Ultralauf – Nicht jedermanns Sache!?!

07.03.2019: Autor: Mario Friedl (36) aus St. Martin im Innkreis

2016 habe ich erstmals bei einem Ultralauf teilgenommen. Nach 4-jähriger Erfahrung auf der Marathonstrecke (02:58:35h), wollte ich etwas Neues ausprobieren. Als Einstieg wählte ich den 6-Stundenlauf in Fürth/Bayern. Dieser Lauf wurde für mich zum vollen Erfolg. Allerdings blieb dieser auch der Letzte auf der Ultrastrecke.

2016 – 6 Stunden – 69,225 Kilometer

In der Vorbereitung hatte ich etliche lange Läufe (40km+) oder Doppeleinheiten mit 2 x 30 Kilometern absolviert. Ich war zum Ende schon sehr müde, aber das ist ja völlig normal. Am Renntag selber hatte ich gutes Laufwetter und war am Ende mit knapp 70 Kilometern mehr als zufrieden. Um meinen Körper zu schonen, sollte es in diesem Jahr auch der einzige Ultralauf bleiben.

2017 – 6 Stunden – der Einbruch

Im Jahr darauf, mit dem guten Ergebnis und Erlebnis von Fürth im Rücken, ging ich in Lassee/Niederösterreich an den Start. Die Vorbereitung war sehr hart und ich hatte schon etwas muskuläre Probleme, aber diese waren nur von kurzer Dauer. In einem Testrennen konnte ich in 4 Stunden 49,7 Kilometer laufen und es machte den Anschein dass die Form passt. Am Wettkampftag war es für einen Apriltag leider sehr warm und windig (dieser gehört in Lassee aber dazu). Ich merkte schon bald, dass es an diesem Tag nicht rund lief und nach ca. 40 Kilometern war dann leider auch Schluss. Die Beine wollten nicht mehr! Ich hätte damals von meinem Wunschtempo (05:00min/km) abweichen müssen, aber leider war ich stur. Sicherlich auch ein Grund für mein „scheitern“.

2019? 6 Stunden – Vorbereitung mühsam

2019 will ich es erneut versuchen! Die ersten acht Wochen der Vorbereitung verliefen ganz solide. Doch dann musste ich krankheitsbedingt pausieren. Kein Beinbruch, gehört dazu, allerdings musste ich jetzt drei Wochen vor dem Hauptwettkampf ein Testrennen nach 30 Kilometern abrechen. Es zwickt im Oberschenkel. Ein Schmerz den ich erstmals beim Intervalltraining spürte, meldete sich leider wieder zurück. Generell ist die Vorbereitung sehr intensiv und so stelle ich mir die Frage: Ist mein Körper für so lange Distanzen einfach nicht „gemacht“?

Was muss ein Ultraläufer mitbringen?

Klarstellen möchte ich, dass ich mich angesichts meiner wenigen absolvierten Ultraläufe, nicht als Ultraläufer bezeichne. Es wäre respektlos gegenüber den anderen „echten“ Ultraläufern die regelmäßig 6, 12, 24 oder 48 Stunden laufen und tolle Leistungen erbringen. Aber was muss ein Ultraläufer, außer der mentalen Stärke, alles mitbringen? Was muss er aushalten? Meine Einschätzung dazu:

1. Trainingsplan: Ohne Plan trainieren kann schnell in die Hosen gehen, da man sich sonst nicht die nötigen Pausen nimmt. Wobei es sicher auch genug Läufer gibt die es schaffen ohne Plan die Pausen optimal einzubauen.

2. Krafttraining: Stabitraining und co. sollten nicht vernachlässigt werden.

3. Massagen

4. Alternativsport: Nicht nur Laufen sondern auch andere Sportarten in den Trainingsalltag aufnehmen.

5. Oder einfach so: Es gibt Menschen die sind für solche Belastungen geschaffen, andere wiederum nicht.

Diese fünf Punkte sind jetzt nicht wirklich neu, allerdings glaube ich, dass diese bei Läufen Jenseits des Marathons noch wichtiger sind als bei den „kürzeren“. Ich persönlich trainiere nach keinen Plan, weil dieser würde mich stressen. Ich mache zwar Stabi-Übungen und Alternativsport, allerdings viel zu wenig. Da ich dafür zu faul bin, werden der Ultrasport und ich wohl doch keine Freunde mehr.

Zu hohe Ziele?

Es ist schade denn ich liebe die langen Läufe die 40 Kilometer oder länger sind und im Training einfach immer und immer wieder dieselbe Runde zu laufen. Doch ich habe hier auch persönliche Ansprüche. Die knapp 70 Kilometer aus dem Jahr 2016 sind mein Maßstab und ich will keinen 6-Stundenlauf machen und mich mit 60-65 Kilometer zufrieden geben. Vorausgesetzt die Verletzung ist bis Fürth weg und ich gehe dort an den Start, werde ich danach entscheiden ob ich für meinen „Traum“ weiter trainieren kann bzw. will. Dieser wäre ja gewesen im Juni die 100 Kilometer in Wien zu laufen.

Kein Frust – hauptsache laufen

Das hört sich jetzt alles nach Frust an, stimmt so aber nicht (ok, ein bisschen vielleicht)! Nur muss ich mir eingestehen dass Ultra wohl nichts für mich ist und ich mich wieder auf die kürzeren Strecken konzentrieren sollte. Hier war ich bisher immer zufrieden und meist verletzungsfrei. Einen schönen 10er oder einen Halbmarathon am Limit zu Laufen ist doch eine feine Sache. Natürlich ist in Zukunft auch ein weiterer Marathon nicht auszuschließen.

Auch wenn man sich eventuell von gewissen Strecken verabschieden muss, sollte eines immer im Vordergrund stehen: Hauptsache Spaß am Laufen und froh sein laufen zu können!


Florian Reus (Deutschland), 24h-Weltmeister von 2015:


„Prinzipiell kann jeder zum Ultra werden, der von seiner gesundheitlichen Konstitution in der Lage ist Dauerlauf zu betreiben. Im Ultralauf kommen im Vergleich zu den Unterdistanzen noch einige andere Aspekte hinzu, die als Grundvoraussetzung gelten. Dazu gehören ein hohes Maß an orthopädische Belastbarkeit und ein einigermaßen stabiler Magen, da man bei richtig langen Distanzen, im Gegensatz zu kurzen Strecken auch Nahrung während des Laufs aufnehmen muss. Der Vorteil ist jedoch, dass vieles über langfristige Anpassung und über ein vernünftiges Vorgehen in die richtige Richtung gelenkt werden kann.“

4 Kommentare zu „Ultralauf – Nicht jedermanns Sache!?!“

  1. Hi, hattest Du einen speziellen Trainingsplan oder hast Du Dir den selbst zusammengestellt? Und bei den Doppeleinheiten, wie hattest Du das aufgeteilt? Morgens und Abends oder nur eine kürzere Pause 1-2h dazwischen? Ich will in diesem Jahr auch mal die längere Distanz angehen und suche gerade noch nach Trainingsanregungen. Danke, Daniel

  2. Hallo Daniel,

    Doppeleinheiten: Am Morgen und am Nachmittag (mindestens 4h Pause dazwischen). War immer eine lässige Sache. Wobei du natürlich 2 x 30 Kilometer nicht mit einem 60er vergleichen kannst. Aber die Doppeleinheiten sind schon ein cooles Training.
    Bis zum 6h-Lauf kannst du nach einem Marathonplan trainieren und die langen Einheiten eventuell verlängern. Für einen 100er findest du Pläne von Steffny und co. in diversen Büchern oder im Netz.
    lg Mario

  3. Hi Mario, danke für den Tipp. So habe ich das jetzt auch gestaltet. Den klassischen Vorfrühstückslauf mit einem Abendlauf kombiniert. Aber das frisst unglaublich viel Zeit. Man kommt ja zu nix mehr im Leben. Beste Grüße, Daniel

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