Julia Mayer überzeugt bei Crosslauf-EM in Lissabon – Weidlinger zufrieden

Bei ihrem ersten Auftritt bei einer Crosslauf-EM, konnte die 26-jährige Julia Mayer in Lissabon mit dem 22. Platz durchaus überzeugen. Wie die Wienerin das Rennen erlebt hat, und was sie 2020 plant, lesen wir im Interview des Tages – geführt von Elisabeth Smolle. Eine Einschätzung von Nationaltrainer Günther Weidlinger haben wir ebenfalls für euch.

Helden des Laufsports: Du hast bei der Crosslauf-EM in Lissabon, am 08.12.2019, eine Spitzenleistung abgeliefert (Anm. d. Red. 8,3 Kilometer, einige Höhenmeter, Zeit: 29:01 Minuten, Platz 22) Damit ist das die zweitbeste Platzierung einer Österreicherin bei einer Crosslauf-EM überhaupt. Bitte beschreibe den Verlauf des Rennens kurz aus deiner Perspektive.

Julia: Ich bin sehr gut aus dem Startblock herausgekommen und war sogar bis zur ersten Steigung vorne mit dabei. Die ersten zwei Runden waren sehr hart – die Bergab-Passagen und die unrhythmische Strecke waren eine große Herausforderung für mich. Ich konnte aber bergauf immer wieder Löcher zulaufen und Plätze gutmachen. Durch die Zurufe von Dietmar Millonig, der mich an diesem Tag betreute, wusste ich immer auf welcher Position ich mich befinde. Das hat mir geholfen zum Schluss im Sprint noch Läuferinnen zu überholen. 

Hdl: Wie zufrieden bist du mit deiner Leistung? Warst du zu 100% fit, oder bereits müde und ausgelaugt am Ende einer anstrengenden Saison? Wäre unter Umständen noch mehr drin gewesen?

Julia: Mein Ziel war es an meine Leistungen in München und Tilburg (Platz 1 und 7) anzuschließen. Natürlich stehen bei einer EM nur die Besten am Start und das Athletinnen-Feld ist um einiges größer. Das wusste ich, dennoch habe ich mir viel vorgenommen und das fast umsetzen können. Dementsprechend bin ich nicht 100 Prozent zufrieden. Und ja, es stimmt – meine Saison ist schon sehr lange und ich habe bereits viele Wettkämpfe hinter mir. Müde bin ich aber nicht. Ich hatte keinen perfekten Tag, das macht aber nichts. Es gibt gute und weniger gute Tage. Wenn ich an einem müden Tag Platz 22 bei der EM erreiche, bin ich sehr zufrieden. 

Hdl: Siehst du dich in Zukunft eher im Crosslauf, auf der Bahn oder doch eher auf der Langdistanz? Wenn du fünf Jahre in die Zukunft blicken könntest – wohin glaubst du, wirst du dich am ehesten entwickeln?

Julia: Spannende Frage – ich bin ein Mensch, der im Hier und Jetzt lebt und weniger in die ferne Zukunft denkt. Wer weiß, vielleicht laufe ich in fünf Jahren Marathon. 😉 

Hdl: Was sind deine nächsten Ziele für die Saison 2020?

Julia: Mein Hauptziel ist definitiv die Europameisterschaft in Paris. Dort möchte ich über 5.000 Meter starten. Sonst natürlich die nationalen Meisterschaften auf der Bahn und einige Läufe auf der Straße, wie z.B. der österreichische Frauenlauf. 

Hdl: Zum Abschluss – bitte gib uns Hobby-Läufern noch einen guten Tipp, wie man es schafft, sich langfristig zu verbessern und seine Ziele zu erreichen, ohne die Freude am Laufsport zu verlieren! 🙂

Julia: Kontinuität ist das Um und Auf. Wenn man stetig an sich arbeitet und Fortschritte erkennbar sind, verliert man seine Ziele nicht aus den Augen. Gleichzeitig lernt man auf seinen Körper zu hören und ist weniger verletzungsanfällig. 

Hdl: Vielen Dank für das Interview, und viel Erfolg für deine nächsten sportlichen Ziele!

Julia Mayer (Archivfoto)

Das EM-Re­sü­mee von Günther Weidlinger (ÖLV-Nationaltrainer):

„Insgesamt können wir eine recht ausgeglichene Bilanz ziehen. Vor allem die Damen haben durchwegs gute Leistungen gezeigt. Der Kurs war irrsinnig schwer und ließ kein einfaches Rollen zu. Sehr erfreulich ist, dass alle U20 Athletinnen auch nächstes Jahr noch in dieser Klasse startberechtigt sind. Carina Reicht hat sich sehr gut präsentiert und hatte nur elf Sekunden Rückstand auf Platz 20. Lotte Seiler und Katharina Götschl haben sich in ihrem Rahmen präsentiert und Platz 12 in der Teamwertung, hinter der Crosslaufnation Irland, war ok. Tobias Rattinger tat sich auf der schweren und langen Strecke der MU23 etwas schwer, blieb aber mit Platz 75 im Rahmen seiner Möglichkeiten. Lena Millonig und Katharina Pesendorfer landeten mit Platz 36 und 49 im Mittelfeld, wobei auch bei Lena nicht viel auf Platz 20 gefehlt hat. Die Abstände waren sehr gering, dies spiegelt auch die starke Konkurrenz speziell im Crosslauf wieder. Andreas Vojta begann sehr stark und mit Platz 39 darf man zufrieden sein, vor allem da es nicht unbedingt seine Strecke war. Julia Mayer lieferte den krönenden Abschluss und konnte mit einem packenden Zielsprint mit Platz 22 für die beste Platzierung des Teams sorgen. Auch hier hat nicht viel auf die Top 20 gefehlt, in den nächsten Jahren ist ihr das auf alle Fälle zuzutrauen.“

Nationaltrainer Günther Weidlinger