Von Pseudo-Sportarten (wie z.B. Nordic Walking)

Liebe Leser,

Ihr werdet euch denken, oje, erst kürzlich hat die Liesl einen Beitrag dazu geschrieben, dass man im Sport nicht auf andere herab schauen soll. Und jetzt so ein Artikel!

Ja, ich gebe zu, ich kann auch zickig sein. Aber nicht gegen andere Läufer, das ist ja dieselbe Spezies von Sportlern, zu der ich mich zugehörig fühle. Weiters kann ich nur betonen, dass ich vor allen Disziplinen im Sport großen Respekt habe, wo die körperliche Leistung im Vordergrund steht. Sei es nun Triathlon, Schwimmen, Kugelstoßen, Hammerwurf, Turnen,… an alle die ihr Bestes geben, sei es im Breitensport oder bei den Olympischen Spielen – ich ziehe meinen Hut vor euch!

Allerdings habe ich auch eine eigene Meinung zu ganz bestimmten Sportarten, wo die Leistung als solche in den Hintergrund gerückt ist. Hier meine extrem subjektive Liste derjenigen Sportarten, die ich… hm… nicht so toll finde:

  1. Die Gruppe der „einfach-nur-gefährlich-Sportarten“.

Für die Disziplinen die ich hier meine braucht man sicherlich ziemlich viel Grundkondition, Geschicklichkeit, Kraft, Koordination, Körperspannung etc. Aber: Der Reiz daran ist hauptsächlich die Gefahr. Wingsuiten z.B. (Ultra-Proximity Flying). Leute stürzen sich mit dem Wingsuit einen Felsen mit einem ganz bestimmten Gefälle hinab, sausen mit ca. 300 km/h talwärts und ziehen im Tal im letzten Moment die Reißleine des Fallschirms. Hm. Geht mal auf Youtube auf die Suche: zahlreiche „in-memoriam-of …“ Videos sagen eh schon alles.

Außerdem: Motorsport. Würde das noch irgendwen interessieren wenn es nicht immer wieder Crashs geben würde mit zum Teil schweren körperlichen Verletzungen der „Athleten“? Außerdem geht es irgendwie auch darum, wer den besseren Mechaniker hat. Da tritt die körperliche Leistung ziemlich in den Hintergrund… Und: ebenfalls in dieser Gruppe: mit-Haien-Tauchen und Free-Solo-Climbing (=hochalpines Klettern ohne Seil und ganz alleine).

  • Die Gruppe der „es-ist-nicht-anstrengend-aber-das-Equipment-ist-teuer-Sportarten“.

Hier fällt mir als erstes ein: Golf! Nein, nicht Profi-Golf. Ich hab‘ mir sagen lassen, dass Profi-Golfer doch ziemlich ausdauernd und körperlich topfit sind. (Wobei ich immer noch der Annahme bin, dass sich die Leistungsdiagnostik-Untersuchungen von Tiger Woods und Jan Frodeno erheblich unterscheiden.) Aber ich kann mich täuschen. Ich meine Golf als „Reichen-Sport“ bzw. eigentlich „Spiel“. Die Ausrüstung kostet Unsummen, aber zumindest sieht man aus wie dem britischen Adel zugehörig. Oder Nordic Walking. Ausrüstung: viel weniger kostspielig als beim Golfen, aber ganz ehrlich: eigentlich brauche ich fürs Spazierengehen kein eigenes Gewand, zumindest bis das Nordic Walking aufkam brauchte das niemand. Und Stöcke: hoffentlich brauche ich die erst wenn ich in Pension bin, am besten so spät wie möglich. Aber jetzt gehen sie alle  freiwillig mit Stöcken, das soll einer verstehen! Bei Yoga ist es dasselbe: warum brauche ich eigene Yoga-Pants? Die indischen Yogis haben auch nur so ein weißes Tuch um die Hüften und einen Turban – wäre viel billiger, aber leider nicht so kleidsam. Und last-but-not-least: E-Bike fahren! Ja ich weiß, die Omi würde sonst wahrscheinlich gar nicht mehr Radfahren, dann doch lieber E-Bike. Allerdings legen sich immer mehr Leute unter 50 ein E-Bike zu… ich versteh‘ das einfach nicht. Sorry.

  • Die Gruppe der „es-geht-eigentlich-um’s-Aussehen-Sportarten“ (= Bodybuilding).

Ja, ich meine die Bodybuilder. Ich weiß, die trainieren extrem viel, und sind auch auf ihre Weise fit. Vielleicht irre ich mich ja, aber bei diesen Bodybuilding Wettbewerben hab‘ ich dennoch den Eindruck, es geht hauptsächlich ums Aussehen. Sollen sie auf der Bühne doch Kreuzheben oder Bankdrücken vorführen. Ich finde: wer am meisten Gewicht schafft, hat gewonnen. Nicht wer am meisten Diuretika genommen, und am wenigsten Kohlenhydrate gegessen hat. Noch unverständlicher in meinen Augen: warum Frauen Muskelberge aufbauen, um bei ebensolchen Bewerben mitzumachen. Für mich sehen männliche und weibliche Bodybuilder (diejenigen, die es an die Spitze treiben) einfach nur unnatürlich aus.

Und am Rande: Hobby-Beachvolleyball. (Nicht Beachvolleyball als Leistungssport!) Sondern Teenager-Beachvolleyball. D.h. die neue Badekleidung und die Solariumbräune, sowie den eigenen Top-Body zur Schau stellen. Zwei Ballkontakte pro 30 Minuten, das reicht. Es geht um den Beach-Body, wer es noch nicht verstanden hat. Flirten, Posen. Das Spiel ist eh Nebensache.

  • Die Gruppe der „es-sollte-eigentlich-nicht-als-Sportart-bezeichnet-werden-Sportarten“.

Überschneidung mit Gruppe 2: Golf, Nordic Walking, E-Biken. Weiters: Dartspielen, Billard und …Schach. Ja, Schach ist kein Sport, laut Liesl. Ihr dürft mich gerne zitieren. Achja, und Eisstock-„Sport“. Tut mir Leid, aber was man mit 150 kg und im Glühweinrausch mit zwei Promille abliefert, zählt für mich nicht als Sport.

  • Die Gruppe der „ultra-kurzlebigen-Trendsportarten“.

Piloxing, Yogilates, Pilates (das ist schon wieder „out“), Zumba, Flexibar. Und diese vibrierende Platte auf die man sich stellt, damit man „in zehn Minuten so viele Kalorien verbrennt wie bei zwei Std. schweißtreibendem Training.“ Ja genau. Bestimmt trainieren alle Ironman Finisher mit so einer Power Plate.

Okay, genug gesudert. (Liesl, du bist ja nur neidisch, weil die Yogis sich nicht ständig so sehr anstrengen müssen, dabei trotzdem als Sportler gelten, und darüber hinaus noch stylisher angezogen sind – und obendrein spiritueller.) Hm ja. Mag sein.

Was ist eure Meinung zum Thema „Pseudo-Sportarten“?

Eure Liesl