Stephan Kirchberger: “Das Gefühl, über die Esplanade ins Ziel zu laufen, ist einfach unbeschreiblich”

63 Kilometer und 4500 Höhenmeter mussten die Athleten am Samstag, 3. Juli 2021, beim Traunsee Bergmarathon absolvieren. Stephan Kirchberger benötigte für diese Strecke, die von Gmunden über den Grünberg, Traunstein und Spitzelsteinalm nach Ebensee, von dort über den Feuerkogel, den Grasberg und den Gmundnerberg wieder zurück nach Gmunden führte, 13:31:51 Stunden. Im Interview spricht der Utzenaicher und LG Innviertel-Athlet unter anderem darüber, über was man in so einer langen Zeit nachdenkt.

Stephan Kirchberger (Foto: ©) kann auch nach 63 Kilometer noch lachen.

Helden des Laufsports: An was denkt man, wenn man 13 Stunden am Berg unterwegs ist? Gab es viele Motivationstiefs?

Stephan Kirchberger: Ich habe mich bewusst nicht dazu verleiten lassen, während dem Lauf, allzu viel über das „hier und jetzt“ nachzudenken. Da würde man ganz schnell demotiviert sein. Man sollte nicht über jedes Zwicken und jedes kleine Wehwehchen, das der Körper sendet, sofort nachdenken. Ablenkung hatte ich während der gesamten Zeit durch meinen Vereinskollegen Bernhard Birn. 2018 waren wir gemeinsam auch beim Stelvio Marathon in Südtirol am Start und haben uns gegenseitig ins Ziel gebracht. Kam es dann doch mal zu einem Motivationstief, dann haben wir uns an die nächste Labstelle orientiert, um dort wieder Energie zu tanken etwas auszuruhen und dann gings wieder weiter. Das funktionierte sehr gut!

Was hast du dir im Vorfeld für dieses Rennen vorgenommen und bist zu zufrieden?

Da ich beim letzten Versuch vor zwei Jahren nach etwa zweidrittel der Strecke nach dem Feuerkogel verletzungsbedingt aufgeben musste, war die Devise für heuer „nur“ mit Anstand durchkommen. Egal welche Zeit am Ende rauskommt. Gemeinsam mit meinem Laufkollegen Bernhard war unsere Herangehensweise von Anfang an nicht zu übertreiben. Lieber etwas Energie sparen, um für die zweite Hälfte noch Reserven zu haben. Das hat perfekt funktioniert, da ich zu keiner Zeit Krämpfe oder muskuläre Erschöpfung verspürte. Rückblickend wäre eine deutlich bessere Zeit auch möglich gewesen, aber wie schon erwähnt war das nicht unsere Priorität. Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Lauf sehr zufrieden. Das Gefühl, das man verspürt wenn man in Gmunden die Esplanade entlang läuft, mit dem Ziel vor Augen, während einem die Zuschauer anfeuern, das ist einfach unbeschreiblich! Ich möchte dieses Gefühl nächstes Jahr wieder erleben dürfen!

“Nachdem ich bei meinem ersten Antreten vor zwei Jahren verletzungsbedingt aufgeben musste, wollte ich dieses Jahr einfach nur ankommen”

Stephan Kirchberger war auch 2019 am Start.

Wie sah dein Training in den letzten Wochen und Monaten aus?

Leider kann ich aus beruflichen Gründen kein strukturiertes Training durchziehen. Ich habe so gut es ging jede Gelegenheit genutzt, um in die Berge zu kommen. Zuhause habe ich auch versucht lange Läufe einzustreuen, um mich an längere Distanzen zu gewöhnen. Allein ist das jedoch mühsam. Mein Gefühl sagte mir, dass ich eigentlich einen Trainingsrückstand zum Vergleich des Vorjahres habe. Dies hat sich jedoch nicht so dramatisch ausgewirkt.

Hast du dieses Jahr sonst schon Wettkämpfe absolvieren können?

Bei den oberösterreichischen Landesmeisterschaften über die 5000 m in Vöcklabruck konnte ich in der AK M45 die Goldmedaille holen, das war bis dahin min einziger richtiger Bewerb. Einen weiteren Trainingslauf mit Wettkampfcharakter konnte ich noch eine Woche vor dem Bergmarathon beim Lindetwaldtrail in Suben absolvieren. Da musste man „nur“ 21 Kilometer und 330 Höhenmeter absolvieren, aber es war eine kleine Standortbestimmung, die mich zufrieden stellte.

Wie sehen deine weiteren Saisonpläne aus?

Direkte Saisonpläne habe ich keine mehr. Wenn ich es mental schaffe, möchte ich über dem Sommer weiterhin die langen Einheiten trainieren, um eventuell im Herbst noch an einem Straßenmarathon teilzunehmen.

Der Utzenaicher wog 2015 noch 95 Kilogramm.

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