Verletzungsmuster – Zusammenfassung einer wissenschaftlichen Arbeit.

Liebe Leser!

Zum Thema „Verletzungsmuster bei Läufern“ habe ich bereits zuvor einige Male geschrieben. Hier möchte ich nun eine wissenschaftliche Arbeit für euch zusammenfassen, die ebenfalls auf dieses Thema eingeht: Gallo et al. – Common Leg Injuries of Long-Distance Runners; Sports Health 2012. Zugegeben, eine schon etwas ältere Arbeit.

In der Einleitung heißt es: „Langstreckenlauf – länger als 3000 Meter – wird oftmals im Rahmen eines gesunden Lebensstils empfohlen. Jedoch hat sich in einer Untersuchung an Hobbyläufern gezeigt, dass 37% – 56% derjenigen Läufer, die regelmäßig trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen, an periodisch auftretenden Verletzungen leiden. Bereits bei Jugendlichen (13 bis 18 Jahre) gaben 68% der Mädchen und 59% der Buben zumindest eine Verletzung in ihrer bisherigen Läufer-Karriere an. Je mehr Kilometer pro Woche gelaufen wurden, und je schneller diese absolviert wurden, umso häufiger kam es zu Verletzungen. Das ist nicht weiter verwunderlich! Wie wir alle wissen, treibt es beinahe jeder ambitionierte Hobbyläufer früher oder später so weit, dass er eine Verletzung erleidet, oder zumindest (in meinem Fall) ein Wehwehchen, z.B. eine Sehnenentzündung, die sich über Wochen hinzieht und schmerzfreies Laufen für eine Zeit lang unmöglich macht. Ich würde sagen, das fällt unter das „Ausloten der eigenen Grenzen“. Sprich, wie viele Kilometer pro Woche vertrage ich? Wie schnell kann ich diese absolvieren?

In meinem Fall habe ich in all den Jahren jedenfalls beobachtet, dass ich viel mehr Kilometer laufen kann, wenn ich diese in seinem sehr gemütlichen Tempo absolviere. Sobald ich den 5er Schnitt pro Kilometer unterschreite, würde ich schätzen, dass 100 Kilometer die Woche die absolute Obergrenze sind, um langfristig verletzungsfrei zu bleiben. Weiters macht es bei mir einen großen Unterschied, ob ich 1. arbeite (im Urlaub gehen sich viel mehr Kilometer aus), 2. regelmäßig dehne (auch dies beugt jedenfalls Verletzungen vor) und 3. Stabi-Training mache (ebenfalls gut gegen Wehwehchen). Ich weiß, 100 Kilometer und ein 5er Schnitt ist eh nicht viel bzw. nicht schnell. Da ich aber relativ etwas zu wenig Schlaf bekomme (etwa 7 Stunden pro Nacht im Schnitt, wobei es am Wochenende mehr und unter der Woche oft deutlich weniger ist), bin ich hiermit leider schon an der Grenze.

Kommen wir aber zu den Verletzungsmustern: In der oben zitierten Publikation heißt es, die meisten Verletzungen würden das Knie betreffen (7,2-50% je nach Datenlage); gefolgt vom Unterschenkel (9-32,2%), Fuß (5,7-39,3%) und Oberschenkel (3,4-38,1%). Bei dem Symptom „Beinschmerzen bei Läufern“ gibt es ein großes Spektrum an Differentialdiagnosen: einerseits kann der Knochen betroffen sein (mediales Tibia-Stresssyndrom; Stressfrakturen), andererseits die Sehnen und/oder Muskeln (Sehnenentzündungen, Muskelzerrungen). Weiters können die Gefäße in den Beinen betroffen sein („Kompartmentsyndrom“ durch Überlastung, Thrombosen, Schmerzen durch Minderperfusion bei starker Belastung), oder es können neurologisch bedingte Schmerzen (Nerveneinklemmung, Nervenwurzel-Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule), oder Schmerzen durch Infektionen auftreten. In einer Studie an über 2000 Läufern waren die häufigsten Verletzungsmuster an den unteren Extremitäten das mediale Tibia-Stresssyndrom, eine Achilles-Tendinopathie, Tibia-Stressfrakturen oder Sehnenreizungen im Bereich der Wadenmuskulatur.

Erstaunlicherweise wurde in einer rezenten Übersichtsarbeit gezeigt (wo mehrere Studien zu diesem Thema zusammengefasst wurden), dass Dehnen oder Stabis für die Prävention von Verletzungen wenig bis gar nichts bringt. Jedoch wurden Kniebandagen und speziell angepasste Schuheinlagen als sinnvoll beurteilt. Es heißt hier zusammenfassend, dass die Ursache für die meisten Verletzungen an anatomischen Gegebenheiten liegen (X- oder O-Stellung der Knie; Fehlrotation der Hüfte etc.), und dass Maßnahmen wie Dehnen, Massage oder sonstige Interventionen kaum etwas bringen würden.

Hier muss man allerdings beachten, dass durchwegs Hobbyläufer untersucht wurden.

Ich denke, für Elite- bzw. Leistungssportler trifft das sicherlich nicht zu. Es muss doch einen Grund geben, warum Profis fast täglich dehnen, mehrmals wöchentlich Athletik-Training in den Trainingsplan einbauen und regelmäßig den Physio aufsuchen.

Auch denke ich, dass bei ambitionierten Hobbyläufern oft das zu rasche Steigern des Trainingsumfangs oder eben die „Nebenbelastung“ durch Beruf und sonstige private Angelegenheiten zu Verletzungen beitragen. Man hat eben neben einem Vollzeitjob nicht so wahnsinnig viel Zeit für Regeneration oder Ausgleichstraining. In der Zeit, welche man sich zum Trainieren freischaufelt, will man eben laufen – und zwar schnell und möglichst weit! Zusätzlich Zeit fürs Fitnessstudio, Dehnen oder gar Massage zu erübrigen, das bleibt für die meisten ein seltener Luxus.

Welche Erfahrungen habt ihr diesbezüglich gemacht?

Eure Liesl

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.