Teil 89 (KW 10/2020): Werner Reichkendler und Sandra Huber

©Werner Reichkendler

Sandra Huber und Werner Reichkendler sind ein absolut sportverrücktes Paar. 2019 haben die beiden 33-Jährigen erfolgreich den Transalpine Run absolviert. Mehr über dieses Abenteuer erzählen uns die beiden Saalfeldner im Helden-Interview #89.

Helden des Laufsports: Wann habt ihr begonnen Ausdauersport zu betreiben?

Sandra: Mit dem Laufsport habe ich bereits im Teenageralter begonnen. Damals standen aber noch keine Wettkämpfe auf dem Programm. Insider-Einblicke in den Triathlon-Sport konnte ich zum ersten Mal im Rahmen meines Maturaprojekts sammeln. Von diesem Zeitpunkt an war ich Feuer und Flamme für den Ausdauersport.

Werner: Ich war immer schon gerne in den Bergen unterwegs. Also quasi sportlich aktiv. Aber so richtig in den Ausdauersport inkl. Wettkampfambitionen bin ich 2010 eingestiegen, als Sandra mit dem Triathlon begonnen hat.

Hdl: Sandra, du hast eine Marathonbestzeit von 03:15 Stunden. Wo bist du diese Zeit gelaufen und wie verlief das Rennen aus deiner Sicht?

Sandra: Das war 2016 in Frankfurt. Nach längerer Marathonpause nahm ich damals wiedermal einen Herbst-Marathon in Angriff. Ich habe mich damals kurz, aber intensiv vorbereitet. Bis Kilometer 30 verlief das Rennen wunderbar, dann musste ich etwas Tempo rausnehmen. Am Ende einer langen Saison hat mir einfach die nötige Kraft und Wettkampfhärte gefehlt. Insgesamt habe ich aber sehr positive Erinnerungen an das Rennen. Der Marathon übt – trotz aller Qualen – eine ganz eigene Faszination aus.

Hdl: Werner hingegen steht mehr auf Trailrunning und Triathlon, richtig?

Werner: Es ist etwas absurd, aber ich habe direkt mit dem Triathlon begonnen, ohne Lauferfahrung, ohne Schwimmerfahrung. Mein erstes richtiges Rad habe ich mir erst ein Jahr zuvor gekauft. 2012 habe ich dann schon meine ersten Mitteldistanzen, und 2013 meinen ersten Ironman finishen können. Nach einem Radsturz 2017, der mir den ganzen Sommer gekostet hat, wollte ich nicht mehr zum Triathlonsport zurück, es war mir einfach zu aufwendig und so bin ich nach einem eher lockereren Jahr 2018, 2019 beim Trailrunning gelandet.

Hdl: Aber auch für dich Sandra, ist Triathlon eine absolute Leidenschaft. Du hast bereits fünf Ironman gefinished, welcher war hier dein persönliches Highlight.

Sandra: Mich auf einen festzulegen fällt mir wirklich schwer. Mein bis dato letzter Ironman in Hamburg 2017 ist mir aber noch sehr gut in Erinnerung. Die Vorbereitung war ideal, trotz immer wieder auftretender Hüftschmerzen bei längeren Radausfahrten. Diese sind auch während des Rennens aufgetreten und haben mich sogar zu einer Pause gezwungen. Das Laufen im Anschluss lief allerdings richtig gut. Auch ein Sturz inkl. aufgeschlagenem Knie konnte mich nicht stoppen. Trotz dieser Missgeschicke und einer Zeitstrafe von fünf Minuten konnte ich meine Bestzeit um 15 Minuten toppen. Wenn ich an die Finish-Line zurückdenke, kann ich die Emotionen immer noch spüren.

Hdl: Jetzt aber zu eurem erfolgreich absolvierten Abenteuer, dem Transalpine Run. Für alle die nicht wissen, was das genau ist, klärt uns bitte auf.

Sandra und Werner: Der TAR ist ein Trailrunning-Etappen-Rennen quer über die Alpen. Jedes Jahr führt der Wettkampf in acht Tagen über eine andere Strecke von Deutschland nach Italien. 2019 waren 273 Kilometer und rund 16.100 Höhenmeter von Oberstdorf nach Sulden am Ortler zu bewältigen. Das Rennen ist quasi die Tour de France des Trailrunnings. Das ganz Spezielle daran ist, dass es nur gemeinsam im Zweierteam bestritten werden kann, das bedeutet, alle Checkpoints während des gesamten Wettkampfes müssen innerhalb von zwei Minuten passiert werden. Wir haben bisher kein Rennen erlebt, bei dem der Team-Spirit so hochgehalten wird und der Wettkampfgedanke so in den Hintergrund tritt.

Hdl: Erzählt uns von euren Erlebnissen auf dem Weg über die Alpen.

Werner: In diesen acht Tagen kommt man an so viele schöne Orte und man erlebt so viele Sachen, dass es schwierig ist, alles in ein paar Sätze zu packen. Der härteste Tag war gleich der Erste. Es war heiß und ich bekam früh Probleme. Ich konnte meine Leistung nicht abrufen und irgendwann kamen Krämpfe dazu. Bei einem Eintagesrennen wäre der Wettkampf hinüber gewesen, nicht so beim TAR. Die nachfolgenden Tage liefen immer besser und besser. Am Ende war die Stunde, die wir am ersten Tag circa verloren hatten, absolut belanglos. Zudem spielt bei so einem Rennen die Zeit eine absolut untergeordnete Rolle. Was uns vom Wettkampf wirklich geblieben ist, ist das gewaltige Abenteuer, die vielen neuen Bekanntschaften und der Stolz, es geschafft zu haben. Die genauen Details findet ihr in unserem Blog.

Sandra: Mir fallen nach wie vor nur die schönen Momente und Eindrücke ein: die gewaltigen Bergkulissen, die flowigen Trails, die netten Unterhaltungen, das Gemeinschaftsgefühl bei den Siegerehrungen jeden Abend. Wenn mir zuvor jemand prophezeit hätte, wie genial diese acht Tage TAR werden würden, ich hätte es nicht geglaubt. Wer es nicht erlebt hat, kann es nicht begreifen. Der Transalpine Run ist unbeschreiblich und eine Teilnahme bleibt unvergesslich. Für dieses Jahr sind wir bereits wieder angemeldet.

Hdl: Was macht ihr beiden beruflich und wie sieht eurer Trainingsalltag aus?

Werner: Ich arbeite bei einem Automobilzulieferer als Abteilungsleiter des Industrial Engineerings. Für mich gibt es keinen typischen Trainingstag. Grundsätzlich ist es bei mir sehr jahreszeitabhängig. Im Sommer laufe ich in der Früh vor dem Arbeiten und versuche so der Hitze zu entgehen. Im Winter bin ich am Abend anzutreffen. Diese Einheiten absolviere ich Großteils alleine, auch ohne Musik. So kann ich richtig abschalten und dem Alltag entfliehen. Die Wochenenden verbringe ich im Winter im Gelände mit den Touren- oder auf den Langlaufski (je nach Verhältnissen) und im Sommer in den Bergen beim Wandern und Klettern.

Sandra: Als Lehrerin an einer HBLW kann ich Training und Beruf recht gut vereinbaren. Aber auch ich trainiere Großteils alleine (oder mit Werner gemeinsam). Mein Ausdauertraining versuche ich mit regelmäßigem Krafttraining zu ergänzen. Die nötige Flexibilität hole ich mir bei Yoga oder Bodega. So vergeht eigentlich kein Tag, an dem nicht mindestens eine sportliche Einheit auf dem Programm steht.

Hdl: Wie sieht es mit Verletzungen aus, habt ihr damit schon größere Probleme gehabt?

Werner: Immer wenn die Abwechslung verloren geht, bin ich schon anfällig für Überlastungserscheinungen. Meine Schwachstellen sind eindeutig meine Sprunggelenke. Im Triathlon hat das sehr gut funktioniert und beim Trailrunning auch, aber sobald ich zum Beispiel ein Marathontraining absolvieren möchte, zeigt mir mein Körper rasch auf, wo meine Schwachstellen sind.

Sandra: Nein, ich bin bisher – Gott sei Dank – von gröberen Verletzungen verschont geblieben.

Hdl: Ihr seid beide im besten Sportleralter, was ist für die Zukunft geplant?

Werner: Sport ist für mich ein elementarer Bestandteil meines Lebens. Es muss nicht immer wettkampforientiert sein, aber den TAR würde ich schon noch einmal gerne machen. Auf alle Fälle möchte ich nächstes Jahr dem Laufen und Trailrunning treu bleiben, was nachher kommt, weiß ich noch nicht. Jedoch wird es sicher mit Sport zu tun haben.

Sandra: Die erste Hälfte des Jahres 2020 wird bei mir ganz im Zeichen des Ultra-Trails stehen. Mein großes Ziel ist, im Juni den Höchkönigman-Endurance-Trail über 83 Kilometer zu finishen. Ich weiß noch nicht, ob und wie ich mit einer so langen Distanz zurechtkommen werde, aber im Ultrabereich würden darüber hinaus noch einige andere tolle Herausforderungen warten.

Hdl: Gibt es, außer dem Sport, auch noch andere Hobbys?

Werner: Der Sport nimmt schon eine große Rolle ein, aber Lesen und mit Freunden ein Bierchen trinken findet immer Platz.

Sandra: Als studierte Germanistin gehöre ich natürlich zu den Bücherwürmern und interessiere mich sehr für Literatur und Kultur aller Art. Ansonsten bleibt neben Beruf und Sport wenig Platz für noch mehr. Was ich in absehbarer Zeit aber unbedingt noch machen möchte ist die Ausbildung zur Yoga-Lehrerin.

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