Walter Ablinger: „Wünsche sind etwas für Weihnachten, wir leben aber in der Realität“

Walter Ablinger (51) ist seit einem Unfall 1999 querschnittsgelähmt. Heute ist der Innviertler einer der erfolgreichsten Handbiker weltweit. Im Gespräch mit den OÖN blickt der Paralympics-Sieger von 2012 auf die vergangene Saison zurück, spricht über die kommenden Paralympics in Tokio und auch über den Umgang mit dem Coronavirus.

Foto: ©Walter Ablinger

Was waren deine Saisonhighlights 2020?

Walter Ablinger: Das lehrreichste an dieser etwas anderen Saison ist die Erkenntnis, dass in unserem Leben nichts als normal oder alltäglich bezeichnet werden kann. Nun sind wir alle in einer Situation, in der ich mich vor 21 Jahren unfreiwillig begeben musste. Das ist zwar nicht schön, aber wir müssen als Gesellschaft mit einer schwierigen Situation zurechtkommen. Sportlich konnte ich auf internationaler Bühne alle stattfindenden Europacuprennen – zwei in der Slowakei und zwei in Griechenland – für mich entscheiden.

Hast du dein Training coronabedingt umstellen müssen?

Ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, als das Wintertraining auf der Rolle im Keller zu Ende ging und ich mich auf das Straßentraining im Freien freute, kam der Lockdown. Ich habe mich mental gesammelt, vermehrt sportpsychologische Betreuung in Anspruch genommen und mehr oder weniger freiwillig mein Training im Keller um zwei Monate verlängert. Die ersten Freilufteinheiten waren dann erst Anfang Mai. Bis dato habe ich 935 Stunden trainiert.

Glaubst du, dass die Paralympics im Sommer 2021 mit Zuschauer über die Bühne gehen werden?

Ich glaube, sie werden so normal wie möglich stattfinden. Voraussichtlich aber ohne, oder zumindest mit sehr begrenzter Zahl an Zusehern vor Ort. Aber die Verantwortlichen sind extrem um eine Durchführung bemüht. Es wäre weltweit ein wichtiges Zeichen für Zusammenhalt unter diesen besonderen Umständen.

Eigentlich hätten die Spiele ja bereits heuer stattfinden sollen. Ist diese Verschiebung ins nächste Jahr ein Vor- oder ein Nachteil für dich?

Für mich ändert sich an der Gesamtsituation nicht viel, mit der Ausnahme, dass ich noch ein Jahr älter bin und meinen Körper ein Jahr weiter im „Leistungssportmodus“ halten darf. Die biologische Uhr in mir tickt. Seinen Körper ständig am Limit zu bewegen um die Leistung erneut zu steigern ist nicht gesund. Ich hoffe weiter auf keine bleibenden Folgeschäden.

Was sind deine Ziele für Tokio?

Zum Zeitpunkt der geplanten Durchführung der Paralympics war ich top fit, das habe ich an meinen Leistungswerten gesehen, und hätte vermutlich um die Medaillen mitkämpfen können. Dort will ich auch 2021 wieder hin.

Abgesehen von deinen sportlichen Zielen, was wünscht du dir für das kommende Jahr?

An erster Stelle steht die Gesundheit. Wünsche sind aber meiner Meinung was für Weihnachten, wir leben aber in der Realität. Es wird keine Zeit nach Corona geben, nur eine Zeit mit Corona.
Die Situation bewusst annehmen und das Beste draus machen, so das Motto. Es wäre schön, wenn die Pandemie die Gesellschaft nicht komplett in zwei Lager spalten würde. Jeder von uns trägt Verantwortung, sich, seinem Umfeld und der gesamten Gesellschaft gegenüber. In erster Linie sollten wir Regelungen und Vorgaben einhalten und vielleicht noch wichtiger, aktiv zu bleiben. Ein gesunder, nachhaltiger, bewegungsreicher Lebensstil wird immer wichtiger.

Foto: ©Walter Ablinger

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