Susanne Linecker: “Tage danach war das noch ziemlich surreal für mich”

Oktober 2021: Susanne Linecker aus Lochen am See siegte in Podersdorf über die Ironman-Distanz.

Foto: ©picthis.one

3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer mit dem Fahrrad fahren und 42,195 Kilometer laufen – das ist die Ironman-Distanz. Diese hat Susanne Linecker (Triathlon Mattigtal) aus Lochen am See am Mitte September im burgenländischen Podersdorf in 10:13:15 Stunden absolviert. Bei ihrem ersten Antreten in Klagenfurt im Jahr 2017 war die Ergotherapeutin nach 11:35 Stunden im Ziel. „Mein Ziel dieses Jahr war es, dass ich beim Bewerb in Podersdorf unter elf Stunden ins Ziel komme. Dass ich das schaffen kann, war realistisch, daher ging ich entspannt ins Wasser“, sagt Linecker, die anschließend am Rad ebenfalls gut unterwegs war und einen Konkurrenten nach dem anderen überholen konnte. „Irgendwann im Laufe des Rennens rief mir mein Freund vom Streckenrand zu, dass ich aktuell auf Platz zwei liegen würde. Ich habe das allerdings gar nicht realisiert“, so die Ausdauersportlerin. Ohne Druck, mit einer angenehmen inneren Ruhe, ging es für Linecker anschließend auf die Laufstrecke, um die letzte Disziplin, den Marathon, in Angriff zu nehmen. „Als ich mich an die 42,195 Kilometer machte, war plötzlich der Radfahrer vor mir, der die Führende bis ins Ziel begleitet. Ich war völlig überrascht und kam dadurch plötzlich doch etwas unter Druck. Ich war tatsächlich die Führende, das war einfach ein Wahnsinn“, sagt Linecker mit einem Lächeln im Gesicht. Den Marathon lief die 33-Jährige in 3:40:47 Stunden und kam schließlich als Siegerin ins Ziel. Eigentlich sei sie schon am Ende ihrer Kräfte gewesen, „aber die Zuschauer haben mich von Labstation zu Labstation getragen. Vor allem auf den letzten Kilometern war die Stimmung unglaublich“, so Linecker. „Dass ich als Amateurin so einen Wettkampf für mich entscheiden konnte, war auch Tage danach noch immer surreal“, sagt die Innviertlerin, die acht bis zehn Stunden pro Woche trainiert.

2000 Euro Prämie und eine Dopingkotrolle

Was danach passierte, war für Susanne Linecker absolutes Neuland. Preisgeld hatte die Triathletin bis zu diesem Sieg nie gewonnen, in Podersdorf hielt sie bei der Siegerehrung einen Scheck im Wert von 2000 Euro in Händen. Dopingkontrollen waren der Sportlerin bis zu diesem Samstag ebenfalls fremd. „Nachdem ich im Ziel meinen Freund in die Arme nehmen konnte, stand plötzlich die Frau von der NADA bei mir und bat mich, zur Dopingkontrolle zu kommen. Probleme hatte ich dabei keine, da ich den ganzen Marathon schon auf die Toilette musste“, schmunzelt Linecker, die, was ihren Sieg betrifft, vom größten Erfolg ihrer Karriere, gleichzeitig aber von einem Zufall spricht. „Ich kenne nur wenige Athleten, die sich auch von einer verkorksten Einheit nicht aus der Ruhe bringen lassen und gleich wieder fokussiert weiter arbeiten, ohne an sich zu zweifeln. Susi ist mental sehr stark“, hebt Lineckers Trainer, Josef Hartl, einer der Stärken seiner Athletin hervor. Susanne Linecker, die Vorstands- und Gründungsmitglied von Triathlon Mattigtal ist, denkt aber auch in der Stunde des Erfolgs nicht nur an sich. „Ich bedanke mich bei allen Vereinsmitgliedern für die Unterstützung. Wir sind ein toller Verein, bei dem nicht nur die Leistung zählt, sondern vor allem die Gemeinschaft.“Mit ihrem Sieg über die Triathlon-Langdistanz hat Linecker sicherlich viele andere Vereinskollegen motiviert, weiter fleißig zu trainieren und an sich zu glauben.

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