Teil 37 (KW 09/2019): Wolfgang Achleitner

Wolfgang Achleitner wurde 2018 zweitbester Österreicher beim Wolfgangseelauf. Der 27-Jährige hat erst vor zwei Jahren mit dem Laufen begonnen, zuvor war er 20 Jahre als Fußballer aktiv. Im Helden-Interview #37 erfahren wir mehr über seine sportlichen Ziele und seine berufliche Selbstständigkeit, aber auch über seine ziemlich lange Krankenakte.

Helden des Laufsports: Bevor du mit dem Laufen begonnen hast warst du 20 Jahre als Fußballer aktiv. Warum hast du im Jahr 2016 die Fußballschuhe mit den Laufschuhen getauscht?

Wolfgang: Hallo Mario, erst mal vielen Dank für das Interview bei „Helden des Laufsports“. Ja, Fußball war meine große Leidenschaft und wäre es wahrscheinlich auch heute noch. Doch im Jahr 2014 habe ich mir in einem Spiel das hintere Kreuzband gerissen, dieses wird heutzutage leider nicht mehr operiert. Nach drei Monaten war ich wieder zurück am Spielfeld und hatte kaum Einschränkungen. 2015 aber der nächste Schock!

Hdl: Was ist passiert?

Wolfgang: In einem weiteren Spiel habe ich mir die Innenbänder am Sprunggelenk gerissen. Auch diese werden heutzutage nicht mehr operiert. Ab dem Zeitpunkt war mir klar, dass ich mir eine andere Sportart suchen muss, eine die weniger „gefährlich“ ist.

Zuerst probierte ich ein Jahr lang Triathlon aus, doch das Schwimmen machte mir keinen Spaß. Also probierte ich es mit Laufen und Radfahren. Es stellte sich heraus, dass ich im Laufsport wohl das meiste Talent habe. Heute ist mein Training auf 70 % Laufen und 30 % Radfahren aufgeteilt.

Hdl: Heute bist du ein sehr erfolgreicher Läufer. Du wurdest zweimal Vizelandesmeister und hast auf der Bahn über die 10.000 Meter eine Bestzeit von 32:12 Minuten stehen. Was war für dich persönlich der größte läuferische Erfolg?

Wolfgang: Für mich persönlich war es der Wolfgangseelauf. Ab Kilometer drei beginnt der Falkenstein. Die 1,5 Kilometer bergauf sind die Hölle, die Abfahrt bis nach St. Gilgen ist so steil, dass man ständig bremsen muss. Hier ist die Muskulatur extrem gefordert. Und ja, wenn du wieder ganz unten bist beginnt das Rennen erst so wirklich, denn es wartet dann noch ein Halbmarathon auf dich. Daher war dieser Lauf, mit einer Zeit von 01:39:34 Stunden, im Jahr 2018 der Erfolgreichste. Bei den 10.000 Meter-Landesmeisterschaften auf der Bahn war ich ebenfalls sehr zufrieden.

Hdl: Wohnen und trainieren tust du in Zell am Moos. Wie sind dort deine Trainingsmöglichkeiten?

Wolfgang: Ja, leider sehr beschränkt! Bei mir sagen sich Fuchs und Hahn noch gute Nacht. Ich wohne etwas abgelegen auf einen kleinen Berg. Rundherum ist sehr viel Wald. Daher bin ich auch zu 70 % nur auf Forststraßen unterwegs. Im Winter wird es nicht gerade leichter, viele Läufe werden oft im tiefen Schnee absolviert. Ausweichmöglichkeiten gibt es bei mir leider fast keine und extra wo hinfahren will ich auch nicht. Jede noch so kurze Laufeinheit endet meist nie unter 200 Höhenmeter. Dafür habe ich die frische Luft und kann ganz ungestört mein Training absolvieren. Zugleich habe ich jede Menge Abwechslung. Die harten Intervalle werden aber auf der Laufbahn absolviert.

Hdl: Wie sieht bei dir eine normale Trainingswoche aus? Wie oft trainierst du?

Wolfgang: Du wirst Lachen. Da ich ja noch nicht so lange im Ausdauersport tätig bin, muss sich mein Körper erst an die Belastungen gewöhnen! Auf das Jahr hochgerechnet sind es nicht mehr als sechs Stunden pro Woche (fünf Einheiten mit 60-90 Laufkilometer). Qualität vor Quantität steht hier an erster Stelle. Ein langjähriger, sehr guter Freund und Ausnahmesportler (Andreas Silberbauer ) schmiedet mir die Trainingspläne. Er trägt einen großen Teil dazu bei, dass ich in den letzten zwei Jahren so viele Erfolge feiern durfte.

Hdl: Welche Laufveranstaltung war bisher die Schönste an der du teilgenommen hast und welche ist deine Lieblingsdistanz?

Wolfgang: Die schönste Strecke? Eindeutig der Wolfgangseelauf! Das Panorama, die Berge und die vielen Leute die um die ganze Strecke verteilt sind und dich anfeuern, einfach nur genial. Vor allem der Zieleinlauf ist unbeschreiblich, Gänsehaut pur. Lieblingsdistanz: Ich mag grundsätzlich alle Distanzen bis 30 Kilometer, ich kann gar nicht sagen welche mir am besten liegen.

Hdl: Verletzungen und Krankheiten waren bei dir leider keine Seltenheit. Erzähle uns davon!

Wolfgang: Ja schon seit ich ein kleiner Junge war, haben mich Krankheiten und Verletzungen geprägt. Mit sechs Jahren hatte ich eine Zyste im Oberschenkel, zehn Zentimeter vom Knochen waren einfach weg. Sollte der Knochen nicht mehr nachwachsen, wäre eine Amputation die letzte schlimmste Alternative gewesen. Doch zum Glück fing der Knochen wieder an zu wachsen und ich durfte mein Bein behalten. Mit 13 Jahren hatte ich starke Schmerzen im linken Knie. Ich war bei SIEBEN (!) verschiedenen Sportärzten. Es folgten SIEBEN verschiedene Diagnosen (Krebs/psychische Probleme/bis zu: Ich tue ja nur so).

Schlussendlich hatte ich eine doppelte verwachsene Kniescheibe. Diese wurde abgeschliffen, damit es wieder passt. Leider stellte sich heraus, dass ich zu dem Zeitpunkt Bluter war. Das Knie musste ständig punktiert werden, da es sich ständig mit Flüssigkeit füllte. Alle weiteren Krankheiten und Verletzungen lasse ich jetzt aus, das würde hier den Rahmen sprengen. Kurz gesagt: Ca. acht Operationen und viele weitere kleinere Eingriffe habe ich schon hinter mir. Laut den Ärzten hätte ich bereits im Alter von acht Jahren mit dem Sport aufhören müssen. Meine Eltern haben mich aber immer motiviert und gesagt ich solle das tun, was mir Spaß macht. Also blieb ich beim Sport.

Hdl: Welche sportlichen Ziele hast du dir für die Zukunft noch vorgenommen?

Wolfgang: Meine Ziele für die nächsten ein bis zwei Jahre sind folgende:

Über 10 Kilometer 31:30 Minuten oder noch schneller laufen. Halbmarathon unter 70 Minuten laufen und Landesmeister werden. Mit 30 möchte ich dann meinen ersten Marathon auf Zeit laufen.

Hdl: 2017 hast du deinen eigenen Verein gegründet. Wie kam es dazu?

Wolfgang: Ja stimmt. Seit Dezember 2017 gibt es den SV Wolfexpress. Da mir das Vereinsleben vom Fußball fehlte und alle anderen Laufvereine für mich zu weit weg waren, habe ich entschieden einen Sportverein zu gründen. Wir sind bereits 23 Mitglieder. Unsere Aktivitäten sind sehr unterschiedlich, wir bieten sehr viel Abwechslung (Laufen, Radfahren, Duathlon, Triathlon, Walking, Wandern bis hin zu Bergtouren ) an. Vom Profi bis zum Gelegenheitssportler ist bei uns alles vertreten.

Hdl: 2018 hast du dich selbstständig gemacht. Was genau bietest du an?

Wolfgang: Ja genau, seit Oktober 2018 bin ich selbstständig. Als Dipl. „Qi-touch Praktiker“ habe ich ganz unterschiedliche Menschen bei mir. Menschen mit Verspannungen, Blockaden oder Bewegungseinschränkungen. Auch viele Sportler kommen wegen Knieschmerzen, bis hin zum Läuferknie, Meniskusproblemen, Bänderverletzungen usw. Diese Technik entspricht unserer schnelllebigen Zeit, denn sie wirkt SCHNELL, EFFEKTIV, GANZHEITLICH ist EINFACH und LÖSUNGSORIENTIERT. Die Behandlung ist schmerzfrei und sehr effektiv.

Man bemerkt innerhalb von wenigen Minuten wesentliche Veränderungen seines Gesundheitszustandes. Gearbeitet wird über das fasziale System. Anhand sanfter Impulse an relevanten Stellen des Körpers werden unmittelbar die Selbstheilungskräfte aktiviert.

Als „Qi-touch Tutor“, bilde ich mittlerweile auch Menschen aus, die sich für diese Technik interessieren. Als Dipl. Fitness & Gesundheitstrainer sowie Sport & Mentaltrainer biete ich Stoffwechselanalysen bis hin zum Personal Coaching, Trainingsplanung oder Betreuung an. Weiter Information gibt es auf meiner Website. qitouch-achleitner.com

Hdl: Was machst du, wenn du in deiner Freizeit nicht gerade läufst?

Wolfgang: Wie gesagt, meine zweite Leidenschaft ist das Radfahren. Hier bin ich gerne im Wald oder auf den Straßen unterwegs. Im Sommer bin ich gerne am Irrsee zum Schwimmen. Dort kann aber auch schön mit Freunden chillen und mal ein Bier genießen.

Hdl: Danke und weiterhin viel Erfolg für die Zukunft!

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