Teil 121 (KW 44/2020): Alina Reh

©Alina Reh

Die 23-jährige Alina Reh, EM-Bronzemedaillengewinnerin über die 10000 m von 2018, spricht im Helden-Interview #121 über die Olympischen Spiele, ihr Training und auch darüber, was sie als Leistungssportlerin gelegentlich nervt.

Helden des Laufsports: Gratulation! Du wurdest jetzt – weil die ursprünglich Drittplatzierte Meraf Bahta (Schweden) wegen Doping-Verstößen disqualifiziert worden ist – nachträglich zur Bronzemedaillengewinnerin der EM in Berlin im Jahr 2018 ernannt. Welchen Wert hat so eine nachgereichte Medaille für dich?

Alina Reh: Ich freue mich über die Medaille, aber einen großen Stellenwert hat sie für mich nicht. Ich kam in Berlin als Vierte ins Ziel und war darüber richtig glücklich. Die Stimmung im Stadion war atemberaubend und diese werde ich nie vergessen. Daher ist es schon etwas schade, dass ich dort keine Ehrenrunde mit Flagge laufen durfte. Aber ich sehe es als Ansporn für die EM 2022 in München. 😉

War es das in Berlin, oder welches Rennen würdest du als dein bisheriges Karrierehighlight bezeichnen? Und wie bleibt dir das in Erinnerung?

Ja genau. Berlin war schon ein megatolles Erlebnis. Das würde mir erst ein paar Tage nach dem Event bewusst. Die Stimmung im Stadion war einfach super und die Menschen dort haben mich um die Bahn getragen.

Welche Erfolge konntest du sonst noch feiern?

2015 wurde ich U20 Europameisterin über 3000 m und 5000 m. 2017 U23 Vize-Europameisterin über 5000 m und 2019 U23 Europameisterin über die 10000 m.

Fang wir aber noch mal ganz von vorne an. Wie bist du zum Laufsport gekommen und wann hast du gemerkt, dass es Richtung Leistungssport geht?

Ich hatte als Kind zu viel Energie die ich loswerden musste. Meine Mutter hat mich dann mit zum Laufen genommen und ich habe am Schülerläufen im Vorfeld von Stadtläufen teilgenommen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und dabei war ich auch relativ schnell erfolgreich. Das daraus dann Leistungssport wurde, kam erst nach und nach .

Wie sieht eine intensive Trainingswoche bei dir aus?

Da absolviere ich 13 bis 14 Trainingseinheiten und laufe bis zu 170 Kilometer. Hinzukommen Athletiktraining, Mobilität,…

Dein Verein ist der SSV Ulm 1846. Trainierst du dort in einer Trainingsgruppe oder alleine?

Ich wohne in Laichingen, 30 Kilometer von Ulm entfernt und dort trainiere ich, wenn ich zu Hause, alleine. Ansonsten verbringe ich viel Zeit im Trainingslager und bei meinem Trainer in Berlin.

Wie verlief für dich diese kuriose Corona-Saison?

Das war natürlich nicht einfach, auch ich habe mich auf Olympia vorbereitet und mich auch sehr darauf gefreut. Über die Absage war ich enttäuscht, aber ich habe es als Chance und gewonnene Zeit gesehen, die mein neuer Trainer André Höhne und ich bekommen haben. Als dann doch plötzlich einige Wettkämpfe infrage kamen, war es schwer die Saison zu planen und die richtigen Trainingseinheiten zu setzen. Aber alle hatten/haben mit den gleichen Bedingungen zu kämpfen.

Nächstes Jahr finden (vermutlich) die Olympischen Spiele in Tokio statt. Über welche Distanz willst du dort starten und glaubst du persönlich daran, dass die Spiele mit Zuschauer stattfinden werden?

Ich glaube nicht, dass Zuschauer erlaubt sein werden, dafür ist die momentane Situation einfach zu riskant. Aber ich hoffe natürlich, dass einigermaßen vergleichbare Spiele stattfinden können.

Gilt bei Olympia für dich das Motto „Dabei sein ist alles“, oder was sind deine konkreten Ziele?

Ich möchte bei Olympia natürlich in Topform sein und bereite mich auch dahingehend vor. Für mich ist es wichtig an diesem Tag mein Maximum herauszuholen.

Wenn man so viel in den Laufsport investiert wie du, vermisst man da nicht gelegentlich die Dinge, auf die man dadurch verzichten muss?

Ja manchmal schon. Partys und das Weggehen sind gar nicht mein Ding, aber ich vermisse manchmal lange Wanderungen oder Radtouren, die im normalen Trainingsalltag kaum möglich sind. Die Planung des Essens ist auch sehr anstrengend und ab und zu nervig. Aber es gibt ja auch freie Sonntagnachmittage an denen man Kaffee und Kuchen essen kann. 😉

Was machst du in deiner Freizeit? Welche Hobbys hast du?

Ich gehe gerne wandern, fahre mit dem Rennrad, koche gerne und trinke auch gerne Kaffee. 🙂

Bestzeiten Alina Reh (Quelle Wikipedia):

800 metres – 2:14.03 (Rechberghausen 2016)

1500 metres – 4:13.1 (Bietigheim 2017)

3000 metres – 9:05.07 (Nanjing 2014)

5000 metres – 15:10.01 (London 2017)

10,000 metres – 32:28.48 (Berlin 2018)

10 kilometres – 31:23 (Berlin 2018)

Half marathon – 1:09:29 (Cologne 2018)

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