Leichtathletik: Von Wertschätzung keine Spur!

Von Mario Friedl

Man stelle sich vor, die Nummer 1 der Tenniswelt, Novak Djokovic, kassiert keine großen Preisgelder und muss sich die Anreise zu einem Turnier selbst finanzieren. Oder noch ein anderes Beispiel: Die Spieler des FC Bayern München reisen mit dem Zug zu einem Bundesligaspiel nach Bremen und bezahlen sich die Tickets und die Übernachtung im Hotel selbst. Und damit die Profisportler noch am Spiel teilnehmen können, müssen sie auch noch Platzmiete bezahlen. Warum diese fiktiven Vorstellungen? Weil das bei Spitzen-Leichtathleten sehr oft der Normalfall ist. Als heutiges Beispiel nehmen wir den Österreicher Andreas Vojta, Olympiateilnehmer von London 2012.

Andreas Vojta startete im schweizerischen Uster über die 10.000 Meter und siegt dort mit einer Zeit von 28:30,28 Minuten. Mit dieser Zeit führte er auch kurzzeitig die Weltjahresbestenliste an (aktuell Platz 3)! Natürlich ist das nur in Zeiten von Corona möglich, da dieses Jahr noch fast keine offiziellen 10.000-Meter-Rennen stattgefunden haben. Das heißt eben auch, dass die Afrikaner noch nicht wirklich am Start waren. Aber trotzdem: Andreas Vojta läuft in der Schweiz, in einem stark besetzen Rennen, die fünftschnellste Zeit, die jemals von einem Österreicher gelaufen wurde.

Fehlende Wertschätzung von vielen Seiten

Das Traurige dabei ist, dass der Wiener eigentlich kaum noch Unterstützung bekommt. Mit seinen 31 Jahren ist Vojta für einen Langstreckenläufer eigentlich im optimalen Alter, flog aber Ende 2019 aus dem Kader des Heeressportvereins. Damit wurde ihm die Grundlage genommen, um seine anfallenden Kosten begleichen zu können. Aber was muss man als Läufer können und leisten, um gefördert zu werden? Eine Medaille bei Olympia, welche für die meisten Europäer unrealistisch ist? Ist ein „dabei sein“ bei Olympia zu wenig? Reichen keine Teilnahmen bei Welt- und Europameisterschaften? Die Athleten geben oft alles um einmal bei Olympia zu starten. Das benötigte Limit zu laufen, ist oft schon eine grenzwertige Erfahrung für die Athleten. Aber die pure Leidenschaft treibt einen Sportler an, um dieses Ziel zu erreichen. Die Wertschätzung und Unterstützung vom Staat ist hier sehr gering. Zählen nur die großen Erfolge, die zum Beispiel Skifahrer liefern können, weil es hier nur eine Handvoll Nationen gibt die den Sport leitungsmäßig betreiben können?

Ein Sieg, der 400 Euro kostete

Aber nochmal zurück auf das konkrete Beispiel Andreas Vojta und seine Reise in die Schweiz. Vojta ist mit dem Zug angereist und hat sich auch das Hotelzimmer selbst bezahlt. Um dort dann laufen zu dürfen, musste er 20 Euro Startgebühr bezahlen. Am Ende kostete Vojta der Sieg rund 400 Euro. Natürlich kann man Fußball und Tennis nicht mit dem Laufsport vergleichen. Fußball und Tennis faszinieren Millionen Menschen – auch jene die selbst keinen Sport betreiben – vor dem Fernseher und bringen Sponsoren jede Menge Geld ein. Und ja, auch wenn es mittlerweile weltweit Millionen aktive Läufer/innen gibt, ist es aber für viele von ihnen vielleicht nicht so spannend einen Marathon im TV mitzuverfolgen. Aber es geht hier einfach um die fehlende Wertschätzung – viele Regionalliga-Kicker verdienen mehr als „Profi“-Leichtathleten und Olympiateilnehmer!

Auch wenn es ihnen nicht wirklich hilft, Sportler wie Andreas Vojta haben meinen größten Respekt, weil sie trotz fehlender Perspektive weitermachen und nicht jammern. Oder wie sagte es Wilhelm Lilge, Trainer von Andreas Vojta, so schön: „In der Leichtathletik lebt man nicht vom, sondern für den Sport.“

Sportliche Grüße, Mario!

Anmerkung: Der ÖLV untertstützt seine A- und B-Kader-Athleten speziell für solche Wettkämpfe (Vojta´a Lauf in der Schweiz) und Trainingslager. Das ist unter den Verbänden einzigartig in Österreich.

Andreas Vojta. Foto: ©Wikipedia

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