Wie sich die Corona-Pandemie auf das Bewegungsverhalten auswirkt – Sportler versus nicht-Sportler.

Liebe Leser!

Zu diesem Thema habe ich schon früher eine Kolumne geschrieben (siehe „Corona revolutioniert das Fitnesstraining“). Heute bin ich auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen, wo auf Daten des Garmin-Unternehmens eingegangen wird, das die rezenten Veränderungen im Bewegungsverhalten der Menschen kürzlich publiziert hat (1). Wenig verwunderlich, wie ihr im Detail auch dem unten verlinkten Artikel entnehmen könnt: Der Trend ging ganz klar weg vom Schwimmen, weg vom Krafttraining und hin zum Laufen, Wandern und Radfahren. Was Indoor-Aktivitäten betrifft, so wurde Indoor Cardio tendenziell populärer, während weniger Indoor-Krafttraining ausgeübt wurde. Auch wenig überraschend: die gesamte tägliche Schrittzahl ging tendenziell hinunter, während aber mehr Ausdauer-Aktivitäten aufgezeichnet wurden.

Nun gibt es bei diesen Daten, wie jeder unschwer erkennt, einen großen Bias. (Zum Mitschreiben – Bias (Statistik) = ein bei Messungen auftretender, meist störender systematischer Effekt, der die Daten verzerrt). Damit meine ich erstens, Garmin-User sind nicht mit einer beliebigen Stichprobe aus der Gesamtbevölkerung zu vergleichen, da sie grundsätzlich wahrscheinlich aktiver sind als Otto Normalverbraucher. Zweitens: es gibt ja drei Lager unter den Smartwatch-Trägern: die einen tragen ihre Uhr ständig, manche sogar beim Schlafen! Manche zeichnen jede Alltagsradfahrt auf, jede Yogasession, jedes noch so kurze Stabi-Training. Andere tragen die Uhr nur gezielt beim Laufen oder Radfahren, oder vielleicht bei einem längeren Spaziergang (that’s me 😉) – aber auf keinen Fall beim Schlafen und auch nicht den ganzen Tag. Und dann gibt es noch das dritte Lager, das sind die Untreuen: sie tragen die Garmin grundsätzlich nur sporadisch, vergessen sie manchmal, tragen die Uhr bei weniger als 50% der klassischen Lauf-, Rad- oder Schwimmtrainings und (das ist meines Erachtens ein echter Fauxpas!) borgen die Uhr samt Pulsgurt auch mal her!! Wenn ich nur daran denke, dass jemand eine Aktivität auf meinem Strava Account hochladen würde… nicht auszudenken! 😀

Daher komme ich jetzt zu meiner eigenen Beobachtung, was natürlich einen noch viel größeren Bias beinhaltet, weil ich das völlig subjektiv in meinem Freundes- und Bekanntenkreis so erlebe: Und zwar, wie sich das Bewegungsverhalten der nicht-Garmin- (oder Polar-, Suunto-, etc.) User durch die Corona-Maßnahmen verändert hat. Da wären einerseits die Hobbyläufer, also sagen wir die Jogger (unter 15 Kilometern die Woche, und sehr gemütlich). Die sind weiterhin joggen gegangen, vielleicht sogar etwas mehr als vorher, weil ihnen so fad war oder weil ihnen daheim sprichwörtlich die Decke auf den Kopf gefallen ist. Bei der Spezies „Pumper“, der auch bislang ab und zu gejoggt ist, hat in meinem Freundeskreis das Joggen sogar massiv zugenommen. Mehr noch – einige haben sich sogar in der Coronakrise eine Garmin zugelegt und überlegen sogar, zum Ausdauersport überzulaufen – so viel Spaß hat ihnen das Joggen gemacht! Dann gibt es noch diejenigen, deren Fitnesstraining hauptsächlich aus Kursen bestand, und zwar Yoga, Pilates, Spinning-Classes, oder Zumba, etc. Ihr wisst schon wen ich meine: Frauen, die prinzipiell wenig Zeit und noch weniger Motivation für Sport haben, aber sich für das gute Gewissen zumindest einmal pro Woche so einen Kurs gönnen. *zwinker* Manche jener Frauen haben sich jetzt eine wohlverdiente Auszeit vom anstrengenden Trainingsalltag genommen, und einfach gar nichts gemacht. Aber sie sind zu Fuß zum Hofer gegangen, statt wie gewohnt mit dem Auto zu fahren. Andere, denen das dauernde Herumsitzen dann echt zu blöd geworden ist, sind ebenfalls zu Fuß zum Hofer gegangen, haben sich dort eine Yogamatte gekauft und Yoga mit Adriene (2) daheim vor dem Fernseher gemacht. Oder mit Cassey (3), und wie sie alle heißen. Außerdem gibt es noch viele, viele Homeworkouts auf Youtube, und wenn man nur lange genug sucht, dann findet man garantiert das passende Training: Leg slimming, booty boosting, upper body- oder core strength, gentle exercise (no sweating!), relaxing yoga for waking up, ultra-intense indoor cardio (no running!), stretching exercises, crossfit-inspired ultra-HIIT 80 minutes killer-workout,… die Liste ist endlos. Aber zurück zum Thema: Ich würde sagen, auch bei inaktiven Personen ist die durchschnittliche tägliche Schrittzahl während „Corona“ weniger geworden. Zumindest in den ersten Wochen des Lockdowns. Nach und nach sind die Leute, wie ich beobachtet habe, dann doch öfter spazieren oder Nordic Walken gegangen. Einige haben mir sogar erzählt, dass sie schon länger keinen Sport mehr getrieben haben, jetzt aber mit dem Joggen angefangen haben. Man sieht also: viele eher inaktive Personen haben sich während der Krise sogar noch weniger bewegt, während manche die Situation sogar genutzt haben, um wieder mehr Sport im Freien auszuüben. Wer zuvor schon sportlich war, hat unter Umständen deutlich anders, aber nicht unbedingt weniger trainiert.

Und? Was hat sich bei euch im Trainingsplan zuletzt verändert?

Eure Liesl

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