Teil 118 (KW 41/2020): Thomas Potzinger

Foto: ©Volkslaufbilder

Thomas Potzinger lebt dort, wo die besten Läufer der Welt trainieren – in Iten/Kenya. Im Helden-Interview #118 sprechen wir mit dem 33-Jährigen über seine sportlichen Leistungen und über sein Leben abseits des europäischen Wohlstands.

Heldendeslaufsports: Seit wann lebst du in Kenia und wie kam es dazu?

Thomas Potzinger: 2013 bin ich das erste Mal nach Kenia gereist und habe damals ein Praktikum bei Run2gether in Kiambogo absolviert. Das war der Einstieg in dieses schöne Land. Seitdem habe ich insgesamt viereinhalb Jahre in Kenia verbracht. Seit 2017 lebe ich, mehr oder weniger permanent, in Kenia.

Wie sieht dort dein Alltag aus?

Mein Alltag variiert stark. Abhängig von der Saison. Generell dreht sich mein Tag nur ums Laufen, Athleten, Training und so weiter. Ich selbst laufe zwischen 100 bis 200 Kilometer die Woche, folge Athleten im Training bei Einheiten und dokumentiere es für Renato Canova, treffe Athleten aus aller Welt, welche hier trainieren, um mehr über ihr Training zu erfahren, besuche auch fast alle nationalen Wettkämpfe um immer am Laufenden zu bleiben.

Was fasziniert dich an Kenia? Du lebst dort in einer völlig fremden Welt, abseits vom europäischen Wohlstand.

Der Hauptgrund warum ich hier bin ist das Laufen. Es ist hier ein Nationalsport und ich kann meine Leidenschaft mit vielen teilen. Meine Gedanken drehen sich 24/7 ums Laufen. Das kann in Österreich für meine Familie, Freunde schon anstrengend werden. Aber hier gibt es immer jemanden, um diese Leidenschaft aktiv oder passiv auszuleben.

Wie oft kommst du noch nach Österreich?

Ein bis zweimal pro Jahr. Insgesamt sechs Wochen pro Jahr, in erster Linie, um Wettkämpfe zu laufen.

Wie oft pro Woche machst du Sport?

Zehn bis 13-Mal pro Woche. In Erholungswochen um die Hälfte weniger. Meistens Laufen, bisschen Krafttraining und Koordination.

2016 bist du in Graz deine Marathonbestzeit gelaufen. Nach 02:42 Stunden hast du das Ziel erreicht und bist auf Platz sieben gelandet. Wie verlief das Rennen aus deiner Sicht?

Ehrlich gesagt hatte ich bereits im Vorfeld Probleme mit einer Achillessehnenverletzung. Ich bin die erste Hälfte in 77 Minuten angelaufen und musste ab Kilometer 20 alleine bis ins Ziel laufen und ab Kilometer 25 wurde die Achillessehne zunehmend zum Problem, da konnte ich nicht mehr ordentlich abdrücken. Im Nachhinein betrachtet war es keine gute Entscheidung einen Marathon so zu laufen. Aber wir lernen aus Fehlern und ich hoffe, dass ich bald einen Marathon schneller als 02:42 Stunden laufen kann.

Welche sportlichen Highlights durftest du noch erleben?

Thomas: Meine persönlichen Highlights bisher waren 2012 der Halbmarathon in Linz, oder auch mein erster voller Marathon, der Welschmarathon 2010, ohne richtiger Vorbereitung. Das Ziel in 03:54 Stunden zu erreichen, hat mir damals viel bedeutet. Aber auch meine letzten vier Rennen waren für mich sehr erfreulich. Die sieben Kilometer bei der Winterlaufserie, und die sieben Kilometer beim LCC Lauf im Jänner 2019 waren, nach den ganzen Rückschlägen, mit 03:23 und 3:20 Minuten pro Kilometer ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Im Juni 2019 bin ich dann einen Neun-Kilometer-Lauf in Nairobi auf 1800 Meter Seehöhe und schwieriger Strecke in 32:10 Minuten gelaufen. Danach hatte ich leider meine bisher dritte Stressfraktur. Im März dieses Jahr konnte ich im Zuge der Vorbereitung für den Wien Marathon den Gigasportlauf in Brunn am Gebirge gewinnen. Ich hoffe, dass mein Körper irgendwann mit meinem Kopf mitspielt und das harte Training bessere Resultate bringt.

Wie ernährt man sich in Kenia? Fehlt dir dort was?

Ich ernähre mich relativ simple. Morgen Schwarztee mit Milch und Marmeladenbrot. Mittags Reis, Kartoffel, verschiedenes Gemüse, Spaghetti um nur einiges aufzuzählen. Abends achte ich darauf mehr Eiweiß zu mir zu nehmen. Fleisch, Fisch mit Reis, Polenta und wieder Gemüse. Außerdem trinke ich jeden Tag ein Glas Milch vorm Schlafen gehen. Tagsüber esse ich gerne die hier lokalen Früchte wie Bananen, Mangos, Ananas oder Orangen und trinke über den Tag verteilt mehrere Tassen des kenianischen Tees. Über die Ernährung der kenianischen Läufer habe ich meine Masterarbeit geschrieben.

Welche sportlichen und beruflichen Ziele hast du für die Zukunft?

Ich werde bis 2024 als Athlet aktiv bleiben und bis dorthin alles versuchen, um mein Potential auszuschöpfen. Ich hoffe, dass ich dieses oder nächstes Jahr zu mindestens Sub 02:30 Stunden im Marathon unterbieten kann und dann noch versuchen, diese Zeit erneut zu drücken. Danach werde ich mich voll und ganz dem Coaching widmen, welches dann auf internationalen Level stattfinden soll.

Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Musik hören, Basketball, Fußball und lange Spaziergänge zählen zu meinen Hobbies.

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