Wie gestalte ich die letzte Woche vor einem Wettkampf

Von: Wolfgang Zweimüller – Foto: Antranias/Pixabay

So, wie vermutlich vielen von euch, passiert es auch mir, dass ein geplanter Wettkampf ausfällt. Das passiert auch meinen AthletInnen. Natürlich sehe ich mich dann um Alternativen um.

Bei meinen Planungen sieht es zumeist so aus, dass ich gerne 4 Tage vor einem Rennen einen vollen 1000m Lauf machen lasse. Aufwärmen wie für einen Wettkampf versteht sich von selbst, auch die Einstellung sollte schon auf Wettkampf Modus sein. Da geht’s oft an die PB heran und das ist auch gut so.

Am nächsten Tag kommt ein lockerer 35-minütiger DL mit 5 RL (Rasenläufe= sind Läufe über ca. 120m, am Besten im Stadion über den Rasen) in 80% des Leistungsvermögens). Bei 80 % der Laufgeschwindigkeit kann man den Körper führen, heißt, man kann einen schönen Laufstil selbst kontrollieren. Damit so manche Schwachstelle auslöschen oder zumindest mindern. Somit sollte auch eine bessere Lauf-Ökonomisierung entsteht.

2 Tage vor dem Wettkampf Ruhe (kann auch ein ganz lockerer DL ca. 30 Minuten sein).

Am Tag vor dem Wettkampf, hier spreche ich von max. 5 Km Wettkampfstrecke, steht die WKV (Wettkampf Vorbereitung) am Programm, die folgendes beinhalten sollte.

Zuerst Aufwärmen, dauert ca. 30-35 Minuten, exkl. Schwingen und Andehnen. Das Dehnen soll die Muskulatur lediglich in ihren „Urzustand“ bringen, keinesfalls sollt durch das Dehnen die Tonizität in der Muskulatur vermindert werden. Dies gilt natürlich auch für den Wettkampftag. Das ausgiebige Dehnen erfolgt in einer eigenständigen Trainingseinheit. Es folgen zumeist 3-4 Läufe über 150m im Wettkampf Tempo. Das wars schon. Dann sollte man für einen Wettkampf gut vorbereitet sein.

Sollte ein Wettkampf erst später am Nachmittag/ Abend stattfinden, dann lohnt es am Vormittag einen Spaziergang oder eine kleine Runde joggen zu gehen. Jede noch so lockere Joggingrunde endet mit zumindest einem Rasenlauf. Der Körper startet, beim nächsten Lauf, mit der am Schluss durchgeführten Bewegung – hier also mit einem schönen Lauf.

Diese Vorbereitung hat mir schon viele spannende und siegreiche Wettkämpfe beschert.

Was mache ich, als Trainer, wenn das dann bei den Athlet*innen nicht funktioniert?

Dann kommt der Leitspruch der Leichtathletik wieder ins Spiel: „try and error“!

Dazu dienen dann diese Testwettkämpfe, bei denen man dann dieses oder jenes ändert. Auch natürlich mal die WKV überdenken. Das kann auch mal das Wichtigste an einem Testwettkampf sein. Da soll man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Man kann vieles ausprobieren. Wichtig dabei ist, dass man ständig genau darüber Buch führt. Unumgänglich ein Trainingstagebuch, dieses dann auch mit Daten befüllen die dann auch heißen: Wetter, was Besonderes gegessen (Hinweis auf den Text: Training auf nüchternem Magen), das Gefühl, Schuhe…

Dazu kommen die 3 wichtigen Gütekriterien:

Validität, Reliabilität und Objektivität – Gütekriterien, um quantitative Rückschlüsse ziehen zu können.

Jetzt kommen wir zurück zu den abgesagten Rennen. Der Rhythmus sollte ja beibehalten werden. Was spricht dagegen, dass man in dieser Situation einen Testwettkampf einfließen lässt. In Abstimmung mit den Athlet*innen, bei denen die WKV noch nicht wirklich gut funktioniert, soll heißen, dass sie noch nicht sicher sind, wie diese umgesetzt werden soll. Auch bei arrivierten Athlet*innen macht es Sinn, bestehendes zu überdenken. Mal ein Testrennen mit einer Vorbelastung starten. Bauen wir am Tag davor einen schnellen 500er ein, vielleicht braucht man das zur Einstimmung. Werfer machen am Vormittag für 10 Minuten starkes Krafttraining – warum sich nicht darüber mal den Kopf zu zerbrechen. Anstatt der obligatorischen Pasta – Kaiserschmarren Party am Vortag, etwas überlegter und ausgewogener zu essen.

Wir planen eine neue WKV und schauen, was da herauskommt. Verdient es beobachtet zu werden oder sind wir an der Basis schon gescheitert?

Dann wird man mit den Athlet*innen genauestens analysiert. Schreit es nach einer Wiederholung oder stellt man weitere Überlegungen an?

Bis zu dem Zeitpunkt, als ich in einer Fachzeitschrift, nein die hatte nicht wirklich was mit dem Laufen zu tun, las, wie der Hormonhaushalt der Frau an bestimmten Tagen ihres Zyklus besonders durcheinandergeraten kann. Bei meinen Recherchen, naja in meiner Laufgruppe finden sich viele Frauen, habe ich vieles erfahren. Bis heute verwehre ich mich aber Frauen ausdrücklich, hinsichtlich ihres Zyklus zu trainieren. Bei einer Läuferin habe ich deshalb den Ablauf der WKV ganz anders gestaltet. Zuerst mit zu mehr Pausen vor dem Wettkampf – das hat nicht wirklich was gebracht. Schließlich sind wir bei einem kurzen DL mit mäßigen Temposteigerungen gelandet. Der Hormonhaushalt der Frau soll ja durch das Training, dazu gehört ja auch die WKV, sehr durcheinander gewürfelt werden.

Also, versucht es, sprecht mit den Trainern und quetscht sie aus. Sie sollen euch alles erzählen, was sie schon probiert haben. Vielleicht ist ja genau das dabei, was euch noch gefehlt hat.

In diesem Sinne: „stai hungry“

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