Teil 114 (KW 37/2020): Walter Wakonig

Foto: ©Walter Wakonig

Walter Wakonig ist ein ehemaliger österreichischer Ultraläufer. Mit zwei WM-Teilnahmen über die 100-Kilometer-Distanz war der heute 48-Jährige einer der Besten seiner Zunft. Im Helden-Interview #114 blicken wir auf seine Karriere zurück, welche der Innviertler im Jahr 2015 beendete und erfahren auch, wie es dem Offsetdrucker heute geht.

Helden des Laufsports: Wie wurdest du zum Ultraläufer?

Walter Wakonig: Eigentlich mit meiner Teilnahme am Rennsteiglauf. Mit null Erfahrung konnte ich mich auf Anhieb gleich im Spitzenfeld platzieren. Drei Wochen später konnte ich beim Sechs-Stunden-Lauf in Grieskirchen bereits 74,6 Kilometer zurücklegen. Da merkte ich, dass bei mir wohl ein gewisses Talent für lange Distanzen vorhanden sei.

Du warst zwei Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei. Welche war dein persönliches Highlight?

Natürlich die WM 2015 in Winschoten. Als Sportler hat man immer den Traum einmal für sein Heimatland an den Start gehen zu dürfen. Und als ich dann für die Mannschaft nominiert wurde, war ich schon sehr stolz. Für mich war das der Lohn für das harte Training im Vorfeld. Winschoten ist ja sowas wie das Mekka des Ultralaufsports. Es sind sehr viele Zuschauer an der Strecke und die Holländer verstehen es zu feiern – das ist schon etwas Besonderes. Wenn man am Tag X mit dem Nationaltrikot und den ganzen Stars am Start steht, ist man natürlich schon sehr nervös. An dem Tag ließ ich mich leider ab Kilometer 40 zu einem höheren Tempo verleiten, was in der Folge ab Kilometer 70 zu einem schweren körperlichen Einbruch führte. Mit abwechselnd Gehen und wieder Laufen kämpfte ich mich ins Ziel. Die Zeit unter acht Stunden war aber weg. Die letzten 40 Kilometer konnte ich keine Nahrung mehr aufnehmen. Diese 100 Kilometer werden mir wohl ewig in Erinnerung bleiben.

Welche Laufhighlights durftest du als Ultrasportler noch erleben?

Wie schon erwähnt die zwei Weltmeisterschaften und natürlich der Rennsteiglauf. Auch die Sechs-Stunden-Läufe gehörten zu meiner Lieblingsdisziplin. In den ganzen Jahren musste ich nur einmal einen Lauf abbrechen, sonst konnte ich mich fast immer im Vorderfeld klassieren. Meinen Traum von der Teilnahme am Spartathlon habe ich mir aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht mehr erfüllen können.

Was macht das Laufen jenseits der 42,195 Kilometer so spannend?

Bei mir waren es ja nur 100 Kilometer, da muss man mit einem gewissen Tempo reinstarten, ab Kilometer 70 bis 80 wird es dann ernst. Aber dieses Gefühl es dann geschafft zu haben, dieser Kampf mit einem selbst, immer weiter und weiter zu laufen, das macht schon ein bisschen süchtig. Ich war im Rennen eigentlich immer mit mir selbst beschäftigt, ständig hört man auf seinen Körper, setzt sich Zwischenziele, da vergeht die Zeit ziemlich schnell.

Wie stark warst du auf den klassischen Distanzen?

Über zehn Kilometer habe ich eine 35:14 Minuten zu Buche stehen. Marathons lief ich unzählige unter drei Stunden, leider ist mir der richtige Speedmarathon nie gelungen.

Wie sahen damals deine intensivsten Trainingswochen aus?

Zur Vorbereitung auf die WM absolvierte ich schon Wochen mit 150 bis 180 Kilometer, als Schichtarbeiter leidet da natürlich die Regeneration darunter. Im Nachhinein gesehen hätte etwas mehr Regeneration gut getan. Tempoläufe und 50-Kilomteter-Läufe am Wochenende waren der Standard, was ich so gut wie nie gemacht habe waren Intervalle.

Hattest du einen Trainer?

Nein, einen Trainer hatte ich nie. Aber nach über 30 Jahren Sporterfahrung weiß man was für einem am besten ist oder nicht.

Heute bist du selber Trainer, und zwar von deinem Sohn Jakob. Hast du eine Ausbildung absolviert oder profitierst du von deiner langjährigen Erfahrung?

Wie schon vorher erwähnt vertraue ich auf meine Erfahrung. Natürlich informiere ich mich auch bei anderen Athleten oder über die Medien. Seit einem Jahr trainiere ich jetzt Jakob und es funktioniert sehr gut. Es sind deutliche Fortschritte erkennbar, das ist das Wichtigste. Die nächsten zwei Jahre werden zeigen wohin der Weg führen wird. Der Spaß am Sport darf dabei nie verloren gehen.

Wie viel Sport machst du heute noch?

Nach gesundheitlichen Problemen und einer Auszeit, laufe ich wieder. Aber nur mehr zum Spaß und keine Wettkämpfe mehr. Mehr als zehn Kilometer pro Lauf kommen aber nicht mehr zusammen.

Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Außer Laufen, ist eines meiner Hobbies der TSV 1860 München. Ich besuche fast jedes Heimspiel. Vielleicht kann ich mich so mit diesem Verein identifizieren, weil er ein bisschen so ist, wie ich: Emotional, kämpferisch und man kann ihn in keine Schublade packen.

Info: Nächste Woche geht ein Bericht über das Vater-Sohn-Gespann Wakonig online.

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