Wir sind ein Team! – Warum ich mir mehr Zusammenhalt unter uns Läufern wünsche

Liebe Leser,

Eigentlich ist es ja Jammern auf hohem Niveau. Denn: Im Gegensatz zu anderen Sportarten, wie z.B. Mannschafts- bzw. Team-Sportarten, ist das „Miteinander“, der Zusammenhalt unter uns Läufern eh ziemlich gut. Während bei den Mannschaftssportarten der Zusammenhalt innerhalb des Teams bestimmt sehr gut ist, werden gegnerische Mannschaften eher als „die Gegner“ betrachtet. Klar, beim Wettlauf ist jeder andere Teilnehmer per se auch mein Gegner. Allerdings: Wir alle haben einen viel stärkeren Gegner, um genau zu sein sogar zwei: 1. Die Zeit 2. Die Distanz. Und das verbindet.

Dennoch merkt man manchmal, dass sich ein unvermeidliches Konkurrenzdenken zwischen uns Läufern entwickelt; es wird schlecht über andere geredet. Wenn jemand ein paar Monate lang einen Durchhänger hat und einfach nicht die erwartete Leistung bringt, dann wird er belächelt, oder hinterrücks runtergemacht. Vermutungen werden angestellt, warum der Läufer XY derzeit „keine Form“ hat. Außerdem bekomme ich manchmal mit, dass über die Trainingsmethoden von bestimmten Leuten hergezogen wird. Jeder macht sich wichtig, jeder glaubt zu wissen wie man genau richtig trainieren soll. Tatsache ist, bei Hobbyläufern kommt halt manchmal etwas dazwischen, sodass der Sport für eine Weile hintan gestellt werden muss. Zum Beispiel weil Beruf, Familie und andere private Angelegenheiten den Tag so ausfüllen, dass man gar nicht zum Training gehen kann. Oder auch nicht will! Das weiß im Prinzip jeder, aber dennoch herrscht oft Unverständnis, warum jemand ein paar Monate komplett auf „Off Season“ macht.

Selber hab‘ ich mich auch schon ertappt wie ich geringschätzig auf andere herabgeblickt habe, die plötzlich „keine Zeit mehr für Sport“ haben. Ich denke, man kann ja auch deutlich weniger trainieren, warum denn gleich komplett pausieren? Für mich ist das Laufen für mein allgemeines Wohlbefinden sehr wichtig, es ist so wie Zähneputzen, ich mache es einfach. Mal intensiver, dann wieder weniger, aber auf jeden Fall an den meisten Tagen im Jahr und seit fast 15 Jahren ohne „Off Seasons“. Aber ich kann nicht in andere hineinschauen. Vielleicht hat der eine oder andere über Jahre oder gar Jahrzehnte dermaßen hart und diszipliniert trainiert, sodass er einfach ausgebrannt ist, und erst nach einer Pause von 1-2 Jahren wieder die Freude am Sport gefunden hat? Oder vielleicht sind andere beruflich und privat deutlich mehr gefordert als ich, und es geht sich tatsächlich zeitlich kein Training mehr aus?

Ich muss mich an der eigenen Nase nehmen, wenn ich sage: ‚Halten wir mehr zusammen.‘ Egal ob viel-Trainierer, nach-Plan-Läufer oder reiner Spaß-Läufer der immer nur dieselben 5 Kilometer im genau gleichen Tempo abspult. Egal ob 2:30 Halbmarathonzeit oder 1:25. Egal ob schon-immer-Läufer oder Neueinsteiger. Uns verbindet doch, dass wir alle gern laufen.

Also bitte – kein Zickenkrieg! Vertragen wir uns, und unterstützen wir uns gegenseitig.

Eure Liesl