Teil 11 (KW 37/2018): Thorsten Knabel

Torsten Knabel ist ein ehemaliger Fußballprofi der unter anderem für Pasching, Wacker Innsbruck und Grödig spielte. Heute lebt der gebürtige Oberösterreicher in St.Valentin/Niederösterreich und schnürt dort anstatt den Fußballschuhen die Laufschuhe.

Helden des Laufsports: Wenn man dir über Strava folgt stellt man fest dass dein Lieblingstempo zwischen 05:00min/km und 05:30min/km liegt. Ist das dein Wohlfühltempo?

Torsten: Ja das kann man als mein Wohlfühltempo beschreiben. Laufen ist für mich ein Hobby und Ausgleich zum Beruf. Es soll mir Spaß machen und nur ganz selten eine Wettkampf sein. Als ich nach meiner aktiven Fussballzeit mich dem Laufen begonnen habe, lag mein Pace bei 6:15 min/km, somit freue ich mich über die 5 – 5:30 Zeiten.smiley

Hdl: Hast du bei dir Zuhause in St.Valentin eine Lieblingsstrecke und wie lange sind deine Trainingsläufe?

Torsten: Lieblingsstrecke habe ich keine, gleich hinter der Haustür ist der Rohrberg. Hier kann man sehr schöne und viele verschiedene Routen laufen. In den meisten Fällen laufe ich am Rohrberg herum damit auch ein paar Höhenmeter zusammen kommen. Das bringt eine Abwechslung und man kann sich die Gegend ansehen.

Hdl: Hast du beim Laufen auch Ziele, wie Wettkämpfe, oder was bedeutet für dich dieser Sport?

Torsten: Wie oben schon geschrieben ist Laufen für mich ein Hobby. Ich mache es für mich und nur ganz selten nehme ich an Laufveranstaltungen teil. Bei den Veranstaltungen kommt manchmal der Profisportler in mir durch und ich erwische mich wie es dann doch ein Wettkampf wird. Was ich aber mache, ist mir eine Jahreslaufziel zu stecken. Das hilft mir, sollte ich meine Motivation kurzfristig nicht finden.smiley

Hdl: Marcel Witeczek, ehemaliger Profifußballer beim Bayern München, ist nach seiner aktiven Karriere einen Marathon unter drei Stunden gelaufen. Er meinte danach er habe als Fußballer nie so viel trainiert wie für diesen Marathon. Natürlich kann man die beiden Sportarten nicht vergleichen da die Trainingsinhalte andere sind, aber wie wichtig sind speziell in der Vorbereitung die Ausdauerläufe?

Thorsten: Hut ab vor Herrn Witeczek, die beiden Sportarten sind sehr verschieden und es kommt auch etwas auf deine Position am Spielfeld an. Für mich als Verteidiger war es immer wichtig auf den ersten Metern schnell zu sein, eine gewisse Sprintstärke zu haben. Lange Läufe über 50m oder mehr hatte man als Innenverteidiger nicht, außer beim Torjubel mit den Kollegen.smiley Die Basis für alles war aber natürlich eine gewisse Ausdauer. In den Vorbereitungen wurden dann gezielten Ausdauerläufe gemacht, um dann die Basis für die komplette Saison zu legen.

Hdl: Ich gehe davon aus dass man als Kicker in der Wintervorbereitung am meisten läuft. Wie sahen hier, in Bezug auf Tempo und Dauer, die Ausdauerläufe aus?

Torsten: Das stimmt, in der Wintervorbereitung standen die meisten Ausdauerläufe am Programm. Bzgl. Tempo und Ausdauer hat es stark variiert, auch war es von Trainer zu Trainer immer unterschiedlich. Von 30 – 60 min war alles dabei, nachdem man in Trainingsspielen oder gezielt Trainingseinheiten mit Ball die gleichen oder ähnliche Reize setzen kann, wurden die Tempoläufe oft in spielerischer Form gemacht.

Hdl: Trainer wie Felix Magath (auch Quälix genannt) werden immer seltener. Wer war der Trainer der dich am meisten zum Schwitzen gebracht hat?

Torsten: Da brauche ich nicht lange überlegen – Stanislaw Tschertschessow (aktuell Teamchef Russlands). So viele Muskelkater hatte ich bei keinem anderen Trainer.wink

Hdl: Wie sah ein normaler Trainingstag als Fußballprofi aus?

Torsten: Die Trainingstage variierten sehr stark, darum kann ich eher eine “normale” Trainingswoche skizzieren. Wenn Samstags ein Spiel war wurde fast immer am Sonntagvormittag trainiert. Montag war dann der freie Tag, Dienstag und Mittwoch wurde am Vormittag und Nachmittag trainiert. Donnerstag, stand meistens nur mehr ein Training am Programm und Freitag ebenfalls. Wenn am Samstag ein Auswärtsspiel war und die Anreise länger dauerte, ist man am Freitag schon im Bus gesessen und du hattest dein Training am Abend irgendwo in der Nähe des Hotels. Samstag Vormittag stand noch eine kurze Einheit am Programm, am Nachmittag/Abend dann das Spiel. Danach gings wieder von vorne los. Wenn Spiel den Wochenrhythmus durchbrachen, wurde dann auch wieder anders trainiert.

Hdl: Du hast 270 Spiele als Profi am Buckel. Was waren deine sportlich schönsten Erfolge?

Torsten: Da gab es ein paar. Die Aufstiege mit Pasching in die Bundesliga und mit Blau Weiss Linz in die 2. Liga (Erste Liga) waren sicher sehr emotionale Momente an die man gerne denkt. Aber auch unser Spiel mit Pasching auf Schalke war ein riesen Erlebnis. Als junger Spieler gegen Schalke zu spielen in einem Stadion in dem 60.000 Zuschauer sind, ist auch etwas das hängen bleibt.

Hdl: Was machst du heute beruflich und bist du noch in irgendeiner Weise mit dem Fußball verbunden?

Torsten: Mit Fussball habe ich aktuell nichts mehr zu tun, es geht mir gerade auch nicht ab. Beruflich hat es mich in den Vertrieb gezogen. Es war nicht einfach nach der aktiven Karriere wieder im “normalen” Berufsleben Fuß zu fassen. Wie in meinem Fall war ich 10 Jahre Fussballprofi, diese Berufserfahrung ist nur in sehr wenigen Jobs hilfreich. Mittlerweile bin ich über 8 Jahre im Vertrieb und es ist sehr spannend zu sehen wie viel man aus der Profikarriere mitnehmen kann ins Berufsleben.

Hdl: Bist du beim Laufen alleine unterwegs oder läufst du auch mal in einer Gruppe?

Torsten: Bin ein klassischer alleine Läufer, ganz selten laufe ich mit meiner Frau oder einer meiner Töchter. Mir ist es alleine lieber, da höre ich Musik oder Hörbücher und laufe mein Tempo.

Hdl: Was hast du, außer dem Sport, noch für Hobbys?

Torsten: Ich bin sehr gerne Zuhause bei meiner Familie. Neben meiner Familie, dem Beruf und meinem Laufen brauche ich kein zusätzliches Hobby. Es ist auch so genügend los.

Hdl: Danke für das Interview und weiterhin viel Spaß beim Laufen!

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