Stillstand im Sport löst Ärger und Resignation aus

Text: Gerhard Öhlinger, Christoph Pichler und Christian Mortsch

Wann dürfen Amateur- und Nachwuchssportler endlich wieder in Hallen und auf Sportanlagen? Aktive, Trainer und Funktionäre erwarten endlich konstruktive Signale aus der Politik.

Wann dürfen Amateur- und Nachwuchssportler endlich wieder gemeinsam trainieren? Der Lockdown, der die Corona-Infektionszahlen eindämmen soll, lähmt den Sportbetrieb seit Monaten. Perspektiven seitens der Politik sind nicht auszumachen. Der Unmut in der Sportszene wird immer größer. Zugleich steigt die Sorge, dass viele Kinder und Jugendliche gar nicht mehr zum Sport zurückkehren. Ein SN-Rundruf in Salzburg zeigt ein düsteres Bild.

Tennis: Viel Raum für wenige Sportler – Sportminister Werner Kogler hatte den Tennisspielern große Hoffnungen gemacht, als er Mitte Jänner den baldigen Neustart gerade in dieser Sportart in Aussicht gestellt hatte. Passiert ist seither nichts, weshalb der Ärger groß ist: “Wir haben es satt, dass unsere Argumente überhaupt kein Gehör finden”, schreibt Christian Zulehner, Präsident des Salzburger Tennisverbands (STV), in einer Aussendung. Gefahrlose Ausübung des Sports wäre in Tennishallen für zehntausende Menschen möglich. Doch trotz Präventionskonzept und zahlreicher Gespräche fühlen sich die Tennisfunktionäre “ignoriert und vertröstet”.

Foto: ©LSB NRW

Volleyball: So viel Zulauf verzeichnete der Volleyballnachwuchs jahrelang, dass die Trainer- und Halleneinteilung zur logistischen Herausforderung wurde. Jetzt ist Uli Sernow, Trainer und Obmann beim Volleyballclub PSVBG Salzburg, vorwiegend mit dem Vertrösten der Eltern beschäftigt: “Der Nachwuchsbetrieb steht seit Monaten still, und die restliche Hallensaison können wir abschreiben. Vor Ostern wird nichts mehr gehen. Worauf wir jetzt hoffen, ist die Beachsaison.” Zumindest für den Anschlusskader und die weibliche U18 gilt die Spitzensport-Ausnahmeregelung. Hingegen hat die Zweitliga-Mannschaft der Herren den im Herbst eingestellten Ligabetrieb gar nicht mehr aufgenommen: Die beiden geteilten Ligen wurden zu einer österreichweiten zusammengelegt. “Das wäre mit dem vorhandenen Kader nicht mehr zu bewältigen gewesen”, sagt Sernow.

Leichtathletik: Eigentlich hatten die Leichtathleten beim Nachwuchs groß durchstarten wollen. Nun sind Weitsprunggruben und Laufbahnen schon seit Monaten verwaist. Lediglich die Kaderathleten ab 16 Jahren dürfen trainieren. “Wir haben große Sorgen, dass mehrere Jahrgänge komplett wegfallen”, sagt Landestrainer Richard Marschal. Kimbie Humer-Vogl, Vizepräsidentin des Salzburger Leichtathletikverbands (SLV), sagt: “Es ist ein Drama für den Nachwuchssport. Es gibt keinen Turnunterricht, daheim bewegen sich die Kinder nur noch vom Bett zum Computer. In der Pubertät sind die Jugendlichen ohnedies schwer in die Vereine zu bringen.”

In ihrer Eigenschaft als Landtagsabgeordnete will sich Humer-Vogl dafür einsetzen, dass der Sport nicht vergessen wird. Mit ihrer Erfahrung als langjährige Turntrainerin weist sie auf zusätzliche Problemfelder hin: “Gewisse Bewegungsmuster lernt man nur in einem gewissen Alter. Und es gehen nicht nur ganze Jahrgänge an jungen Aktiven verloren, sondern auch die etwas Älteren, die als Trainer und Betreuer ebenso unverzichtbar sind.”

Handball: Salzburgs Nachwuchs aus dem SHV-Leistungszentrum darf seit vergangener Woche wieder trainieren. Kurz bevor es jedoch losging, hatte Trainer Herbert Wagner noch eine Hiobsbotschaft zu verdauen. Denn Selbsttests wie etwa die in der Schule angewandten Nasenbohrer-Tests waren plötzlich nicht mehr gut genug. “Das am Wochenende vor dem Trainingsstart mitgeteilt zu bekommen, war hart. Wir hatten schon um knapp 1000 Euro Tests gekauft”, berichtet der Coach.

Obwohl die jungen Handballer nun einen offiziell beglaubigten Test vorweisen müssen, um teilnehmen zu können, waren die ersten Trainings gut besucht. “Der Leidensdruck war nach so langer Zeit offenbar hoch genug, dass es ihnen den Extraaufwand wert war”, vermutet Wagner. “Wir sind froh, dass wir überhaupt etwas machen können. Aber als Sportwissenschaftler würde ich mir mehr Planbarkeit wünschen. Denn langfristige Trainingssteuerung ist vor allem im Nachwuchs enorm wichtig.”

Ringen: Beim AC Wals dürfen aktuell nur die Kämpfer aus dem Nationalkader trainieren. “Davon haben wir glücklicherweise sehr viele. Aber es ist auch schwierig, für manchen Sportler, wenn etwa der Freund trainieren darf und man selbst noch warten muss”, erzählt Sportdirektor Max Außerleitner. Ein noch größeres Problem ist für ihn freilich der Nachwuchs. “Bei den ganz Kleinen geht derzeit nichts und die waren eigentlich immer unser Kapital”, betont der Walser.

Seine Hoffnung ist, dass zumindest Aktivitäten im Freien bald wieder erlaubt sind. “Das hat letztes Jahr noch ganz gut funktioniert. Es ist wichtig, auch wieder gemeinsam etwas tun zu können. Denn vielen geht neben der sportlichen Betätigung auch einfach die Kameradschaft ab”, erklärt Außerleitner.​

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.