Thea Heim: “Der LTV Köflach hat das super hinbekommen”

Thea Heim lieferte dieses Jahr beim Barcelona Halbmarathon eine absolute Topleistung ab und unterbot mit einer Zeit von 01:13:23 Stunden die Norm für die EM in Paris. Diese wurde aber, wie so viele andere Veranstaltungen auch, abgesagt. Nach Monaten ohne Wettkampf, wollte es die Münchnerin jetzt endlich wieder mal wissen, und so kam es zum Berglauf-Debüt der 27-Jährigen. In Köflach (Steiermark) warteten 8,5 Kilometer und 1092 Höhenmeter auf die Athleten.

Foto: ©Thea Heim

Helden des Laufsports: Erster Wettkampf seit deinem tollen Lauf in Barcelona. Warum wurde es ein Berglauf?

Thea Heim: Wir haben seit einem Monat wieder mit dem Training angefangen und in diesem ersten Abschnitt die Kraftausdauer als einen Schwerpunkt festgelegt. Zudem wollten wir schon länger auch die Bereiche Berglauf, Traillauf und Ultralauf in mein Portfolio miteinbeziehen. Ich denke mit meinen Unter-und Flachdistanzen bringe ich eine sehr gute Voraussetzung in diesen Bereichen mit. Und genau am letzten Wochenende wollte mein Coach einen Berglauf als quasi Mentaltest absolvieren. Da passte der Lauf in Köflach super und Organisator Stefan Mayer hat uns hinsichtlich Übernachtung etc. fantastisch unterstützt. Zudem laufe ich ja in Österreich extrem gerne, da die Qualität der Laufveranstaltungen absolut top ist. Und das hat sich auch in Köflach wieder bewahrheitet.

Platz eins bei den Damen mit einer Zeit von 59:34 Minuten, wie verlief das Rennen aus deiner Sicht und wie zufrieden bist du damit?

Ich finde man hat in Köflach mit dem Hygiene-und Wettkampfkonzept eine super Veranstaltung organisiert. Man hat, trotz Lockerungen, dennoch ein auf Sicherheit basierendes Konzept ausgerollt und umgesetzt. Dazu zählte auch der Startabstand von 30 Sekunden zwischen den einzelnen Läufern, so dass kaum Überholvorgänge stattfanden. Hat mich an meine frühere Ski-langlaufzeit erinnert. Ich kam damit gut zurecht, habe mich aber auf den ersten drei Kilometer mit 500 Höhenmetern sehr zurückgehalten, weil ich nicht wusste, wie es mir weiter oben gehen würde. Ich kannte die Strecke ja nicht. Mein Coach ist sie zwar am Vortag abgelaufen und hat eine kleine Videodokumentation gemacht, damit wir uns nicht verlaufen. Aber man kann das natürlich nicht so einschätzen. Insgesamt hätte ich in den Flachstücken ein wenig mehr Gas geben können. Am Ende hatte ich noch viel Kraft. Trotzdem war ich sehr zufrieden mit dem Lauf und es hat mir extrem viel Spaß gemacht.

Wie intensiv war dein Training in der Corona-Wettkampfpause?

Nachdem im März absehbar war, dass kein Frühjahrsmarathon stattfinden würde, haben wir Anfang April Pause gemacht. In der zweiten Aprilhälfte habe ich dann wieder mit dem Laufen angefangen und bin Anfang Mai just for fun den virtuellen „Wingsforlife Run“ gelaufen. Danach habe ich dann nochmal etwas Pause gemacht und den Fokus auf andere Dinge gelegt. Im Juni haben wir dann wieder mit dem Training begonnen.

Wie traurig bist du eigentlich darüber, dass die Europameisterschaften in Paris nicht stattfinden werden?

Ehrlich? Das berührt mich emotional gar nicht. Ich bin zwar die Norm in Barcelona für die EM gelaufen, aber die Zeit hätte wohl nicht für eine Nominierung gereicht. Unser Fokus lag auch eher auf einem Halbmarathon Ende März, wo wir eine schnellere Zeit geplant hatten.
Barcelona war bereits acht Wochen nach Trainingsbeginn. Zudem gab es bei uns ja noch keine Nominierungen. Allerdings finde ich den Gedanken eine EM in Paris zu haben schon reizvoll und ich finde es schade, dass sie ersatzlos gestrichen wurde. Insgesamt denke ich aber, haben wir momentan andere Probleme als eine EM oder Olympia. Ich finde es toll, wenn man, wie in Köflach, im Rahmen des Möglichen erste Schritte geht, hinsichtlich Rennen. Auch deshalb haben wir die Veranstaltung unterstützt. Jetzt sollten wir einen Rahmen finden, dass eventuell mehr dieser kleineren Veranstaltungen wieder stattfindet. Es ist vielleicht auch eine Chance für Rennen zwischen 100 bis 300 Teilnehmern. Im Übrigen kann ich mir im Moment nicht vorstellen, dass Olympische Spiele im nächsten Jahr stattfinden.

Du glaubst also nicht an “Tokio 2021”?

Ich schaue mir die Situation an und hier vor allem die letzten sechs Monate. In diesem Jahr wird in Deutschland kein Marathon mehr stattfinden. Die Infektionszahlen in Europa gehen wieder nach oben. Und das, obwohl wir Sommer haben, wo Corona ja aufgrund der Eiweißstruktur und Hitze nicht so große Verbreitung haben sollte. Wenige Veranstaltungen finden statt, bei uns werden selbst Bergläufe mit 100 Teilnehmern abgesagt. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass Corona nicht mit dem 31.12.2020 verschwunden ist. Und selbst wenn ein Impfstoff in 2021 gefunden werden würde, wird das nicht die Ansteckungsproblematik lösen. Ich denke, wer jetzt nicht ganz im Märchenland lebt, weiß, dass wir mit der Problematik zukünftig umgehen werden müssen. Im Moment würde ich sagen, wäre Olympia nicht vertretbar. Ich denke alle, auch Großveranstalter, müssen sich neue Konzepte überlegen, die die neue Situation berücksichtigen. Ich finde viele denken, dass Corona vorbeigeht, wie ein Schnupfen. Aber das wird nicht so sein. D.h. nicht, dass man jetzt den Kopf in den Sand stecken muss. Aber es hilft auch nichts zu warten und zu meinen, ab dem 01.01.2021 wird wieder alles wie früher sein. Hier fehlt mir im Sport, von den Verbänden bis zu den Aktiven, etwas der Weitblick und auch die Kreativität. Wir müssen lernen, mit der Situation umzugehen. Und solltest sich hinsichtlich der Ansteckungsgefahr bis April 2021 nicht eine dramatische Veränderung ergeben, die ich nicht erwarte, ist ein Massenereignis wie Olympia, aus meiner Sicht absurd.

Hast du schon weitere Wettkämpfe in Aussicht?

Mein Coach macht hier die Wettkampfplanung und ist in engem Austausch mit meinem Race Manager Christoph Kopp (ISS Berlin). Es ist schwierig im Moment längere Planungen zu veranschlagen, aber es sind Rennen geplant und werden wohl auch stattfinden. Meist sind dies aber Eliterennen mit einer streng begrenzten Teilnehmerzahl.

Foto: ©Thea Heim

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1 Kommentar zu „Thea Heim: “Der LTV Köflach hat das super hinbekommen”“

  1. Sehr schönes Interview. Und überaus vernünftige und kluge Ansichten von Thea Heim bezüglich Laufen in Coronazeiten. Da bin ich zu 100% der gleichen Meinung!

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