VCM 2001: Start erstmals vor UNO-CITY – Brückenbild als neues Markenzeichen

Text und Foto: Olaf Brockmann

Vienna City Marathon vor 20 Jahren: Die neue, spektakuläre Strecke war das große Thema rund um das Rennen am 20. Mai 2001. Bereits im September 2000 wurde in einer groß aufgezogenen Pressekonferenz der „Marathon im neuen Gewand“ offiziell präsentiert. Der Start bei der 18. Auflage des VCM wurde von Schönbrunn erstmals vor die UNO-City verlegt. Von dort ging das Rennen gleich über die „Reichsbrücke“ – und liefert seitdem Jahr für Jahr die imposanten Startbilder. Das Bild von den Läufermassen auf der Reichsbrücke mit der UNO-City und der Skyline jenseits der Donau im Hintergrund ging damals um die Welt und ist mittlerweile das Symbolbild des Vienna City Marathons. Es ist zum Markenzeichen des Wiener Laufklassikers geworden.

Die Medien nahmen den neuen Streckenverlauf begeistert auf, alle Zeitungen brachten den Marathon auf die Titelseiten, so auch die „Kronen Zeitung“. Ich weiß noch, wie angetan unser Herausgeber Hand Dichand von diesem Brückenbild war. Er sagte sinngemäß: “Damit machen wir heute die komplette Seite 1. Nichts anderes kommt auf die Titelseite!” So entstand ein großartiger Aufmacher. Zudem forderte Hans Dichand sieben Seiten Berichterstattung im Blattinneren. Der Marathon war das ganz große Thema. In ganz Österreich.

Ein Hauch von New York

“Ein Hauch von New York”, titelte ich eine unserer vielen Stories in dieser Ausgabe, „ein Foto, das an die schon legendären Bilder mit der Verrazano-Bridge vom New York-Marathon erinnert. Die neue Marathon-Strecke hat sich auf Anhieb voll bewährt.“ Veranstalter Wolfgang Konrad jubelte zu Recht, er fand den neuen Startbereich vor der UNO-City „genial“. Denn zuletzt war der Startbereich vor dem Schloss Schönbrunn für die Massen schon zu eng geworden. Jetzt aber gingen die rund 18.000 Läufer problemlos ins Rennen. Wolfgang Konrad orakelte, dass eines Tages die Strecke auch 30.000 bis 35.000 Läufer verkraften könnte. Wie wahr…

„Wien als großer Gewinner des Marathons“, berichtete auch Tom Klinger auf einer Doppelseite im „Krone“-Lokalteil, er schrieb von der „grandiosen Kulisse der Donaumetropole“, zog ebenfalls den Vergleich zu den Brückenbildern des New York-Marathons. Zudem hatte Wien an diesem 20. Mai mit dem Wetter Glück. Strahlender Sonnenschein, klarer blauer Himmel zauberten schönste Bilder hervor – nicht nur am Start, sondern auch vor dem Riesenrad, auf der Ringstraße oder beim Ziel vor dem Rathaus.

Hobby- und Spitzenläufer zeigten sich begeistert. Wie der Portugiese Luis Novo, der das Premieren-Rennen auf der neuen Strecke in 2:10:28 gewann, er schwärmte über die Strecke: „Eine der schönsten Marathons der Welt!“ Unter den 11.138 Marathon-Teilnehmern hatte er sich ausgangs des Praters vom Favoriten Abraham Limo abgesetzt. Danach sei es für ihn „ein einmaliges, wunderschönes Solo“ gewesen. Auch Frauen-Siegerin Jane Salumae aus Estland (2:29:47) lobte den VCM in den höchsten Tönen: „Ich kenne keine schönere Strecke auf der Welt!“

Buchleitner verpasst Rekord

Aus heimischer Sicht drehte sich einmal mehr alles um eine mögliche Verbesserung des österreichischen Marathon-Rekordes. Mittlerweile bestand die Bestmarke von Gerhard Hartmann (2:12:22) schon 15 Jahre. 2001 traute man Michael Buchleitner zu, dass er diese Bestzeit knacken könnte. Er selbst hielt für sich eine Zeit von 2:11 Stunden für möglich. Seine Vorbereitung, schrieben die Zeitungen vor 20 Jahren, sei ideal gewesen, als Tempomacher hatte Buchleitner seinen Freund Carsten Eich gewonnen. Aber auch Buchleitner sollte sich am Hartmann-Rekord die Zähne ausbeißen. „Heute war leider nicht mein Tag“, bekannte er, nachdem er in 2:12:57 Stunden die Bestmarke verpasst hatte, „ich war nur froh, dass alles vorbei war!“ Er erzählte später: „Ich kam nicht gut ins Rennen, es lief nicht optimal, bei Kilometer 18 dachte ich schon, dass ich nicht durchkomme. Am Ende hat es mich fast aus den Socken gehaut!“

Stadlober als “Marathon-Held”

Bekanntlich schreibt der Vienna City Marathon Jahr für Jahr unendlich viele Geschichten – wobei vor 20 Jahren gerade das Ehepaar Stadlober auch im Mittelpunkt stand. Roswitha Stadlober, ehemalige Weltcup-Slalomsiegerin, verbesserte ihre eigene Marathonbestzeit um knapp eine Minute auf 3:03:26. „Für eine Skiläuferin gar nicht so schlecht“, kommentierte sie. Ihr Mann Alois Stadlober, einst Skilanglauf-Weltmeister, war für „Krone“-Kolumnistin Conny Bischofberger „der Held des Wien-Marathons“. Er hatte während des Rennens – mit einem Knopf im Ohr für eine Live-Reportage verkabelt – den TV-Zuschauern eindrucksvoll seine Anstrengungen geschildert, berichtete von Krämpfen und Magenweh: „Das begann bei Kilometer 37. Da spürte ich ein leichtes Ziehen im rechten Bein, hinten am Oberschenkel.“ Stadlober, der „fast einen Liter Power-Geld getrunken hatte“, musste sich sogar übergeben. „Mir ist die Flüssigkeit aufgestoßen, ich hatte Schmerzen, das war ein Wahnsinn.“ So stellte Conny Bischofberger in ihrem doppelseitigen Interview auch prompt die Frage: „Macht Laufen wirklich glücklich?“ Stadlober: „Ja, für mich ist Laufen untrennbar mit einem glücklichen Leben verbunden.“

Franz König: Mit 75 der Älteste

Wie für Tausende von Hobbyläufern, unter denen ich immer Franz König ganz besonders geschätzt habe! Auch 2001 war er wieder am Start, mit damals 75 Jahren war er einmal mehr ältester Teilnehmer des VCM. Zweimal wöchentlich lief er damals noch 10 bis 15 km, machte regelmäßig Gymnastik. 2001 bestritt er seinen 21. Marathon. „Der Marathon ist einfach ein wunderbares, tolles Erlebnis. Wenn ich wirklich einmal nicht weiterlaufen kann, gehe ich halt ein paar Schritte.“ Unterwegs, etwa 7 km vor dem Ziel, erzählte er vor dem Rennen 2001, warte sein Schwager mit einem kalten, bitteren Bier auf ihn. „Dann nehme ich einen Schluck und es geht schon weiter! Nur Durchkommen will ich.“ Das gelang ihm auch vor 20 Jahren. Da kam er als 8670. in 4:56:59 Stunden ins Ziel. Und hatte wieder eine Medaille mehr in seiner großen Trophäensammlung. Franz König war immer ein Vorbild für die laufende Jugend!

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