Zeitvertreib

Liebe Leser!

Das mit der Zeit, und wie schnell sie vergeht, ist ja so eine Sache! Bekanntlich empfindet man, dass die ersten Kilometer eines Marathons relativ rasch „purzeln“, während sich ab Kilometer 35 jede 500 Meter gefühlt ewig in die Länge ziehen.

Oder: Laufen im Freien versus auf dem Laufband. Hängt natürlich davon ab, ob man einen spannenden Film beim Laufband-Laufen ansieht, oder wie gut man sich fühlt (oder wie gechillt man gerade ist, ob die Gedanken abschweifen und man in einen richtigen Flow kommt…) – aber generell vergeht die Zeit auf dem Laufband meist viel langsamer.

Fühlt man sich während eines Laufs sehr müde, oder empfindet man das Kilometerpensum, das man sich als Ziel gesetzt hat, als zu hoch, dann vergeht das Training langsam. Intervalle können sich auch sehr ziehen! Die Pausenzeit zwischen den Intervallen vergeht allerdings immer wie im Flug.

Ist es nicht witzig, wie unterschiedlich wir ein und dieselbe Zeitspanne empfinden, abhängig von der Situation in der wir uns gerade befinden?

Hier einige von mir erprobte Tricks, um richtig zu chillen und gefühlt endlos erscheinende Trainingseinheiten kurzweilig zu gestalten:

  1. Nicht so oft auf die Uhr schauen. (Manchmal natürlich unerlässlich, v.a. wenn man sehr Kilometerschnitt-affin ist, oder eben bei Intervallen). Aber ich mache es oft so, dass ich „versuche“ gar nicht daran zu denken ob ich nun Kilometer 11 oder 12 laufe. Einfach genießen, sich aufs Laufen konzentrieren oder die Landschaft betrachten.
  • Bewusst über ein bestimmtes Thema nachdenken. Zum Beispiel, wie die Geburtstagsfeier eines Freundes organisiert werden soll, oder wohin der nächste Urlaub geht. Oder, falls man gerade am Lernen ist, den Stoff im Kopf ein bisschen durchgehen.
  • Nicht auf Zeit laufen, sondern sich das Training auf andere Art und Weise einteilen: „Zuerst laufe ich locker bis zu diesem Punkt, danach kommt ein Anstieg, dann locker den Berg hinunter. Dann eine lange Gerade…“
  • Wenn es schwierig wird, und man ans Abbrechen denkt: Sich Trainings oder Wettkämpfe in Erinnerung rufen, die ebenfalls schwierig waren, aber wo man durchgebissen hat. Wo man vielleicht so eine Art zweiten Energieschub gespürt hat, und am Ende trotz mentaler Erschöpfung nochmal Gas geben konnte.
  • Sich selbst motivieren. Ich denke gerne, „noch 5 Kilometer, das ist wirklich nicht lang“. Oder im Kopf den Trainer spielen: „Geht schon, noch 500 Meter das Tempo halten, super, fast geschafft…!“
  • Im Fitnessstudio, wo einem das Training meist relativ monoton vorkommt und die Zeit äußerst langsam vergeht, ist meine Strategie einfach „abzuschalten“. Ich lasse mich von dem total langweiligen Fernsehprogramm berieseln, schaue zur Abwechslung den Kraftsportlern beim Pumpen zu, oder ich höre der lauten Unterhaltung von zwei Mädels zu, die direkt vor mir nebeneinander auf den Crosstrainern laufen. Manchmal denke ich mir – wenn ich z.B. in der Zahnarztpraxis, oder am Bahnhof warten muss, dann ist die Wartezeit auf jeden Fall noch langweiliger und zudem nicht so gut genutzt, als wenn ich hier auf dem Ergometer-Rad sitze und meinem Herz-Kreislaufsystem sowie meiner Psyche etwas Gutes tue.

Zusammenfassend ist Ausdauersport also nicht nur ein Training für körperliche Stärke („Wettkampfhärte“), sondern man kann sich dabei auch prima in Geduld und Resilienz üben. Das Mentaltraining kommt jedenfalls nicht zu kurz, finde ich.

Eure Liesl

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