Teil 125 (KW 48/2020): Viktor Röthlin

Foto: ©Viktor Röthlin

Viktor Röthlin ist ein ehemaliger Schweizer Marathonläufer. Der heute 46-Jährige wurde 2010 Europameister und lief zwei Jahre zuvor einen neuen Schweizer Marathon-Rekord (02:07:23 Stunden). Im Helden-Interview #125 spricht Röthlin über sein Leben als Leistungssportler und auch darüber, was er heute so macht.

Helden des Laufsports: Wann und warum hast du mit dem Laufen begonnen?

Schon als kleiner Junge wollte ich ständig Wettrennen ums Elternhaus machen. Im Primarschulalter (Sechs Jahre) machte ich jeweils beim Obwaldner Schüllercrosslauf mit. Als 12-Jähriger gewann ich diesen und trat dann anschließend in den Leichtathletikverein ein. Irgendwie war das Laufen seit klein etwas wunderbares für mich. Bei dem ich wirklich ganz ich selber sein konnte.

2010 wurdest du in Barcelona Europameister, war das dein persönlich größter Erfolg?

Nein, persönlich würde ich diesen Sieg nicht zuoberst hinstellen. Die WM-Bronzemedaille 2007 in Osaka, der Sieg beim Tokio Marathon und der sechste Rang beim Olympiamarathon in Beijing 2008 waren meine Top-drei-Rennen. Müsste ich mich für ein Rennen entscheiden, dann wäre dies der Olympiamarathon bei welchem ich als Erster nicht in Afrika geborene Läufer ins Ziel lief. Diese Leistung erfuhr auch international die größte Anerkennung. In der Schweiz war eher Ernüchterung das Thema, nach WM-Bronze 2007, haben viele eine Olympiamedaille von mir erwartet.

Welche Erfolge konntest du noch feiern?

Über alle Altersstufen konnte ich schöne Erfolge feiern. Aber ein weiteres Highlight war sicherlich die erste internationale Medaille an der EM in Göteborg 2006. Hinter dem amtierenden Olympiasieger Stefano Baldini, lief ich sensationell zur Silbermedaille und prägte das Rennen vom Anfang bis zum Schluss. Und zum Abschluss meiner Karriere dufte ich bei der Heim-EM als Fünfter ins Ziel laufen. Dank einer genialen Teamleistung gewannen wir in der Teamwertung sogar die Bronze-Medaille. Diese komplementierte meinen gesamten Medaillensatz an Europameisterschaften und viel wichtiger, mit diesem Teamerfolg stieß ich eine starke Generation von Langstreckenläufern in der Schweiz an. Zwei Jahre später, liefen diese dann sogar zu EM-Gold bei der Halbmarathon-EM in Amsterdam!

Wie sah bei dir damals eine intensive Trainingswoche aus?

In einer intensiven Trainingswoche lief ich bis zu 230 Kilometer, verteilt über 13 Trainingseinheiten und kam dabei mit Krafttraining usw. auf 25 Trainingsstunden. Die Schlüsseltrainings bildeten die langen Intervalle, das Kenyan Fartlek und der Lonrun. Diesen lief ich jeweils als Crescendo, also immer schneller werdend, am Schluss sogar deutlich unter der Marathonpace. Meine ganze Trainingsphilosophie stelle ich übrigens seit zehn Jahren den vielen Hobbyläufern via www.runningcoach.me zur Verfügung.

Hattest du schon mal mit schwereren Verletzungen zu kämpfen?

Mit 20 Jahren brach ich mir den Fuss, mit 30 Jahren das Becken und mit 35 Jahren erlitt ich zwei Lungenembolien, welche aufgrund eines Gendefektes entstanden waren. Also ja, es lief nicht alles immer Richtung Himmel. Aber man lernt auch sehr viel aus den schwierigen Momenten.

Du hast deine Karriere 2014 beendet, bist du dem Laufen beruflich treu geblieben?

Ja, denn bereits 2008 habe ich meine eigene kleine Firma www.vikmotion.ch gegründet. Zusammen mit zwei Mitarbeitern bieten wir Laufreisen und Workshops an und organisieren verschiedene Ausdauersportevent. Unter anderem den SWITZERLAND MARAHTON light mit einer 5-km, 10-km und Halbmarathonstrecke. Alle Infos dazu findet man unter www.marathon.ch. Weiter arbeite ich als Running Experte beim größten Schweizer-Sportretailer www.ochsnersport.ch und bin dort verantwortlich für die gesamte Runningkompetenz. Dabei habe ich in all den 83 Filialen eine dynamische Fuss- und Laufanalyse eingeführt. Sowie 14 RunningLabs by Viktor Röthlin mit Kraftmessplatte schweizweit eröffnet.

Wie viel läufst du heute noch?

Ich laufe je nach Zeitbudget zwei bis vier Mal pro Woche und messe dabei zwar immer noch die Distanz, aber die Geschwindigkeit ist mir ziemlich egal. Habe ich mehr Zeit, gehe ich aber lieber aufs Mountainbike oder im Winter auf die Langlaufskis. Und zweimal die Woche reite ich noch mit meinem Pferd Osaka (war ein Geschenk nach der WM 2007) aus.

Welchen Stellenwert hat der Laufsport in der Schweiz?

Der Laufsport ist weiterhin am Boomen und die ganze Covid-Pandemie hat denn Leuten nochmal mehr aufgezeigt, wie wichtig Bewegung für ein gesundes und ausgeglichenes Leben ist.

Welche Hobbys, außer dem Laufsport, hast du noch?

Wie schon gesagt, reite ich. Mit zwei Kids (Luna und Ben) bleibt ansonsten aber nicht mehr viel Zeit für anderes. Aber ich bin völlig happy mit meinem jetzigen Leben.

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