Teil 72 (KW 44/2019): Tobias Schreindl

„Erst bei der Siegerehrung habe ich so richtig realisiert, dass ich Deutscher Meister geworden bin“, sagt Tobias Schreindl über seinen bisher größten sportlichen Erfolg aus dem Jahr 2014. Bereits im Alter von sieben Jahren hat sich der Deggendorfer mit dem Laufvirus invisziert. Potential für neue Bestzeiten sieht der Athlet der LG Passau auf den längeren Distanzen. Mehr über den 31-jährigen Maschinenbauingenieur könnt ihr im Helden-Interview #72 nachlesen.

Helden des Laufsports: Im Oktober 2014 wurdest du in München Deutscher Meister im Marathonlauf. Wie hast du diesen Tag erlebt?

Tobias:  Da ich das Projekt “Marathon DM” bereits in den Jahren zuvor (2012/2013) versucht habe, wusste ich in etwa was auf mich zukommt. Damals war ich mit Platz vier bzw. fünf nicht 100% zufrieden. 2014 ging ich jedoch mit dem absoluten Willen und dem Gefühl, dass nichts und niemand mich stoppen kann, an den Start. Dieses Gefühl begleitete mich durch das ganze Rennen. Nichts destotrotz wird jeder Marathon ab einem gewissen Punkt sehr hart, so auch bei mir ab Kilometer 40. Doch zu diesem  Zeitpunkt wusste ich, dass mir den Sieg niemand mehr nehmen kann. So konnte ich den Einlauf ins Stadion und die letzte Runde in vollen Zügen genießen. Jeder Marathonläufer kennt wahrscheinlich das unbeschreibliche Gefühl nach 42,195 Kilometer an seiner persönlichen Leistungsgrenze, sich erst einmal auf den Boden zu setzen. Erst bei der Siegerehrung habe ich so richtig realisiert, dass ich Deutscher Meister geworden bin.

Hdl: Damals bist du 02:21 Stunden gelaufen, deine Bestzeit beim Marathon ist sogar noch besser! 2015 hast du in Linz nur 02:18 Stunden benötigt. Wie intensiv hast du dich auf diesen Lauf vorbereitet?

Tobias: Beim Linz Marathon ging ich als amtierender Marathonmeister ins Rennen, was mich persönlich sehr motiviert hat. Da der Wettkampf in Linz im April war, sprich nur sechs Monate nach München, machte ich nur kurz Pause und führte meine Umfänge wie vor dem München Marathon fort. Das Rennen in Linz lief vermutlich auch dank einer sehr guten Gruppe so gut.

Hdl: Aber nicht nur im Marathon bist du erfolgreich, auch über 5.000 oder 10.000 Meter (Bahn) konntest du schon Titel sammeln. Was waren hier deine Highlights?

Tobias: In erster Linie natürlich die Wettkämpfe, in denen ich meine Bestzeiten aufstellen konnte (5.000 Meter: 14:14 Minuten in Tübingen und 10.000 Meter: 29:11 Minuten in Aichach). Aber natürlich ist die Teilnahme an einer Bahn-Meisterschaft (wie z.B. dieses Jahr in Berlin) immer ein Highlight für mich, da die Stimmung und die Atmosphäre im Stadion unvergleichlich ist.

Hdl: Kommen wir zu deinen Trainingsalltag. 40 Stunden Bürojob und Marathonlaufen auf einem Niveau wie du es machst, wie funktioniert das? Die Unterstützung deiner Frau Susanne (Helden-Interview Susanne) dürfte dir, aufgrund derselben Leidenschaft, sicher sein.

Tobias: Ja, ich/wir versuchen, aus der restlichen Zeit, die noch fürs Training bleibt, das Optimum herauszuholen. Natürlich leiden darunter die Umfänge, aber ich/wir sind zufrieden so wie es ist, da wir ja schließlich immer noch “professionelle Hobbysportler” sind. Laufen ist kein Fußball und man kann nicht oder nur selten davon leben 🙂

Hdl: Du lebst in Deggendorf. Wie sind dort deine Trainingsmöglichkeiten und wie oft im Jahr fährst du auf Trainingslager?

Tobias: Die Bedingungen in Deggendorf sind eigentlich hervorragend, da man von der Bahn über flache Strecken an der Donau bis hin zu hügeligen Trails alles findet. Ins Trainingslager fahren wir nur einmal im Jahr (meistens im Frühjahr). Ansonsten versuchen wir, über Feiertage und Brückentage lange Trainingswochenenden in Bad Füssing (zur Marathonvorbereitung) einzubauen.

Hdl: Ein Trend zeigt: Immer mehr Hobbyläufer fliegen nach Kenia zum Trainieren. Wie sieht es da bei dir aus? Reizt dich so ein Trip?

Tobias: Ich würde die Kultur und Laufgewohnheiten dort schon gerne einmal kennen lernen. Jedoch hat sich bis jetzt noch kein solcher Trip ergeben.

Hdl: Bei so viel Training, bleibt da auch noch Zeit für andere Hobbys?

Tobias: Viel Zeit bleibt natürlich nicht mehr, aber ab und zu mal dem Modellfliegen nachgehen, dafür nehme ich mir einfach Zeit.

Hdl: Über welche Distanzen siehst du für die Zukunft noch Chancen für neue Bestzeiten?

Tobias: Ich denke, je länger die Strecken werden, umso größer stehen die Chancen. Von daher würde ich sagen: über Halbmarathon bzw. Marathon.

Hdl: Wann und wie bist du zur Leichtathletik gekommen?

Tobias: Ursprünglich habe ich mit Ski Langlauf bei einem kleinen Wintersportverein (SC Spiegelau) begonnen. Als ich dann mit ca. sieben Jahren bei meinem ersten Bambinirennen gleich gewonnen habe, war ich mit dem Laufvirus infiziert.

Hdl: Einige deiner Vereinskollegen der LG Passau haben sich auch schon erfolgreich auf der Ultrastrecke probiert. Hast du in diese Richtung Ambitionen?

Tobias: Nein, so etwas reizt mich gar nicht. Hier stehen Trainingsaufwand und Resultat in keiner Relation. 100 Kilometer/24h Läufe/Ultra Trails sind natürlich Distanzen, die man erst einmal bewältigen muss, haben für mich aber nicht so diesen Wettkampfcharakter. Für mich ist die Königsdisziplin immer noch der Marathon.

Hdl: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Spaß beim Laufen!