Läuferischen Zielgruppen angesprochen. Vom Run and Walk bis zum Marathon Läufer.

Welche großen sportlichen Ziele hast du für die Zukunft?

Die Halbmarathon Distanz beim Rostocker Citylauf in 01:30 Stunden zu laufen und mich beim wunderschönen Dühnenläufer in Graal Müritz zu verewigen. Das und im Polarlicht zu laufen. Meine absoluten Träume.

Welche Hobbys, außer dem Laufsport, hast du noch?

Ich fahre leidenschaftlich gerne Rennrad, es ist ein willkommenes Crosstraining für mich. Und ich übe Yoga. Für mich die Ideale Möglichkeit mich in Achtsam mit meiner Atmung und die liebe zur Bewegung, auszubalancieren. Im Sommer steige ich auch gerne auf das Stand-up-paddeln. Da darf es denn auch mal ein Ritt in den Sonnenuntergang sein. Ein Tag ist für mich vollkommen, wenn es meiner Familie gut und ich den Tag im Sonnenlicht begrüßen und verabschieden darf.

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