Cornelia Stöckl-Moser: Hoffnung und Rückschläge – Teil 2

Von Cornelia Stöckl-Moser (25) aus Saalfelden – Linz Marathon Siegerin 2019

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„Step by Step“ zum Comeback

Ende Oktober war es dann endlich soweit, ich erhielt das OK zum Laufen, nicht weit, nicht schnell, aber immerhin. Vor dem ersten Lauf war ich fast so nervös wie vor einem Marathon. Werde ich Schmerzen haben, wie ist meine Form, …? Ich begann zu laufen, es fühlte sich toll an, wie immer, als hätte ich nie pausiert. Nach 20 Minuten noch immer keine Schmerzen. Gerne wäre ich weitergelaufen, aber es war genug für heute. Langsam anfangen und langsam steigern war die Anweisung. Entgegen meinen Erwartungen ist mir das auch tatsächlich gelungen. 35 Kilometer in Woche eins, 42 Kilometer in Woche zwei und 50 Kilometer in Woche drei. Die zu Beginn nach jedem Lauf eintretenden Muskelkater, schlimmer wie nach einem Marathon, wurden nach und nach weniger, das Tempo schneller und die Distanz länger (Anm. d. Red: max. zwölf Kilometer). Die immer wieder leicht ziehenden Schmerzen im linken Fuß machten mir ein wenig Sorgen. Etwas dehnen, massieren und Behandlungen mit der Mini-Faszien-Rolle und die Schmerzen waren fast wieder beseitigt. Aufgrund dessen und der Tatsache, dass sie während dem Laufen nicht schlimmer wurden, ging ich von einer harmlosen Verspannung oder ähnlichem aus.

Erste Versuche auf der Bahn und erneuter Arztbesuch

12. November: Strömender Regen, fast 0°C und Wind, aber das war mir egal. Vom Laufen konnte mich aktuell nichts abhalten, so sehr genoss ich es, wieder laufen zu können. Also ging es auf die Bahn. Ein erster kleiner Formtest, 20 x 200 Meter. Beim Einlaufen die üblichen leicht ziehenden Schmerzen. Dann begann ich das Programm, kaum Schmerzen bei den Intervallen, leichte Schmerzen in der Erholungsphase. 20 x 200 Meter in 43-45 Sekunden mit einer Minute Erholung. Aber die Freude über die akzeptable Leistung wurde bald von heftigen, stechenden Schmerzen übertönt. Humpelnd „lief“ ich nach Hause. Immer wieder ging ich, weil die Schmerzen das Laufen kaum mehr zuließen. Aber Kälte, Regen und Wind bewogen mich wieder zum „Laufen“. Die Schmerzen waren mir alt bekannt, dasselbe Schema und derselbe Schmerz wie bei der Beckenringfraktur. Pochend, stechend und plötzlich unerträglich nach Tempoläufen. Also ging ich am nächsten Morgen zum Arzt. Natürlich sollten „Pause und Schmerzmittel“ wieder die Lösung sein. Ich blieb hartnäckig und forderte ein MRT, welches ich mir ohnehin in einer Privatklinik selbst zu finanzieren hatte, denn fünf Wochen Wartezeit im Krankenhaus kamen für mich nicht in Frage. Dann die erschütternde, aber von mir bereits befürchtete Diagnose: Mehrere Knochenmarksödeme und eine Stressfraktur im Fuß – Laufpause sechs bis acht Wochen.

Die Enttäuschung ist groß

Lang geplanter Kenia Urlaub storniert – Zweifel am eigenen Körper

Verglichen zu den drei Frakturen im Beckenbereich scheint diese Verletzung eher nicht schwerwiegend. Doch belastet sie mich viel mehr. Denn auch Radfahren und Spaziergänge an der frischen Luft sind tabu. Selbst bei Alltäglichem, wie Putzen, Einkaufen oder in der Arbeit werden die Schmerzen mit der Zeit stärker und ich bin froh, wenn ich den Fuß hochlagern kann. Mehr schmerzt es aber, auf jegliche Bewegung in der Natur verzichten zu müssen. Wie sehr vermisse ich Läufe und Spaziergänge im Wald. Was bleibt sind Schwimmen und Aquajoggen. Ach ja und am Boden liegen oder sitzen und Kräftigungsüben zu machen ohne meinen linken Fuß zu belasten. Selbst unsere lange geplante und ersehnte Kenia-Reise im Dezember/Jänner fällt ins Wasser. Auf Stressfraktur folgt also Stressfraktur… und wie geht es weiter? Das weiß ich leider im Moment auch nicht. Nach den Beckenfrakturen war der Blick klar nach vorne gerichtet. Ich war zuversichtlich und die Saison 2020 im groben geplant. Nach dem neuerlichen Rückschlag verlässt mich jedoch allmählich der Optimismus. Klar auch diese Stressfraktur heilt, aber was folgt dann? Die nächste Stressfraktur? Ist mein Körper den hohen Belastungen vielleicht einfach nicht gewachsen? Von Leistungsgedanken habe ich mich derzeit mehr oder weniger distanziert. Wenn ich aquajogge, schwimme oder Krafttraining mache, dann deshalb, weil ich gerade Lust habe mich zu bewegen und nicht zur Schadensbegrenzung hinsichtlich meiner Leistungseinbußen.

Jetzt heißt es erneut pausieren

PS: Natürlich bin ich über Tipps und Hinweise dankbar aber dazu so viel vorab: Aus medizinischer Sicht habe ich mich mehr oder weniger komplett durchchecken lassen. Blutuntersuchung mit sämtlichen Vitaminen und Mineralstoffen, Hormonstatus und Knochendichtemessung. Natürlich wird die Regeneration im vergangenen Jahr zu kurz gekommen sein. Dafür blieb neben dem Arbeiten und Laufen kaum Zeit bzw. wollte ich mir diese Zeit nicht nehmen. Damit einhergehend war auch die Nahrungszufuhr mit Sicherheit nicht meinem Trainingsumfang entsprechend. Oft trainierte ich früh morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause oder (bzw. eigentlich und) abends nach der Arbeit. Zum Essen, geschweige denn zum Kochen, bleibt da wenig Zeit. Aber ich glaube davon könnt ihr alle ein Lied singen ;-).

Anm. d. Red: Wir von “Helden des Lausports” wünschen gute Besserung und eine baldige Rückkehr auf die Straße.