„Tut mir leid, aber ich bin absolut kein Läufer.“

Liebe Leser!

Diesen Satz habt ihr bestimmt schon einmal gehört: „Tut mir leid, aber ich bin einfach kein Läufer.“ Hm. Darüber hab‘ ich jetzt einige Zeig lang nachgedacht, und mich gefragt: ist man entweder Läufer, oder ist man keiner? Wird man sozusagen als genuiner Läufer geboren, oder eben nicht?

Hier meine Vermutungen in dieser Angelegenheit:

Zu Beginn macht laufen meist noch nicht so viel Spaß wie später. Der Grund ist, dass es erstmal verdammt anstrengend ist. Als ich im Alter von 14 Jahren damit begonnen habe, wollte ich schlichtweg wissen, wie lange ich im Stück durchhalten kann, ohne eine Gehpause einzulegen. Das erste Resultat war: circa 20 Minuten. Wie schnell ich lief, kann ich natürlich retrospektiv nicht sicher sagen, aber wahrscheinlich war’s ein 5:30er Schnitt (viel zu schnell für den Anfang!), und danach war ich krebsrot im Gesicht, aber glücklich. Ich hab aus zwei Gründen weiter gemacht: erstens, es ging mit jedem Mal leichter, zweitens: das Gefühl danach. Mein Hirn wurde schnell süchtig nach dem Laufen. Erst war es vor allem „danach“ super: das Gefühl, es wieder einmal geschafft zu haben. Aber schnell fokussierte ich mich auf das „währenddessen“: in den Körper hineinspüren. Sind die Beine heute schwer, oder locker? Geht die Atmung fließend, oder schnappe ich verzweifelt nach Luft? Wie geht’s dem Kopf? Genieße ich es, oder fällt es schwer, fokussiert bei der Sache zu bleiben?

Diese wenigen Minuten pro Tag, wo ich mit mir und meinen Gedanken alleine sein darf, sind mir bis heute viel wert. Ohne Musik, ohne Hörbuch, ohne Telefon. Nur meine Beine, meine Lunge, meine Gedanken. Schritt für Schritt. Hecheln, schnaufen. Nachdenken. Konzentration. Ich liebe das Laufen, es gibt mir irgendwie Halt und Struktur im Stress und in der Schnelllebigkeit des Alltags.

War ich immer schon Läuferin? Ich würde sagen: nein. Es wurde nur mit der Zeit immer schöner, immer einfacher, immer weniger wegzudenken. Gibt es für mich wichtigere Dinge als das Laufen? Ja, tausende. Aber solange es passt, und ich Zeit und Muse genug habe, will ich den Laufsport nicht missen. Will keine Pausen machen, keine off-Season. Es macht mir nach all den Jahren immer noch Spaß – mehr als zu der Zeit, als ich begonnen habe.

Wenn mir jemand erzählt, er sei kein Läufer, dann interpretiere ich es meist so, dass er es schlichtweg nicht lang genug probiert hat. Es dauert mehrere Monate, bis es richtig Spaß macht, bis man sich während des Laufens entspannen kann.

Allerdings: Viele Menschen brauchen Sport nicht zur Entspannung und zum „Runterkommen“, sie wollen keine Monotonie. Sie wollen Action, Herausforderung, Sport im Team oder in der Gruppe. Sie brauchen den Sport eher als „Kick“, wollen verschiedene Bewegungsmuster kombinieren (Krafttraining, Crossfit, Ballsportarten, Klettern,…). Und dazu sage ich: nein, das bin ich eher nicht, das ist nicht so meins. Also sage ich ja auch: „Tut mir leid, ich bin kein „Crossfitter“, kein „Fitness-Girl“, keine Volleyballspielerin.“ Ich kann mir halt nicht so gut vorstellen, diese Sportarten regelmäßig und mit der gleichen Begeisterung auszuüben wie das Laufen. Dennoch macht mir das gelegentliche Krafttraining, das (circa 2-mal-jährliche) Klettern mit Freunden oder das gelegentliche Basketballmatch am Sportplatz Spaß.

Liebe Leser, ich kann hier kein Fazit schreiben. Gibt es nun „Läufer“ und „nicht-Läufer“? Ich würde sagen, es gibt den Typ „Ausdauer-Junkie“. Dazu gehören selbstverständlich Schwimmer, Radlfahrer, und Mädels die einfach gern stundenlang am Crosstrainer, Stepper oder an der Rudermaschine im Fitnessstudio chillen.

Bevor jemand aber sagt, er sei „kein Läufer“, sollte er, so meine ich, dem ganzen wenigstens ein paar Wochen Zeit geben. Drei bis viermal die Woche raus, bei jedem Wetter. Gaaanz langsam, möglichst wenige Gehpausen. Zwanzig Minuten am Beginn, dann steigern auf dreißig, vierzig,…

Erst wer dann immer noch sagt, er möchte lieber zum Crossfit, Tennis, Yoga-Kurs,… Dem glaube ich, dass er halt „kein Läufer“ ist.

Was meint ihr dazu?

Eure Liesl