Von Straßenläufern und Straßen-Läufern

Liebe Leser,

Ich bin ein Straßen-Läufer. Nein, ich mach‘ eh auch Berglauf und so. Und ich bin eh am liebsten in der Natur. Geht halt irgendwie schwer wenn man in der Stadt wohnt. Und nein, ich bin nicht der Typ der eine ewige Anfahrtszeit (vielleicht gar mit dem Auto – wie umweltfreundlich!) – in Kauf nimmt, um dann eine besonders epische und malerische Laufstrecke unsicher zu machen. Also lauf‘ ich zur Not… öhm… eigentlich überall. Graz, Glacisstraße im Frühverkehr z.B. Ich glaub‘, fünf Minuten dort entlang zu laufen entspricht circa fünf Tschiks. Egal. Oder diese fiesen „Schleichwege“, wo es nicht einmal einen Gehsteig gibt. 30er Zone angeblich. Im Frühverkehr der reinste Dschungel. Der Schleichweg wird zur Kampfzone der ich-muss-schnell-zur-Arbeit-Bevölkerung. Vollstes Verständnis, ich muss dann nach dem Training auch schnell zur Arbeit (aber mit dem Rad! Da kann ich wenigstens selbst bestimmen ob ich zu spät komme). Vor vielen Jahren als ich noch im Studium war, hat mich mal so ein zur-Arbeit-fahrender Typ im fetten BMW, Marke übergewichtiger Manager mit Bluthochdruck, fast überfahren. Zugegeben, ich war auch irgendwie mit schuld, weil ich die Straße etwas zu zackig und ohne Vorwarnung überquert habe. Jedenfalls hab ich mir nachher gedacht, dass es doch irgendwie knapp war und ich verdammt noch mal beim nächsten Mal besser aufpassen muss. Womit ich aber nicht gerechnet habe, war die Tatsache dass der verrückte Manager mich allen Ernstes mit seinem BMW in eine Seitenstraße verfolgt hat, wutentbrannt das Fenster runtergekurbelt und gebrüllt hat: „Ich zeig‘ Sie an!“, Ernsthaft? Nachdem er mich fast umgefahren hat? Jedenfalls hat mein damals 21-jähriges Ich einen riesen Schreck gekriegt und ist in eine noch engere Seitenstraße davon gesprintet vor lauter Angst dass ich Ärger mit der Polizei kriege. Ist mega-gefährlich der Straßenlauf, vor allem juridisch nicht unbedenklich wie man an diesem Beispiel sieht. Mein Freund ist da zum Glück anders geartet, er läuft ausschließlich unter malerischen Kulissen, je grüner und unbefleckter die Landschaft umso besser. Er vermeidet Asphalt so gut es geht, am liebsten läuft er auf gatschigen Waldwegen. Wo zumindest keine BMWs fahren, so viel steht fest. Daher mein Tipp: Vor 06:00 Uhr kann man noch fast überall in der Stadt die Straßen unsicher machen, danach sollte man den Geh- und Radweg aber möglichst erreicht haben. Oder die sichere Tartan-Bahn.

Denkt daran: Safety first.

Eure Liesl