Viele Wettkämpfe, weniger Teilnehmer: “Die Leute haben sich umorientiert”

Von Mario Friedl

In der harten Lockdownphase war an Laufveranstaltungen nicht zu denken. Doch jetzt, wo diese wieder möglich sind, kämpfen Veranstalter mit geringen Teilnehmerzahlen. Aber warum ist das so?

„Wir werden mit einem richtig blauen Auge davonkommen, kostendeckend ist das nicht mehr“, sagt Franz Sperrer, Organisator des Wolfgangseelaufs, im Interview mit dem Fernsehsender LT1. Am Ende waren es 55 % weniger Teilnehmer als 2019. Das ist eine Tatsache, die sich in der Post-Corona-Zeit – was den Laufsport betrifft – in den meisten Fällen bestätigt. Viele Veranstalter kämpfen mit geringen Teilnehmerzahlen. Warum ist das so? Als 2020 kaum Wettkämpfe für Hobbyläufer stattfanden, waren die (meisten) Athleten traurig und sehnten sich danach, teilweise las man richtig frustrierte Posts im Internet. „Aufgrund der kurzen Planungsphase, die wir dieses Jahr hatten, waren wir sogar mit der Teilnehmerzahl zufrieden“, sagt Markus Sob, der mit der Union Suben den Lindetwaldlauf veranstaltet. „Viele haben sich aber umorientiert, fahren mehr mit dem Rad oder gehen wandern. Der Wettkampf steht nicht mehr so im Vordergrund“, so der Innviertler weiter. Ähnlich sieht es auch Wolfgang Zweimüller, Leichtathletiktrainer aus Ried im Innkreis: „Etliche haben die Berge und das Berglaufen für sich entdeckt, andere hingegen, sind vielleicht doch noch skeptisch und fürchten vielleicht eine Ansteckung mit dem Coronavirus.“

„Corona-Ängste“ und 3-G-Regel als Hürden?

„Wir hatten mit 396 Teilnehmern im Jahr 2019, also vor Corona, einen absoluten Teilnehmerrekord erzielt. Heuer hatten wir bei annähernd gleichschönem sonnigen Wetter 259 Starter, das sind 34,6%, also rund ein Drittel weniger“, sagt Michael Retzinger, Obmann des Athletik Club Frauenstein. Der Verein veranstaltet im Oktober den Schlösser-Lauf in Mining. Die Wettkampfläufer seien noch immer da, es fehlt die breite Masse von Hobbyläufern und Walkern, so Retzinger, für den die Gründe klar auf der Hand liegen: „Die Hobbyläufer konnten sich aufgrund von „Corona-Ängsten“ beziehungsweise der 3-G-Regel-Hürde nicht zur Teilnahme überwinden.“ Eine weitere Vermutung kommt von Hobbyläufer Markus Noormann aus Norden (Deutschland). Noormann glaubt, dass es aktuell ein Übernagebot an Läufen gebe: „Im Herbst sind so viele Veranstaltungen, jetzt teilt sich das Ganze einfach auf.“ Es wird auf jeden Fall spannend, wie sich das Ganze 2022 entwickelt. Das sieht auch Fritz Steinparz so: „Auch die Läuferszene wurde durch die Pandemie gespalten. Es ist fraglich, ob diese Gräben wieder geschlossen werden können! Die 3-G-Regel wollen ebenfalls viele nicht in Kauf nehmen. Sehr viele Läufe wurden auch abgesagt – Hauptgründe dafür: Die Auflagen und Rentabilität“, so der Leichtathletik-Insider, dem vor allem die Meisterschaften Sorgen machen: „Die Meisterschaften werden kaum angenommen. Bei den oberösterreichischen Landesmeisterschaften über 10.000 m war nur eine Frau am Start. Aber jetzt heißt es abwarten und Ruhe bewahren.“ Kommen die Hobbyläufer wieder zurück? Für die vielen Vereine, die von diesen Veranstaltungen leben, wollen wir es hoffen.

Umfrage (Instagram):

Sind sie nach der Coronapause schon wieder im Wettkampf-Modus?

JA: 77 % – NEIN: 23%

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