Variatio delectat. Oder: Wie man durch Abwechslung seine Motivation steigert

Liebe Leser!

Ich glaube ich weiß, was ihr denkt: “Ja genau Liesl, ausgerechnet du willst uns etwas über Abwechslung im Training erzählen. Dabei rennst du ja selber immer nur jeden Tag das Gleiche.” Okay, Punkt für euch. Ich mag halt die Monotonie… aber genau das ist ein Fehler, wie jeder der sich ein wenig mit Trainingslehre und den Anpassungsmechanismen des Körpers an Trainingsreize befasst, natürlich längst begriffen hat.

Kein Profi würde jeden Tag genau (oder fast genau) das Gleiche trainieren. Denn das hat zur Folge, dass man sich 1. irgendwann nicht mehr verbessert (so geht’s mir zum Beispiel), 2. auf ewig in der Wohlfühlzone verbleibt, wo man eben genau so viel Umfang und Intensität trainiert, dass man verletzungsfrei bleibt, aber sich eben (siehe Punkt 1) auch nicht weiter entwickelt, 3. dass es einem fad wird (das Problem hab ich jedenfalls nicht! 😉 – 4. dass man ins Übertraining gerät, wenn man jeden Tag immer ein bisschen zu viel macht, und sich nie einen Erholungstag gönnt, 5. dass alle einen für crazy halten. Okay, ich hole mir meine Abwechslung, indem ich jeden Tag irgendwo anders rumrenne, nur damit ihr wisst!

Aber jetzt mal im Ernst: Wie ihr sicher alle wisst, sollte man erst einen Trainingsreiz setzen, sei es jetzt beim Ausdauer- oder beim Krafttraining. Beim Ausdauertraining kann man z.B. einen Reiz im aeroben Bereich setzen, indem man eine längere Strecke (gemeint ist: länger als man gewohnt ist) in bewusst gemütlicher Pace läuft. Danach sollte zumindest ein lockerer oder ein Pausentag folgen. Dann sollte man natürlich auch zeitweise im anaeroben Bereich trainieren, um die Laktattoleranz zu steigern, wie es so schön heißt. Gemeint ist: es gibt bei jeder Person eine Schwelle, wo das durch die Belastung anfallende Laktat nicht mehr abgeatmet werden kann. In diesem Bereich kann man trotzdem noch ein paar Minuten weiter laufen (Mittelstrecke!), aber einen Marathon wird man in diesem Trainingsbereich (Pace) nicht durchhalten. Durch gezieltes Training knapp unter oder oberhalb der Laktatschwelle (“Schwellentraining”) kann man, so heißt es, die Laktatschwelle nach oben verschieben. So kann ein Profi einen Marathon in einer Pace rennen, in der ich z.B. nicht mal 800 Meter schaffe.

Um aber dem Körper auch Zeit zur Anpassung auf den Trainingsreiz zu geben, sind gezielte Pausentage oder lockere Einheiten, bzw. auch das längerfristige Periodisieren von Trainingsplänen je nach Wettkampf, auf den man sich gerade vorbereitet, wichtig.

Nun komme ich aber zu einem Punkt, der v.a. für Hobbysportler ziemlich wichtig ist, und zwar vor allem für diejenigen die mit Motivationsproblemen zu kämpfen haben: Variatio delectat. Motivation durch Abwechslung im Training. Vielen geht es gerade 180 Grad anders als mir – sie wollen eben nicht jeden Tag das Gleiche machen, sondern ihnen vergeht nach dem dritten 10 Kilometer Dauerlauf in Folge einfach die Lust. Laut Sportpsychologen hat man herausgefunden (wie ich diverser Literatur für Laien / Hobbysportler zu diesem Thema entnommen habe), dass Menschen mehr Motivation in Sachen Training aufbringen, wenn man gezielt Abwechslung schafft. Zum Beispiel Intervalle, Fahrtspiel (Hügel-Läufe z.B.), Laufen auf dem Laufband, Crosstraining, Laufen mit Musik, Laufen mit Hörbuch, in der Gruppe laufen, dann wieder alleine. Zu verschiedenen Tageszeiten laufen. Auf unterschiedlichem Terrain laufen oder neue Laufstrecken erschließen. Im Regen oder bei Schneefall laufen, gaaanz langsam laufen, so schnell laufen dass die Oberschenkel richtig brennen,… es gibt unendlich viele Methoden, das Training abwechslungsreich zu gestalten. Und wer sollte sich daran ganz besonders ein Beispiel nehmen? Ganz klar: ich selber!

Ob meine Motivation dadurch auch steigt, das wage ich allerdings zu bezweifeln.

Eure Liesl

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.