81 Kilometer: Wolfgang Michl läuft in Bregenz seinen bisher stärksten Ultralauf

Wolfgang Michl (38, “Im Wald läuft’s”) startete bei einem virtuellen 6-h-Lauf und lief über 80 Kilometer. Michl, österreichischer 100-km-Meister im Jahr 2019, war überglücklich und plant dieses Jahr noch einen Trip durch Vorarlberg. Im Interview spricht der Mann aus Bezau darüber.

Foto: ©Wolfgang Michl (Archivfoto)

Helden des Laufsports: Bei einem virtuellen 6-h-Lauf bist du 81,8 Kilometer gelaufen. Was war das für ein Lauf und wie verlief dieser aus deiner Sicht?

Wolfgang Michl: Die IAU hat am Wochenende vom 21. bis 22. März einen virtuellen 6-h-Lauf unter dem Motto Global Solidarity Run veranstaltet. Durch Georg Mayer (Ultralauf-Referent Österreich) wurde ich darauf aufmerksam und habe mich für den Lauf vormerken lassen. Ende Februar (Anmeldefrist) habe ich Georg dann mitgeteilt, dass ich nicht teilnehmen werde, da ich mit meinem Lauftraining/-umfang nicht zufrieden war und mir die Distanz zu groß erschien. Glücklicherweise hat Georg die Anmeldung aber dennoch vorgenommen. Für den Lauf musste jetzt nur noch eine flache Strecke gefunden werden. Im Bregenzerwald nahezu unmöglich, da die geplante 4-km-Runde mit Schnee bedeckt war. Also ging es mit dem Auto nach Bregenz, um dort ein wenig dem Seeufer entlang zu laufen. Um ca. 8.00 Uhr startete ich bei bewölktem Himmel, zwei °C und leichtem Wind. Da ich alleine unterwegs war, bin ich die gesamte Strecke mit Rucksack gelaufen. Nach ca. dei Stunden habe ich bei meinem Auto gestoppt, um die Verpflegung für die restlichen Kilometer einzupacken. Die Beine waren noch frisch, ich fühlte mich gut und da mir bewusst wurde, dass 80 Kilometer möglich sind, ging es mit einem Lächeln weiter. In der zweiten Hälfte konnte ich meine Pace fast halten und selbst der einsetzende leichte Schneefall konnte an meiner positiven Grundstimmung nichts ändern.

Resümee: Es war ein wunderbarer Tag, an dem ich mich gut gefühlt habe und noch besser abgeliefert habe. In diesen sechs Stunden bin ich vermutlich meinen stärksten Ultra gelaufen! Ich muss immer noch grinsen, wenn ich daran denke.

“Noch heute muss ich grinsen, wenn ich an diesen Lauf zurückdenke. Es war vermutlich mein bester Ultralauf überhaupt”

Wolfgang Michl ist mit seinen 81-Kilometer-Sololauf sehr zufrieden.

Wie viel hast du in den letzten Wochen trainiert?

Seit Jahresbeginn habe ich mich täglich sportlich betätigt und pro Woche 20 bis 30 Stunden Training absolviert, wobei ich mit Abstand die meiste Zeit am Rad (Indoor) verbracht habe. Laufen, Skimo, Trailrunning und Langlaufen waren die restlichen Sportarten. Grundsätzlich habe ich fast nur im Ausdauerbereich trainiert und ein paar Intervalle am Rad. Ich bin sehr schlecht bei spezifischen Einheiten. Als ambitionierter Hobbysportler steht bei mir die Freude an der Bewegung im Vordergrund, weshalb ich auch nie nach einem Plan trainiere.

Was hast du für diese Saison noch geplant?

Nachdem ich in den letzten Jahren – für meine Verhältnisse – bei vielen Wettkämpfen und Meisterschaften gelaufen bin, werde ich heuer an weniger Wettkämpfen teilnehmen und habe mir spezielle Veranstaltungen und persönliche Herausforderungen auf die Agenda geschrieben. Daher habe ich mich nur für den Vertical Last One Standing (24. April) in Purkersdorf und den Backyard Ultra (03. Juli) in Frankenmarkt angemeldet. Das Format finde ich total interessant und ich bin schon sehr gespannt, wie mein Körper auf die Pausen zwischen den Runden reagieren wird. Ob noch weitere Veranstaltungen dazukommen, werde ich erst kurzfristig und abhängig vom weiteren Verlauf der aktuellen Beschränkungen entscheiden. Mein persönliches Highlight soll heuer aber ein mehrtägiger Trailrun quer durch Vorarlberg werden.

“Dieses Jahr möchte ich noch quer durch Vorarlberg laufen. Ich freue mich auf ein großes Trailabenteuer”

Wolfgang Michl (38, Ultraläufer).

Ein kleiner Blick zurück: Was waren deine bisher größten Erfolge?

Gerne unterscheide ich hier zwischen Erfolg bei Wettkämpfen und der Umsetzung von persönlichen Herausforderungen, die mir mindestens genauso wichtig sind.

2020:

24h Lauf in Bad Blumau: 225,74 km, 1. ÖM, 3. Overall

2019:

Wings for Life World Run in München: 51,67 km, 11. München, 51. Gesamt

Bieler Lauftage: 100 km, 7:47:52 h, 5. Gesamt und 4. AK

100 km: Österreichische Staatsmeisterschaft in Prambachkirchen, 1. Platz in 7:38:48 h

3-Länder Marathon: 2:42:29h als Pacemaker für Sandra Urach, die damit einen neuen Damen Landesrekord aufstellte

Meine persönlichen Highlights:

2019     Cami de Cavalls (unsupported und solo, 189 km, 3.598 Höhenmeter, 24:57:01 h)

2020     Trailrun Baumgarten – mein Hausberg (7 Aufstiege, solo, 68,42 km, 6.819 Höhenmetern, 11:50:55 h)

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