Teil 78 (KW 50/2019): Annette Müller

Ob kurze Läufe, oder die langen Brocken wie 100 Kilometer (18:47 Minuten und 08:26:57 Stunden), Annette Müller ist auf jeder Distanz flott unterwegs. Die 34-jährige Potsdamerin vom LG Nord Berlin Ultrateam, erzählt uns im Helden-Interview #78 warum sie die langen Distanzen bevorzugt und was sie sonst noch so macht.

Helden des Laufsports: Hallo Annette. Jeder fängt mal klein an und kommt nicht direkt zum Ultralauf. Wann hast du das Laufen für dich entdeckt?

Annette: Das Laufen habe ich für mich als Austauschschülerin in den USA entdeckt. Im Anschluss an den offiziellen Schulunterricht wurde täglich ein umfangreiches Sportprogramm angeboten und von fast allen Schülern recht ambitioniert angenommen. Für mich waren es damals, abhängig von den Jahreszeiten, Fußball, Tennis und Skiabfahren. In den Sommerferien fehlte dann etwas und ich schnürte ganz pragmatisch meine Laufschuhe.

Hdl: Heute sind Ultraläufe deine große Leidenschaft. Über 50 Kilometer hast du eine tolle Bestzeit von 03:45 Stunden stehen. Wann und wie war dieser Lauf?

Annette: Das war Ende Januar in Rodgau. Ich bin eigentlich nur mitgelaufen, weil am Vorabend die Mitgliederversammlung der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung stattfand. Die Vorbereitung war aufgrund eines Umzuges etwas unkoordiniert. Manchmal läuft es in solchen Situationen ja am besten…

Hdl: Folgerichtig hast du auf den anderen Ultra-Distanzen ebenfalls super Zeiten stehen und konntest schon einige Erfolge feiern. Was waren hier deine persönlichen Highlights?

Annette: Eine besondere Bedeutung hatten für mich die 100 Kilometer unter 8:30 Stunden, das war Ende März. Der Sieg eines 50 Meilen-Laufes drei Wochen später in England, war ebenfalls eine tolle Sache. Aber auch die 16:37 Stunden beim 100-Meilen-Mauerweglauf 2018 haben mich auf besondere Art und Weise geprägt. Die beiden Rennen 2018 und 2019 der Deutschen Meisterschaften im Ultratrail, wo ich je Platz zwei erlaufen konnte, werde ich ebenso wenig vergessen, wie meinen Einlauf beim Kraichgaulauf (50 Kilometer). Hier schaffte ich sogar den Streckenrekord der Damen. Jeder Ultralauf hat und ist etwas Besonderes.

Hdl: Was ist das Faszinierende an solchen langen Distanzen?

Annette: Das Zusammenspiel zwischen Körper und Kopf.

Hdl: Als dein schönstes Lauferlebnis bezeichnest du deine alleinige Alpenüberquerung. Erzähle uns davon.

Annette: Noch vor meinem ersten offiziellen Ultralauf, habe ich meinen Laufrucksack gepackt und bin in wenigen Etappen von Bozen nach Garmisch-Partenkirchen gelaufen. Nur meine Laufschuhe, mein Laufrucksack und ich. Ich lief durch traumhafte Landschaft. Ein Gefühl der grenzenlosen Freiheit.

Hdl: Du lebst in Potsdam, wie sind dort deine Trainingsmöglichkeiten?

Annette: Fantastisch. Ein flacher Trainingsmarathon immerzu auf herrlichen Uferwegen direkt am Wasser, ist genauso möglich wie das Auspowern im leicht hügeligen und oft sandigen Wald.

Hdl: Wie sieht eine normale Trainingswoche bei dir aus?

Annette: “Normal” bzw. „durchschnittlich“ gibt es bei mir nicht. 😉 Für mich liegt ein Teil des Reizes beim Laufen in der Variation von Streckennlänge, Lauftempo und Untergrund. Von kurzen Intervallen bis langsamen, langen Dauerläufen ist alles mit dabei.

Hdl: Aber nicht nur auf der Laufstrecke investierst du viel Zeit in den Laufsport. Du bist auch für die Deutsche Ultramarathon-Vereinigung tätig. Was sind hier deine Aufgaben?

Annette: Derzeit übe ich das Amt der Pressewartin der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung aus. Dabei versuche ich u.a. die externe Kommunikation voranzubringen, um die Sichtbarkeit des Ultralaufsport zu fördern.

Hdl: Was machst du beruflich?

Annette: Ich bin Wissenschaftlerin an der Uni.

Hdl: Welches Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Annette: Mit Sport, Beruf und Ehrenamt ist meine Zeit ganz gut gefüllt – leider verstaubt daher mein Geigenkasten ein wenig.

Hdl: Danke für das Gespräch!

Annette: Ich bedanke mich!