2016 lief er noch 3:58 Stunden: Stefan Zielbauer absolviert München Marathon in 2:50 Stunden

Oktober 2021: Stefan Zielbauer aus Kleinberghofen (Landkreis Dachau) lief beim München Marathon nach 2:50:28 Stunden ins Ziel. Das ist eine Verbesserung seiner Bestzeit um sieben Minuten. Im Interview spricht der 37-Jährige über sein Training und auch darüber, wie er sich in den letzten fünf Jahren, auf der Marathonstrecke um über eine Stunde steigern konnte.

Foto: ©marathon-photos.com

Helden des Laufsports: 2:50:28 Stunden beim München Marathon 2021. Wie hast du den Lauf erlebt?

Stefan Zielbauer: Es war nur knapp über dem Gefrierpunkt bevor es am Morgen nach München in den Olympiapark ging. Erst kurz vor dem Start um 9 Uhr kletterten die Temperaturen langsam auf drei bis fünf Grad und es wehte ein leichter, kalter Ostwind. Der Start erfolgte in Olympiastadion, mit der Deutschen Nationalhymne. Grund dafür war die Deutsche- und Bayrische Meisterschaft im Marathonlauf. Danach erfolgte der Start. Es war eng im Stadion und die ersten zwei Kilometer ähnelten eher einem Hindernissparcour als einem Marathon. Danach sortierte sich das Feld langsam und ich hing mich an eine kleine Gruppe, die mich die ersten Kilometer gut mitgezogen hat. Leider wurde diese aber ziemlich bald zu langsam für mich und wir liefen ab Kilometer 15 nur noch in einer zweier Gruppe weiter. Der Mann vor mir lief wie ein Schweizer Uhrwerk (fast auf den Punkt 4:00 Pace), perfekt für mich, denn so brauchte ich mich nur dranhängen und konnte etwas entspannen.

An einem Verpflegungsstelle haben wir uns leider etwas verloren und ich setzte mich hinter eine Fünfer-Gruppe, die auch mein Tempo lief. Der Traum von einer Sub 2:49 Stunden fühlte sich bis Kilometer 32 zum Greifen nahe an. Doch plötzlich zerbrach diese Gruppe und ich musste mich neu sortieren. Mental war das der schwierigste Moment, ich bekam auch das Gefühl, dass ich die Pace nicht mehr halten kann. Mit einem Blick auf die Uhr, sah ich, dass ich jetzt dranbleiben muss, um wenigsten ein paar Sekunden unter 2:50 Stunden zu bleiben. Diese letzten acht Kilometer waren eine große Herausforderung, ich musste kämpfen, um nicht alles zu verlieren. Am Ende verlor ich 40 Sekunden.

Kurz vor Schluss, bei Kilometer 41, liefs wieder richtig gut und ich kämpfte mich an den Menschenmassen vorbei, die gerade ihren Halbmarathon gelaufen sind. Dabei musste ich relativ weite Wege laufen und konnte die Idealspur nicht ansatzweise anlaufen. Nach 2:50:28 Stunden erreichte ich das Ziel und verbesserte meine persönliche Bestzeit um 7:23 Minuten

Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Leider konnte ich erst Mitte Juli wieder mit dem Laufen anfangen. Im Mai unterzog ich mich einer OP an beiden Leisten. Durch diesen Eingriff durfte ich vier bis sechs Wochen lang keinen bzw. nur leichten Sport treiben. So begann meine eigentliche Vorbereitung auf den Herbstmarathon mit Physiotherapie und lockerem Lauftraining bzw. Radfahren. Erst Anfang August war das Laufen wieder so, wie es sich vor der OP anfühlte. So konnte ich mich von Tag zu Tag steigern. Mit der eigentlich Marathonvorbereitung begann ich erst Ende August. Die dabei zurückgelegten Wochenkilometer lagen zwischen 85 und 110 Kilometer. Eine Trainingswoche hatte sechs Einheiten, in der Regel waren ein bis zwei Tempoeinheiten eingebaut und die Sonntags-Longruns waren zwischen 30 und 40 Kilometer lang – teilweise auch mit knackigen Tempoeinheiten. David Schönherr, der mir auch dieses mal wieder zur Seite stand, baute mich wie schon 2019 langsam und mit viel Fingerspitzengefühl auf. Durch die Feedbacks, die er nach einem Traningsblock von mir erhalten hat, gestaltete er wöchentlich neue Pläne. Mitte September erfolgte der erste Belastungstest in Form eines Halbmarathons in Augsburg (1:21:11 Stunden). Aus dieser Zeit konnte die erste Prognose für den Marathon erstellt werden und wir wussten, dass der Wegs stimmt. Mit dem Tapering begann ich eine Woche vor dem München Marathon.

“David Schönherr kennenzulernen, das war der Knackpunkt, ab diesem Zeitpunkt ging es bergauf”

Stefan Zielbauer über seinen Trainer.

2016 bist du den Marathon noch in 3:58:00 Stunden gelaufen. Was ist in den letzten fünf Jahren passiert?

Ich hab nach dem München Marathon 2016 erst so richtig Blut geleckt und mich mehr mit der Materie „Laufen“ auseinandergesetzt. Das heißt, die Vorbereitung auf die Marathons in Berlin 2017 und 2018 wurden auch deutlich ernster genommen. So richtig nach Plan trainierte ich allerdings erst, als ich im Mai 2019 David Schönherr beim Wings for Life Lauf in München kenngelernt hab. Danach blieben wir im Kontakt und er half mir, mit einem von ihm geschriebenen Marathonplan, zu einer neuen Bestzeit in Frankfurt. Auch zwischen den Wettkämpfen schrieb mir David Pläne, nach denen ich fleißig trainiert habe.

Was glaubst du, ist für dich beim Marathon noch möglich?

Ich weiß nicht. Ich denk, es wird auf alle Fälle jetzt schwieriger größere, zeitliche Schritte zu machen. Die Schritte der letzten Marathonzeiten waren schon recht beachtlich (Anm: siehe unten). Solche großen Zeitsprünge werde ich jetzt vermutlich nicht mehr schaffen. Ich liebäugle mal mit 2:45 Stunden in 2022.

Welche sportlichen Erfolge konntest du sonst noch feiern?

Neben den bereits genannten Marathons lief ich zwischen 2009 und 2011 schon ein paar Halbmarathons, aber die Zielzeiten sind nicht der Rede wert, sie waren meist so um die 1:38 Stunden. Erst 2018 und 2019 wurden die Zeiten besser und ich lief die 21 Kilometer in ca. 1:23 Stunden. Natürlich lief ich auch die 10-km-Straßeläufe, aber da waren die Zeiten eher so um die 37 bis 38 Minuten, ich glaub da, werde ich auch nicht mehr wirklich schneller. Im Training bin ich ein zwei Mal ca. 36 Minuten gelaufen. Ich werde nächstes Jahr mal testen, wie es bei einem offiziellen Wettkampf zurzeit so aussieht.

Alle Ergebnisse

Zeitsprünge:

München 2016 = 3:58 Stunden

Berlin 2017 = 03:27:13 Stunden

Berlin 2018 = 03:11:50 Stunden

Frankfurt 2019 = 02:57:51 Stunden

München 2021 = 2:50:28 Stunden

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