Teil 77 (KW 49/2019): Benedikt Hoffmann

Im Helden-Interview #77 sprechen wir mit Benedikt Hoffmann über den Ultralaufsport und über sein Leben neben dem Laufen. Der 34-Jährige aus Stockach in Baden-Württemberg, hat eine 100 Kilometer-Bestzeit von 06:48 Stunden und eine Marathon-Bestzeit von 02:20 Stunden stehen. Erst vor kurzem war Benedikt bei der Berglauf WM in Südamerika am Start, auch darüber sprechen wir mit ihm im Interview.

Helden des Laufsports: Im März wurdest du deutscher Vizemeister über die 50 Kilometer-Distanz. In Grünheide, ca. 50 Kilometer östlich von Berlin, war an diesem Tag nur Marcel Bräutigam schneller. Wie hart war der Kampf um die Medaillen?

Benedikt: Marcel hat von Beginn an ein hohes Tempo vorgelegt. Ich habe zugesehen die Lücke nicht zu groß werden zu lassen. Aber am Ende war er klar stärker. Wichtig war mir, das Rennen gleichmäßig durchzuziehen. Das ist mir auch ganz gut gelungen.

Hdl: Bist du als Kind bzw. Jugendlicher auch schon sportlich gewesen?

Benedikt: Ab einem Alter von 12 Jahren habe ich so richtig sportlichen Ehrgeiz entwickelt. Damals war ich noch Fußballer, bin aber neben den Fußball-Trainingseinheiten, fast täglich gelaufen. Das waren dann Distanzen von sieben bis 15 Kilometer, gerne auch richtig schnell.

Hdl: Du bist einer der besten deutschen Ultraläufer aller Zeiten. Welche waren deine absoluten Ultra-Highlights in deiner Karriere?

Benedikt: Vorneweg, sicher meine 100-Kilometer-Bestzeit von 06:48 Stunden im Rahmen der deutschen Meisterschaften. Aber auch mein achter Platz bei der 50-Kilometer-Ultralauf-WM in Doha war eine top Leistung. Es war ein „Hitzerennen“, daher war die Zeit von 03:03 Stunden nebensächlich. 2018 bin ich zweiter beim legendären „100-Kilometer del Passatore“ geworden. Hier benötigte ich 07:04 Stunden – keine gute Zeit, aber auch da war es brütend heiß. Immerhin konnte ich dort den mehrfachen 100-Kilometer-Weltmeister Giorgio Calcaterra hinter mir lassen.

Hdl: Im Berglauf bist du ebenfalls ziemlich erfolgreich, was war hier dein größter Erfolg?

Benedikt: 2016 bin ich Fünfter über die Berglauf-Langdistanz-WM in Slowenien geworden. Diese Saison habe ich bereits, als zweiter deutscher Bergläufer überhaupt, den Zermatt-Marathon gewonnen. Die Zeit von 03:04 Stunden war beachtenswert. Noch nie war ein deutscher Läufer bei diesem Bergmarathon so schnell.

Hdl: … und vor kurzem bist du wieder bei einer Berglauf-WM am Start gewesen. Wie zufrieden bist du mit deinem Lauf in Südamerika?

Benedigt: Bei verdammt starker Konkurrenz konnte ich in Pantagonien Platz 21 belegen. Leider konnte ich meine Erwartungen, nach einer erfolgreichen Berglaufsaison und Platz fünf bei der WM 2016, unter die Top 10 zu kommen, nicht zu 100 Prozent erfüllen. Nach einer langen intensiven Saison war es natürlich schwer nochmal die Form zu finden, um in diesem Weltklasse-Teilnehmerfeld konkurrenzfähig zu sein. Hinzu kam die technisch anspruchsvolle Strecke. In den Downhill-Passagen verlor ich zu viele Plätze. Dennoch: Mit meiner Platzierung konnte ich der Mannschaft durchaus helfen um auf Platz acht zu laufen.

Hdl: Reizen dich die „normalen“ Distanzen von zehn Kilometer bis hin zum Halbmarathon auch noch?

Benedikt: Ja, das tun sie! Denn häufig bieten sie tolle Stadtrundkurse mit genialer Atmosphäre. Bei meinem dichten Wettkampfpensum nutze ich solch „kurze Distanzen“ aber meistens nur als Trainingsrennen.

Hdl: Dein Trainer ist Manfred Steffny, kein unbekannter in Deutschland, beschreibe uns die Zusammenarbeit mit ihm?

Benedikt: Manfred hat mir viel beigebracht – anhand von bespielhaften Trainingsplänen und interessanten Diskussionen per Telefon. Es gibt nicht viele Trainer, die über eine solche Erfahrung als Leistungssportler und später als Trainer verfügen. Leider sehen wir uns aufgrund der räumlichen Distanz nicht oft. Er gibt mir sozusagen die „Eckdaten“ für mein Training und meine Wettkampfplanung vor. Zudem weiß er mich auch in entscheidenden Momenten zu bremsen.

Hdl: Wie sieht bei dir im Alltag ein normaler Trainingstag aus? Leistungssport und Beruf, wie funktioniert das?

Benedikt: Es ist manchmal schwierig. Mit meiner Familie spreche ich meine Zeitfenster für mein Training immer genau ab, damit sie nicht zu kurz kommt. Häufig versuche ich das Training in meinen Alltag als Lehrer einzupflegen, indem ich in der Mittagspause trainiere oder meinen Arbeitsweg läuferisch zurücklege, um Zeit zu sparen. In den Ferien und an den Wochenenden steht dann das Lauftraining umso mehr im Fokus.

Hdl: Du hast in deiner Karriere schon viel erreicht. Gibt es einen besonderen Traum den du noch realisieren möchtest?

Benedikt: Ich bin stolz auf meine 100-Kilometer-Bestzeit, aber ich möchte sie noch verbessern. Am liebsten im Rahmen einer 100-Kilometer-WM, um dort eine tolle Platzierung zu erreichen. Zudem möchte ich bei Bergmarathons zeigen was ich drauf habe.

Hdl: Chemie, Biologie und Erdkunde sind deine Fächer als Gymnasiallehrer. Was interessiert dich persönlich am meisten?

Benedikt: Als Sportler lernt man tagtäglich seinen Körper sozusagen biologisch kennen. Die Frage, inwieweit unsere Leistungsfähigkeit von biologischen und chemischen Gesetzmäßigkeiten abhängt, ist für mich zentral. Die interdisziplinäre Verknüpfung von Biologie und Chemie finde ich daher sehr interessant. Da ich gerne reise, beschäftigen mich aber auch kulturelle und soziogeographische Fragen.

Hdl: Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Benedikt: Na ja, viel bleibt da nicht. 😊 Meine noch junge Familie ist mir das Wichtigste. Darüber hinaus, reise ich wie gesagt gerne und spiele etwas Klavier. Die Zeit nach dem Leistungssport möchte ich wieder vermehrt dem Bergsteigen widmen.

Hdl: Danke für das Gespräch!