Carbon Spezial

Peter Huber von Sport Rinnerthaler.

Einleitung!

Endlich wieder mal was los am Laufschuhmarkt. Nachdem gerade bei den Wettkampfschuhen in den letzten 20 Jahren relativ wenig los war, schlägt das Herz eines jeden Laufschuhverkäufers seit über einem Jahr höher, wenn er seine Carbonlieblinge zum Testen aus dem Schuhregal holen darf! ;-). Bisher galt – je leichter und direkter, desto schneller. War man aber gerade als Hobbyläufer, der nicht die Athletik eines Haile Gebrselassie besaß, sehr verletzungsanfällig bzw. vor allem muskulär oft am Rande des noch Vertragbaren.

Um das ganze Thema nicht auszuschweifen, möchte ich die wichtigsten FAQ’s durchgehen.

Warum?

Durch Carbon wird die Torsionssteifigkeit enorm erhöht, was die Kraftübertragung um ein Vielfaches erhöht. Der meist S-förmige Plattenaufbau sorgt hierbei für einen verbesserten Abdruck. Carbon allein ist allerdings keine Wunderwaffe. Vor allem die neu entwickelten reaktiven Schäume geben dem Ganzen den Vortrieb, der messbar schneller ist als ein EVA-gedämpfter Schuh! Was noch dazu kommt ist, dass vor allem im muskulären Bereich erhebliche Verbesserungen festgestellt wurden – das ist vor allem für Distanzen ab 10km sehr interessant.

Mir ist sofort aufgefallen, dass ich nach meinen 400m-Intervallen keine Anzeichen von Muskelkater hatte – dies war bisher undenkbar!

Um wie viel ist Carbon schneller?

Nike hatte vor 2 Jahren seinen ersten Carbonschuh in den Handel gebracht – den Vaporfly 4%.
Lt. Nike hatte man in hauseigenen Tests festgestellt, dass die Laufökonomie um 4% im Durschnitt effektiver ist, als bei seinem bisher schnellsten Rennschuh, dem Nike Zoom Strike!

Diverse Tests einiger Zeitschriften, bzw. Sportwissenschaftler ergaben ähnliche Werte, natürlich je Laufstil etc. gab es Abweichungen in beide Richtungen.

Natürlich heißt das jetzt nicht, dass ein 4h-Marathonläufer automatisch um 4%, also 10min schneller läuft, sondern dass die Laufökonomie um 4% besser ist. Das heißt zB sein Puls ist bei gleicher Geschwindigkeit um 4% niedriger.
Die Weltbestzeiten auf 5000m bis 42,2 km sind alle in den letzten 2 Jahren neu gebrochen worden, dies sollte schon ein sehr starker Beweis für die Geschwindigkeit der neuen Technologien sein.

Aus meiner Sicht hat mittlerweile jeder, der nicht mit Carbon läuft, einen Nachteil gegenüber der Konkurrenz!

Welcher ist der schnellste Schuh?

Lange Zeit kam an Nike, der die Technologie imposant mit dem SUB2-Rekord auf der Wiener Praterallee beworben hatte, niemand nach. Mittlerweile bringen fast alle großen Hersteller sehr gute Konzepte auf den Markt.

Einer Studie der “Triathlon”-Zeitschrift zufolge hatte man 6 Modelle miteinander bei 3 Testläufern unterschiedlichen Niveaus verglichen. Bei allen 3 Testpersonen kam ein unterschiedlicher Testsieger heraus. Aus meiner Sicht , gibt es auch im Carbonbereich auch Modelle, die für kürzere bzw. längere Distanzen, für schnellere/langsamere Läufer, für verschiedene Terrains etc. geeignet sind.

In dem Test ist zum Beispiel der Schuh Hoka CarbonX bei den meisten Testpersonen zwar schneller, als ein bisheriger Wettkampfschuh gewesen, hatte aber bei der Laufökonomie schlechtere Werte.

Nur muss man hier wieder bedenken, es handelte sich um einen Stufentest, bei dem 3 Geschwindigkeiten 5min getestet wurden. Ich habe im Geschäft bei diesem Modell zum Beispiel sehr oft feststellen können, dass dieser Schuh gerade für längere Distanzen sehr einfach zu laufen war, und andere sehr reaktive, gefühlt schnellere Schuhe, hier sehr stark nachließen bzw. zum Teil eine starke Pronation zu Erkennen war.

Aus meiner Sicht, gibt es nicht “den schnellsten Schuh”, sonder es empfiehlt sich, viele Modelle zu testen.

Aber wo ist der Haken?

·         Carbonschuhe sind teuer (ab 160 EUR bis 320 EUR)

·         Die Laufleistung ist sehr gering – die meisten Hersteller empfehlen 300-500 Laufkilometer

·         Ein Carbonschuh sollte nicht zu oft im Training getragen werden – die muskuläre Belastung ist ja weniger, wie bei einem Trainingsschuh – und der Abdruck muss ja trotzdem trainiert werden.

·         Bisher gibt es noch sehr wenig Langzeitstudien und es ist noch nicht 100%ig geklärt, welche Auswirkungen Carbon langfristig für Sehnen und Bänder haben

Zusammenfassend

Ein leidenschaftlicher Läufer, der seine persönlichen Bestzeiten noch verbessern möchte, hat mit einem Carbonschuh sicherlich wahnsinnig viel Freude. In unserem Geschäft erlebe ich tagtäglich erstaunte und begeisterte Läufer, die sich einen solchen Effekt niemals vorstellen hätten können!

Mir persönlich machen die neuen Schuhe extrem viel Freude, und ich zähle mittlerweile schon 4 Paar zu meinen Eigenen!

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