5.000 Meter: Triathletin Tanja Stroschneider ist Wiener Landesmeisterin

25 bis 30 Stunden trainiert Tanja Stroschneider pro Woche. Die 30-jährige Triathletin von bikepirat.at und vom team2012.at, krönte sich vor kurzem zur Wiener Landesmeisterin über die 5.000-Meter-Distanz. Im Interview spricht Stroschneider über dieses Rennen und über die abgesagte Triathlon-EM.

Tanja Stroschneider (Nr. 736). Foto: ©Wilhelm Lilge

Helden des Laufsports: Gratulation zum Wiener Landesmeistertitel! Mit deiner gelaufenen Zeit von 17:55 Minuten über die 5.000 Meter, hast du deine Bestzeit um satte 30 Sekunden verbessert. Wie verlief das Rennen aus deiner Sicht?

Tanja Stroschneider: Wir haben das Rennen als flotte Trainingseinheit geplant, ohne ans Limit zu gehen, da jetzt viele andere, hochwertigere Rennen anstehen. Daneben sollte der Wiener Meistertitel „abfallen“, ohne das abzuwerten. Das Rennen wurde als Meisterschaftsrennen gemeinsam mit Niederösterreich ausgerichtet, weshalb u.a. die Triathlon-Olympiastarterin von 2016, Julia Hauser am Start war. Julia startete recht flott mit 80er Runden, ich wollte eigentlich neben dem WLV-Titel bei guten Bedingungen – und wenn es mir gut gehen sollte – in Richtung 18:20 Minuten (3:40min/km) laufen. Trotz einer Schwimmbelastung davor ging es aber recht gut und ich lief ziemlich gleichmäßig Runden zwischen 85 und 87“. Eine Runde vor Schluss packte mich etwas der Ehrgeiz, weil eine Zeit unter 18 Minuten machbar schien. Mit flotten letzten 200 Metern in ca. 38 Sekunden blieb ich dann bei 17:55 Minuten, womit ich angesichts des Aufwandes sehr zufrieden war. Der Wiener Meistertitel – mit rund zwei Minuten Vorsprung – schaute dabei auch noch raus. Irgendwie witzig, dass damit zwei Triathletinnen jeweils überlegen Landesmeisterinnen im 5000-Meter-Lauf wurden.

Eigentlich bist du ja „keine“ Läuferin, sondern eine sehr erfolgreiche Triathletin. Welche Erfolge konntest du hier schon feiern?

Zu den Erfolgen zählen:

Teilnahme an der U23 WM in Peking.

2. Platz Junioren Europacup Gesamtwertung.

3. Platz Junioren EM Holten (NED).

4. Platz Jugend EM Rijeka (CRO).

10. Platz Europacup Holten (NED).

10-fache Österreichische Meisterin im Triathlon, Aquathlon und Duathlon.

Zahlreiche Landesmeistertitel und Titel „Triathletin des Jahres“, dazu viele Einzelsiege bei nationalen Triathlons, oft auch mit „First out of the Water“ vor allen Männern. Ich habe aber wohl wie kaum jemand anderer durch viele Krankheiten (u.a. Herzmuskelentzündung mit langer Sportpause) und Verletzungen (u.a. Bandscheibenvorfall bei einem Rennen (trotzdem ins Ziel “gelaufen”), wo voriges Jahr im August eine Operation erfolgte) auch viel Schmerzen, Leid und Tränen erfahren müssen. Umso mehr kann ich jetzt meinen Sport mit Freude und Leidenschaft ausüben und ich arbeite mit meinem Betreuerteam sehr hart, damit auch entsprechende Ergebnisse kommen.

Für die Triathlon-EM 2020 hättest du dich ebenfalls qualifiziert. Auf Instagram war ein Video zu sehen, wo du den Tränen nahe, über die Absage verärgert reagiert hast. Was stört dich am Meisten an dieser Absage?

Die kurzfristige Absage kam ja nicht vom Veranstalter, sondern vom Europäischen Verband (ETU). Dies erscheint insofern schwer nachvollziehbar, weil fast zur gleichen Zeit ebenso in Estland (Tallin) ein sehr großer Ironman-Bewerb „normal“ stattfindet, während die EM mit je ca. 50 Startern bei Männern und Frauen abgesagt wurde. Das ist also eher eine sportpolitische Entscheidung gewesen.

Wie intensiv war dein Training in den letzten Wochen?

Wir haben in diesem Jahr erstmals ein Höhentraining (drei Wochen in St. Moritz) durchgeführt, wo die Belastung schon ziemlich extrem war. Es ist aber normal, dass ich 25 bis 35 Stunden pro Woche trainiere, dazu kommen noch notwendige Einheiten bei Physiotherapie (trainingsbegleitend und immer noch im Zuge der Rehabilitation nach der Bandscheiben OP), etc. Das Training wird jetzt zunehmend wettkampfspezifisch, also da sind schon ordentliche Belastungen dabei. Meine Distanz ist ja die Olympische und die Sprintdistanz, da ist die Leistungsanforderung wesentlich komplexer als auf der Langdistanz, weshalb ich auch wirklich intensive Belastungen im Training benötige – dafür nicht so extrem lange einzelne Einheiten.

Momentan ist es ja schwierig, aber hast du schon Pläne für den Rest dieser komischen Saison?

Derzeit ändert sich fast täglich der internationale Wettkampfkalender. Der ÖTRV hat zum Glück nach der EM-Absage sehr unbürokratisch entschieden und das Sportprogramm spontan angepasst, dass nun die besten Athleten „dafür“ im Weltcup starten dürfen. Aus derzeitiger Sicht werde ich am 28.8.2020 bei einem Europacuprennen (Sprint) in Polen starten und dann beim Weltcuprennen am 13.9.2020 in Tschechien. Das Weltcuprennen ist dabei v.a. aufgrund der Absagen vieler anderer Rennen praktisch besetzt wie Olympische Spielen, u.a. die Top-10 der Weltrangliste sind fast geschlossen am Start. Die Saison geht dann aus heutiger Sicht weiter bis in den Dezember, wo es z.B. Rennen in Ägypten geben wird. National tut sich leider nicht sehr viel und da ist die gerade begonnene Saison, wo einige Rennen mit Coronabedingten Anpassungen stattfanden, praktisch gleich wieder aus.

Info: Mehr aktuelle Infos und Fotos/Storys findet ihr auf ihrem Instagram-Account tstroschneidertri, wo sie mittlerweile fast 50.000 Follower hat.

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