Walter Ablinger: “Das Leistungsniveau im Behindertenradsport ist deutlich gestiegen”

Foto: ©Martine Salomon.

November 2021: Walter Ablinger ist ein österreichischer Behindertensportler. Im Radsport wurde er unter anderem zweifacher Olympiasieger. Das war 2012 und zuletzt in Tokio. Im Interview blickt der Innviertler auf sein sportliches Jahr zurück.

Helden des Laufsports: Wenn du dieses Jahr mit einem Wort beschreiben müsstest, welches wäre das?

Walter Ablinger: Erfolgreich-glücklich-zufrieden-durchwachsen-Medaillenfreude-Sportler des Jahres mit Behinderung-Freude-Freude an Präsenz des Behindertensport-Freude an Bewegung-Sensationsjahr. Das wäre ein langes Wort (lacht).

In Tokio hast du eine Gold- und eine Bronzemedaille geholt. Wie verliefen die Rennen aus deiner Sicht?

Mit hohen Erwartungen bin ich nach Japan gereist. Die Rennen waren äußerst anstrengend, eng, technisch, fordernd und glücklich im Verlauf für mich. Das Leistungsniveau im Behindertenradsport ist seit Rio 2016 noch mal deutlich gestiegen. Das Material und mein reduziertes Körpergewicht waren der Schlüssel zum Erfolg am Fuji Speedway Kurs. Die Bewerbe waren auch auf Grund des Streckenprofils und der überdurchschnittlichen Distanz „olympiawürdig“. Meine persönlichen Erwartungen habe ich übertroffen.

Über welche Distanzen bist du am Start gewesen?

Im Einzelzeitfahren über 24 Kilometer mit 414 Höhenmetern. Das „Goldrennen“ konnte ich mit einem Vorsprung zum Zweitplatzierten von 1,8 Sekunden, zum Bronzemedaillengewinner 9,5 Sekunden gewinnen – wirklich sehr, sehr eng! Das Straßenrennen über 79,2 Kilometer mit 1.229 Höhenmeter, also das „Bronzerennen“, war sehr von Taktik geprägt. Ich konnte die Führungsgruppe injizieren, meine Mitstreiter motivieren, den belgischen Kreisel zu fahren und konnte so den Zeitvorsprung zur Verfolgergruppe ausbauen. Die Entscheidung fiel nach 78,5 Kilometer am letzten Anstieg. Das dritte Rennen war ein Teambewerb über 24,3 Kilometer. Wir wurden auf Grund der nicht optimalsten Teamzusammenstellung in der sechsten von neun Runden von den Top-Handbike-Nationen (Italien, Frankreich, Amerika) überrundet und aus dem Rennen genommen.

“Der Empfang in meiner Heimat war ein absolutes Highlight”

Walter Ablinger wurde in Rainbach (Schärding) gefeiert.

Wie intensiv hast du dich darauf vorbereitet?

Leider war diese Saison durch Impfreaktion, Krankheiten und Verletzungen sehr „durchwachsen“ und ich konnte nur knapp 15.000 km abspulen. In „normalen“ Saisonen sind es um 5.000 mehr. Vom guten, intensiven Winter-Rollen-Training habe ich sehr lange profitiert und gezerrt. Meine ordentliche Basis war der Schlüssel zum Erfolg.

Wie hast du die Zeit nach Tokio in Erinnerung? Hattest du viel Termine und welcher war dein Highlight?

Ich wollte unbedingt nach dem Saisonhöhepunkt in Japan noch Rennen fahren. Von vier geplanten Bewerben konnte ich leider nur zwei bestreiten. Die öffentlichen Auftritte nach meiner Rückkehr waren auf Grund der medialen Präsenz der Paralympics sehr umfangreich. Die zwei schönsten Momente waren zum einen der Empfang in meiner Heimatgemeinde Rainbach im Innkreis, mit der Verleihung der Ehrenbürgerurkunde, und natürlich auch die Wahl zum Behindertensportler des Jahres im Wiener Konzerthaus. Auf diese Auszeichnung schiele ich schon 13 Jahre.

Nach einem Trainingsunfall musstest du pausieren. Wie geht es dir heute und wann bist du wieder ins Training eingestiegen?

Ich bin wie geplant zu Allerheiligen “eingestiegen” und habe bereits die ersten 1000 Rolllenkilometer sowie sieben Krafteinheiten im Fitnesscenter hinter mir. Leider immer noch nicht ganz schmerzfrei – bin nach wie vor in physiotherapeutischer Behandlung. Der Lockdown hat mich natürlich auch etwas eingebremst, da die Fitnesscenter geschlossen sind. Ich habe nur Trainingsmöglichkeiten im Olympiazentrum Linz und fahre aktuell nur im Keller. Im Jänner und Februar ist ein Trainingslager auf Lanzarote geplant.

Wie geht es 2022 für dich weiter?

Wenn der Trainings- und Belastungsstart im Winter gut gelingt, werde ich wieder die Europameisterschaft, als Titelverteidiger im Einzelzeitfahren, in Oberösterreich fahren. Auch die Weltcups und die Para-Cycling-Road-WM in Kanada möchte ich absolvieren. Aber wie erwähnt, dass werde ich alleine meine Körper entscheiden lassen.

Vielen Dank für das Interview!

Vielen Dank für die Möglichkeit, mich auf dieser Plattform präsentieren zu dürfen. Lg und @all: „keep rolling/running/walking/swimming/….“

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