Streak Running – Macht täglich Laufen Sinn?

Liebe Leser!

Definitionsgemäß bedeutet “Streak Running”, wie es die internationale Community der Streak Runner festgelegt hat, täglich zumindest eine Meile (1,61 Kilometer) zu laufen. Dabei kann man es sich aussuchen, ob man draußen, oder auf dem Laufband läuft. Ziel (oder soll ich schreiben “Sinn”) der Sache ist es, einen möglichst langen “Running Streak” aufrecht zu erhalten, das heißt, möglichst viele Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte,… täglich zumindest diese Distanz (1,61 Kilometer) zu absolvieren. Man kann sich auf einschlägigen Websites für einen Streak registrieren, d.h. einen aktiven Streak öffnen. Wenn man ihn unterbricht, dann sollte man den Streak als “retired” kennzeichnen, und kann ggf. zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Streak beginnen.

Hier die Statistik zu den längsten bisher dokumentierten “Streaks” laut der o.g. Website – falls jemand tatsächlich Interesse haben sollte, diese Rekorde zu brechen:

Der längste dokumentierte/registrierte Streak, beträgt 19 032 Tage (52,11 Jahre) für Männer, aufgestellt von Ron Hill (dieser Streak wurde bereits beendet), und 14 532 Tage (39,79 Jahre) für Frauen, aufgestellt von Lois Bastien. Der Streak von Lois Bastien ist derzeit aktiv.

Ich habe mir schon öfter Gedanken über das Streak Running gemacht, da ich irgendwie selbst dazu tendiere. Da ich ja erst seit 2018 regelmäßig eine Garmin verwende, kann ich leider nichts beweisen, aber es gab in den letzten 15 Jahren sicherlich schon einige Streaks von mir, die mehrere Monate gedauert haben. Ich glaube, mein längster Streak könnte auch gut ein Jahr oder so angehalten haben.

2004-2009 bin ich sicherlich an den meisten Tagen des Jahres gelaufen, aber immer vergleichsweise kurz (3-10 Kilometer). Schon als ich 2004 mit dem Laufen begonnen habe, wollte ich eigentlich am liebsten jeden Tag laufen, und habe das auch – mit wenigen Ausnahmen – so durchgezogen. 2009-2013 hatte ich eine kurze Phase, wo ich laufen und schwimmen immer abgewechselt habe, d.h. ich war etwa dreimal die Woche im Schwimmbad (statt laufen), oder ich baute den einen oder anderen Tag im Fitnessstudio ein. An den meisten Tagen bin ich aber immer gelaufen. Die Strecken wurden zu dieser Zeit auch länger (10-13 Kilometer würde ich sagen). Irgendwann habe ich das Schwimmen wieder sein lassen, weil es mir viel weniger Spaß gemacht hat als das Laufen, und weil mir im Wasser immer so kalt wurde. 2016 habe ich aus Interesse begonnen, längere aber auch deutlich langsamerer Läufe zu machen, und mich für Ultra Running zu interessieren. Ich ging für ein paar Monate täglich 2 bis 2,5 Stunden lang laufen, legte täglich mindestens 20 Kilometer im gefühlten Schneckentempo zurück. Am Wochenende machte ich nicht selten back to back Long Runs mit z.B. 2x 35 Kilometern und mehr. Ich experimentierte auch eine Zeit lang mit täglich zweimal pro Tag Laufen. Ich trieb es immer so weit, bis meine Achillessehne oder mein Fuß schmerzte, und ich deswegen die Umfänge wieder zurückschrauben musste. An manchen Tagen, wenn ich zum Beispiel innerhalb von 3 Tagen 80 Kilometer zurückgelegt hatte, erholte sich mein Ruhepuls nicht mehr. Ich lag im Bett mit einem Ruhepuls der etwa 20 Schläge höher war als normalerweise, und bekam dezent Panik. Keine gute Idee. (Nur fürs Protokoll: mein Ruhepuls liegt knapp unter 40 pro Minute.)

Aber genug von mir – die Frage war ob Streak Running Sinn macht. Ich würde sagen, es kommt drauf an. Was ist das Ziel eines Läufers? Wenn das Ziel – wie bei einem Profi – maximaler Trainingseffekt ist, dann würde ich sagen, Streak Running über ein paar Wochen oder Monate mit geeigneten Modulationen in Trainingsumfang und Intensität kann durchaus Sinn machen. Einige Profis laufen zumindest in gewissen Phasen der Wettkampfvorbereitung täglich, sogar zweimal täglich. Manche bauen fix jede Woche einen Ruhetag ein. Die meisten Profis machen jedoch vor allem nach harten Wettkampfphasen auch mal mehrere Tage oder Wochen komplett Pause. Ich weise darauf hin, dass man ja nur 1,61 Kilometer pro Tag laufen “muss” um einen Streak aufrecht zu erhalten. Das ist wirklich wenig, und wenn man an manchen Tagen bei diesem absoluten Minimum bleibt, dann denke ich, es ist wahrscheinlich nicht gefährlich. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es nicht ratsam ist, täglich möglichst weit zu laufen. Erstens wird man auf die Dauer immer langsamer, man fühlt sich irgendwann einfach nur ausgelaugt und wird auf lange Sicht sogar schlechter!

Daher sollte jeder seinen “Sweet Spot” finden, ich würde also sagen, jeder Läufer soll herausfinden, welchen Trainingsumfang (natürlich auch abhängig von der Intensität) er ohne Verletzungen oder sonstige Zeichen des Übertrainings gut aushält. Ein Running Streak könnte zum Beispiel sein: 3 mal pro Woche 5 Kilometer locker, 3 mal 7-10 Kilometer schnell und 1 langer Lauf von 30 Kilometern. Zu viel? Das muss jeder selbst rausfinden. Man kann es natürlich auch mit Ruhetag insgesamt übertreiben. Also würde ich sagen, Streak Running kann gesund oder ungesund, zu viel oder gerade richtig sein – je nachdem wie man es betreibt. Wenn man krank ist, sollte man natürlich komplett pausieren, das ist medizinisch gesehen außer Diskussion. Somit impliziert ein extrem langer “Streak” eigentlich, dass man auch extrem lang infektfrei ist…

Was sind eure Gedanken zu diesem Thema und wie lang war vermutlich euer längster Streak?

Eure Liesl

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